Strahlentherapie
Strahlentherapie
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Was ist Strahlentherapie?
Dieser Artikel informiert allgemein über Strahlentherapie. Die genaue Anwendung, Ablauf und Verträglichkeit variieren stark je nach Tumor und persönlichem Gesundheitszustand. Bitte besprechen Sie dies ausführlich mit Ihren behandelnden Ärzt*innen.
Definition
Strahlentherapie ist die Anwendung von Photonen- oder Teilchenstrahlung zur Therapie- meist bei bösartigen Erkrankungen. Teilchen sind Elektronen, Protonen oder Neutronen. Durch die Bestrahlung kommt es zur Schädigung des Erbguts, der Desoxyribonukleinsäure (DNS) der bestrahlten Zellen.
Methoden
Teletherapie
Tele heißt auf Griechisch fern. Dies ist die häufigste Form der Strahlentherapie. Aus einer Entfernung von 80–100 cm wird gezielt ein davor festgelegtes Gebiet bestrahlt. Die Planung und Vorbereitung erfolgen durch Vermessungen und Markierungen nach bildgebenden Untersuchungen (CT, MRT). Dabei kann auch festgelegt werden, in welcher Eindringtiefe im Körper die hauptsächliche Wirkung sein soll.
Brachytherapie
Brachy heißt auf Griechisch kurz oder nah. Bei dieser Form der Strahlentherapie beträgt der Abstand zwischen Strahlenquelle und Tumor weniger als 5 cm. Es kann z. B. eine Strahlenquelle direkt in den Tumor eingebracht werden oder sehr nahe an den Tumor. Ein Beispiel ist unter bestimmten Umständen die Therapie des Gebärmutterhalskrebses. Dazu wird die Strahlenquelle in der Gebärmutter direkt an das bösartige Gewebe gelegt.
Radionuklidtherapie
Bei dieser Form der Strahlentherapie wird eine radioaktive Substanz in die Vene gespritzt. Die Substanz ist speziell ausgewählt, sodass sie sich im Tumorgewebe ansammelt und dort wirkt. Ein Beispiel ist die Radioiodtherapie beim Schilddrüsenkarzinom. Radioaktives Jod reichert sich gezielt in der Schilddrüse an und führt dort durch die Strahlung zu Schädigung der umgebenden Zellen.
Einsatzgebiete
Kurativ
Kurativ meint heilend. Bei einer kurativen Therapie ist es also Ziel, die Krankheit komplett zu heilen. Um dies zu erreichen wird die Strahlentherapie oft in Kombination mit anderen Methoden eingesetzt:
- Chemotherapie: Durch Gabe von bestimmten Medikamenten (Zytostatika) können Krebszellen geschädigt werden. Chemotherapie wird oft vor oder nach Strahlentherapie eingesetzt, manchmal auch in geringer Dosis während der Bestrahlung, um die Wirkung zu verstärken.
- Hormontherapie: Manche Tumorzellen haben Hormonrezeptoren und können dadurch im Wachstum beeinflusst werden. Oft wird durch Blockade der Hormonwirkung eine Hemmung des Wachstums erreicht. Beispiele sind Brustkrebs und Prostatakrebs. Die Hormontherapie wird oft noch über Jahre fortgeführt.
- Hyperthermie: Bei bestimmten Krebsformen kann eine lokale Überwärmung den Effekt der Strahlentherapie verstärken. Dies ist z. B. bei bestimmten Krebsformen der Prostata, des Gebärmutterhalses oder des Enddarms möglich.
- Operation: Strahlentherapie kann vor einer Operation eingesetzt werden, um einen kleineren Eingriff zu ermöglichen. Nach einer Operation wird sie oft eingesetzt, um einzelne Zellen, die vielleicht nicht entfernt wurden, abzutöten.
Palliativ
Palliativ heißt lindernd. Oft wird diese Therapie eingesetzt, wenn der Krebs bereits gestreut hat, also Metastasen gebildet hat. Palliative Therapie dient zur Linderung von Beschwerden oder um das Auftreten von Komplikationen zu vermeiden. Eine komplette Heilung wird nicht angestrebt, durchaus aber eine Verlangsamung des Tumorwachstums oder ein Abtöten des Krebses an einer Stelle, an der er zu Schmerzen oder anderen Problemen führt. Das Hauptziel der Therapie ist also die Verbesserung der Lebensqualität.
Häufige Beispiele sind: Knochenmetastasen, Schmerzen bei Druck auf Nerven, Metastasen im Gehirn oder Blockade von Luftwegen durch Metastasen.
Wie wirkt Strahlentherapie im Körper?
Wirkung
Strahlentherapie wirkt generell über eine Schädigung des Erbguts. Bei der nächsten Zellteilung fehlen dann wichtige Information aus dem Erbgut, und die Zelle stirbt ab. Unsere gesunden Körperzellen, die im Strahlengebiet liegen, werden auch geschädigt, haben aber mehr Reparaturmechanismen als Krebszellen und können sich so besser von der Bestrahlung erholen. Durch die wiederholte Anwendung können sich die Körperzellen reparieren und die Tumorzellen werden abgetötet.
Die Schädigung durch Strahlung erfolgt zum einen durch Bildung von Sauerstoffradikalen (aggressive Sauerstoffmoleküle) zum anderen über die direkte Strahlenwirkung. Daher hat die Bestrahlung den stärksten Effekt in gut sauerstoffversorgten, sich schnell teilenden Geweben.
Generell ist nicht jeder Tumor gleich empfindlich für Strahlung. Besonders gut sprechen z. B. folgende Krebsarten an: bestimmte Blutkrebsarten, Krebsformen des Hals-, Nasen-, Ohrenbereichs, Gebärmutterhalskrebs, Enddarmkrebs
Manche Metastasen (Krebsabsiedelungen) lassen sich auch besonders gut durch Strahlentherapie behandeln, z. B. Knochenmetastasen, Hautmetastasen, Hirnmetastasen.
Nebenwirkungen
Unmittelbar während der Bestrahlung gibt es meist wenig Nebenwirkungen. Diese treten erst bei Zellteilung auf. Daher ist der Zeitpunkt von Nebenwirkungen je nach Gewebe sehr unterschiedlich: Eine Schädigung des Knochenmarks kann innerhalb einiger Stunden entstehen, eine Nervenschädigung kann sich eventuell erst nach Jahren zeigen.
Es wird unterschieden zwischen akuten Nebenwirkungen, die sich innerhalb von 90 Tagen zeigen und Spätfolgen, die noch Jahre und Jahrzehnte später auftreten können. Im Folgendem sind einzelne häufige Beispiele aufgeführt. Prinzipiell sollten Sie sich immer von den behandelnden Ärzten*innen genauer beraten lassen.
Akute Nebenwirkungen sind (abhängig vom Bestrahlungsfeld):
- allgemeine Müdigkeit (Fatigue)
- Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall
- Haut- oder Schleimhautentzündungen
- Kopfschmerzen
- Atembeschwerden
Spätfolgen treten vor allem bei jüngeren Patient*innen auf und sind insgesamt seltener (abhängig vom Bestrahlungsfeld):
- Bestrahlung des Gehirns: Gedächtnis oder Konzentrationsstörungen
- Bestrahlung des Herzens: Herzmuskelentzündung, höheres Risiko für Herzinfarkt
- Bestrahlung der Lunge: Entzündungen und bindegewebige Veränderungen der Lunge
- Bestrahlung im Mundbereich: Mundtrockenheit durch Schädigung der Speicheldrüsen, Zahnschäden
- Bestrahlung des Magen und Darms: chronische Schmerzen, Verdauungsstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Eine spezielle Spätfolge, die nach Strahlentherapie auftreten kann, sind neue Tumore. Strahlung stellt immer auch einen Risikofaktor für Krebsentstehung dar. Dieses Risiko ist aber klein und sollte Sie nicht von einer notwendigen Therapie abhalten.
Was können Sie tun?
Lassen Sie sich genau beraten. Wahrscheinlich bekommen Sie spezielle Empfehlungen und Anweisungen je nach Bestrahlungsfeld. Geben Sie bei Nebenwirkungen immer sofort dem medizinischen Personal in der Strahlentherapieeinrichtung Bescheid. Nehmen Sie alle Bestrahlungstermine wahr oder besprechen Sie Pausen mit Ihren behandelnden Ärzten*innen.
Planen Sie die Zeit der Bestrahlung individuell, wie es Ihnen guttut. Oft können Sie während der Bestrahlung körperlich aktiv bleiben. Die Haut kann normalerweise weiter mit milder Seife gewaschen werden. Sollte es nach Bestrahlung zu Rötung oder Überwärmung kommen, hilft vorsichtiges Kühlen. Besonders bei Bestrahlung im Mundbereich ist eine gute Mundpflege und Zahnpflege wichtig. Zu heiße oder reizende Speisen oder Getränke sollten dann vermieden werden.
Informieren Sie das medizinische Personal bei Übelkeit. Dagegen gibt es wirksame Medikamente.
Autorin
- Angelika Eisenried, Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Strahlentherapie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Deutsche Krebsgesellschaft. Hyperthermie-Behandlung. Onko-Internetportal 23.05.2018. www.krebsgesellschaft.de
- Guckenberger M, Guninski RS, Hüllner M, et al. Aktuelle interdisziplinäre Behandlung von Knochenmetastasen. Onkologie 2023; 29: 222–9. www.springermedizin.de
- Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - interdisziplinäre Querschnittsleitlinie. AWMF-Leitlinie Nr.032-054OL, Stand 2016 (abgelaufen). register.awmf.org
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