Suizid und Suizidversuch

Suizid und Suizidversuch

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Eine wichtige Information vorab!

In akuten Krisen (Suizidgedanken oder Suizidplänen) bei Ihnen oder Ihnen nahestehenden Menschen wenden Sie sich bitte an:

  • die nächste psychiatrische Klinik
  • die Rettungsleitstelle unter der Telefonnummer 112
  • die Polizei unter der Telefonnummer 110.

Was ist ein Suizid bzw. ein Suizidversuch?

Definition

  • Suizid ist eine Handlung, deren Planung und Durchführung den eigenen Tod verursachen soll.
  • Ein Suizidversuch ist eine in suizidaler Absicht ausgeführte Handlung, die nicht zum Tod führt. Die Person nimmt dabei beispielsweise absichtlich eine Überdosis Medikamente oder unternimmt etwas anderes, das einen tödlichen Ausgang hat, sofern kein anderer eingreift.
  • Bevor sie einen Suizid oder Suizidversuch durchführen, können gefährdete Personen bereits längere Zeit Suizidgedanken haben.
  • Konkrete Suizidpläne (z. B. Wahl des Suizidmittels, Zeitpunkt, Ort), -vorbereitungen (z. B. Besorgen von Suizidmitteln, Abschiedsbrief) oder vom Umfeld wahrgenommene Anzeichen für einen Suizid  (z. B. direkte oder indirekte Beschäftigung mit Suizidalität, Verweigerung von Nahrung weisen auf ein hohes Suizidrisiko hin, die betroffenen Personen brauchen dann unverzüglich Hilfe.

Ursachen

Mindestens 90 % der Menschen, die einen Suizid begehen, haben eine psychische Störung. Bei über 80 % ist diese zum Zeitpunkt des Suizids unbehandelt. Die häufigste Ursache für Suizide sind Depressionen. Fast alle Patient*innen mit schweren Depressionen haben zumindest Suizidgedanken. Die Suizidrate bei Personen, die an einer Depression leiden, ist etwa 30-mal höher als in der Durchschnittsbevölkerung.

Weitere psychische Störungen, die ein erhöhtes Risiko für einen Suizid oder Suizidversuch darstellen:

  • Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
  • psychotische Störungen (z. B. Schizophreniewahnhafte Störung)
  • Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline)
  • Bestimmte Essstörungen
  • Schwere körperliche Erkrankungen (z. B. EpilepsieDiabetes mellitusAIDS)
  • Frühere Suizidversuche
  • Enge Freund*innen oder Verwandte von Menschen, die Suizid begangen haben.
  • Belastende Lebensereignisse, Krisen, z. B. Verlust eines nahestehenden Menschen
  • Arbeitslosigkeit
  • Armut
  • Einsamkeit
  • Hohes Lebensalter ohne engen Kontakt zur Familie.

Auf der anderen Seite gibt es auch Faktoren, die vor einem Suizid oder Suizidversuch schützen, aber einen Suizid nicht zwangsläufig verhindern, wie:

  • Starke emotionale Bindung an Personen, soziale Eingebundenheit, Hobbys
  • Ethische und moralische Skrupel gegenüber einem Suizid
  • Verantwortung für Kinder
  • Gedanken und Pläne in Bezug auf die Zukunft
  • Wunsch nach Hilfe und entsprechende Initiative.

Häufigkeit

Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 9.000 Menschen durch Suizid. Über 100.000 Menschen begehen einen Suizidversuch. Damit sterben deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle (ca. 3.000), Mord und Totschlag (500–700), illegale Drogen (1.000–1.600) und AIDS (< 300) zusammen. Schätzungen zufolge gibt es neben den registrierten Suiziden eine Dunkelziffer von etwa 25 %. Darunter fallen der plötzliche Tod von Menschen, die Medikamente einnehmen, von älteren und einsamen Menschen sowie Unfälle, die eigentlich Suizide sind.

Männer begehen etwa 2,5-mal häufiger Suizid als Frauen, während Frauen 3-mal so viele Suizidversuche wie Männer begehen. Sie wählen auch häufiger gewalttätige Methoden wie Erhängen, Erschießen oder Ertrinken. Frauen entscheiden sich meist für Überdosierungen und Schnittverletzungen. Das Suizidrisiko steigt mit zunehmendem Lebensalter an.

Untersuchungen

Anamnesegespräch

  • Häufig werden betroffene Personen von Angehörigen aufgefordert, ärztliche Hilfe zu suchen, da sie ihre suizidalen Gedanken oder Absichten selten von sich aus mitteilen. Vor allem männliche Personen mit Depressionen und Suizidgedanken nehmen kaum von sich aus Hilfe in Anspruch.
  • Daher müssen eine tatsächliche Suizidankündigung, aber auch vom Umfeld wahrgenommene Anzeichen für Suizidalität sehr ernst genommen werden und die genauen Umstände, Absichten der betroffenen Person sowie die Möglichkeit, davon Abstand zu nehmen, erfragt und geklärt werden.
  • Ein bereits stattgefundener Suizidversuch wird meist dadurch erkannt, dass sich betroffene Personen an Ärzt*innen wenden oder Personen in entsprechenden Situationen aufgefunden werden.

Ärzt*innen werden zur Abschätzung des aktuellen Suizidrisikos bestimmte Fragen stellen, v. a. wenn bei den Betroffenen bereits o. g. Risikofaktoren bekannt sind oder aktuell neu aufgetreten sind.

Dabei werden auch folgende Umstände erfragt:

  • Mögliche frühere Suizidversuche
  • Ein kürzlich stattgefundener Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik
  • Der aktuelle Druck, tatsächlich einen Suizidversuch zu begehen.

Körperliche Untersuchung 

Falls ein Suizidversuch stattgefunden hat, überprüfen Ärzt*innen oder medizinisches Personal die Lebens- und Kreislauffunktionen, wie Puls, Blutdruck, Temperatur sowie die Atmung. Falls sich hier Störungen ergeben, erfolgt je nach Ursache eine entsprechende Notfallbehandlung.

Behandlung

In der akuten Krise oder nach einem Suizidversuch geht es darum, betroffenen Personen Kontakt, Zuwendung und Beruhigung durch Gespräche zu ermöglichen und darüber möglichst eine tragfähige Beziehung zu Therapeut*innen aufzubauen. Dabei werden feste, regelmäßige, persönliche oder telefonische Gesprächstermine vereinbart. Eine gute Beziehung zu Therapeut*innen kann vorbeugend wirken und einen drohenden Suizid verhindern.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie, wie z. B. die kognitive Verhaltenstherapie, kann zugrunde liegende Depressionen behandeln und suizidgefährdete Patient*innen langfristig stabilisieren. Wichtig ist dabei eine tragfähige Beziehung zu Therapeut*innen, die als regelmäßige Bezugspersonen, einen Suizidversuch langfristig verhindern können.

 Überweisung zu Spezialist*innen

Eine Überweisung zu Spezialist*innen (Fachärzt*innen für Psychiatrie) sollte zeitnah dann erfolgen, wenn betroffene Personen bei ihren aktuellen Behandler*innen (z. B. Hausärzt*innen, Psychotherapeut*innen) nicht versichern können, dass sie bis zum nächsten fest vereinbarten Termin keine suizidale Handlung vornehmen, oder wenn eine Klinikeinweisung abzuklären ist.

Einweisung in ein Krankenhaus

Eine stationäre Einweisung sollte dann erfolgen, wenn Personen, die Suizidgedanken hegen oder konkrete Handlungen bereits ins Auge gefasst haben,

  • akut suizidgefährdet sind.
  • nach einem Suizidversuch medizinische Versorgung brauchen.
  • aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung intensive psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung benötigen.
  • nicht zuverlässig von Behandler*innen bezüglich ihrer Suizidalität eingeschätzt werden können.

Bei Suizidgefahr und fehlender Behandlungsbereitschaft oder einem bereits stattgefundenen Suizidversuch kann eine unfreiwillige Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus zur weiteren Abklärung und Behandlung veranlasst werden.

Medikamente

Falls die o. g. Maßnahmen nicht ausreichen, besteht die Möglichkeit, ergänzend Medikamente einzusetzen.

Benzodiazepine (z. B. Lorazepam oder Diazepam) als Akutbehandlung können bei suizidgefährdeten Personen in Betracht gezogen werden, wenn v. a. Angst und Anspannung im Vordergrund stehen. Sie sollten allerdings aufgrund des Abhängigkeitsrisikos nur kurzfristig eingesetzt werden. Bei psychotischen Symptomen (z. B. Halluzinationen) sollte zusätzlich mit Antipsychotika (z. B. Haloperidol) ergänzt werden.

Bei einer Depression als Ursache der Suizidgefahr kann diese unter entsprechender Risiko-Nutzen-Abwägung ebenfalls medikamentös behandelt werden.

Angehörige

Auch Personen, deren Familienangehörige oder Freund*innen Suizid begangen haben, brauchen Unterstützung und Hilfe. In vielen größeren Städten stehen in einem solchen Fall psychiatrische Ambulanzen, suizidprophylaktische Notdienste oder andere Stellen zur Verfügung (siehe auch Abschnitt Beratung und Hilfe).

Beratung und Hilfe

Autorin

  • Catrin Grimm, Ärztin in Weiterbildung Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Klingenberg a. M.

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Suizid und Suizidversuch. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression. Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression. AWMF-Leitlinie Nr. nvl-005. S3, Stand 2022. register.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Notfallpsychiatrie. AWMF-Leitlinie Nr. 038-023. S2k, Stand 2019. www.awmf.org
  3. Lindner R. Information über Suizidalität und Suizid. Nationales Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro). Zugriff am 12.03.2022. www.naspro.de
  4. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2022. Stand 17.09.2021; letzter Zugriff 12.03.2022 www.dimdi.de
  5. O'Connor E, Gaynes B, Burda BU, et al. Screening for Suicide Risk in Primary Care: A Systematic Evidence Review forthe U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): 2013. Letzter Zugriff 01.11.2017 www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Jokinen J, Talbäck M, Feychting M, et al. Life expectancy after the first suicide attempt. Acta Psychiatr Scand 2017 Dec 14. pmid: 29238963 PubMed
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