Rauchlose Tabakprodukte
Rauchlose Tabakprodukte
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Was sind rauchlose Tabakprodukte?
Definition
Schnupf- und Kautabak (Priem) sowie Lutschtabak (Snus) werden als rauchlose Tabakprodukte bezeichnet, da sie zwar Nikotin enthalten, aber eben nicht geraucht werden. Der Begriff „rauchloser Tabak“ kann sich auch auf Tabakblätter zum Kauen und trockenen Tabak zum Schnupfen beziehen.
Snus wird traditionell in Schweden und anderen skandinavischen Ländern hergestellt und besteht aus fein gemahlenem Tabak, dem Aromen, Salze, Wasser, Feuchthaltemittel und Puffer zugesetzt werden. Es wird zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt und dort für 15 Minuten und bis zu 12 Stunden gehalten.
Schnupftabak ist zur Anwendung über die Nase bestimmt und besteht aus fein gemahlenen, dunklen Tabakpflanzen, die mit Wasser, feuchtigkeitsbewahrenden Stoffen, pH-regulierenden Stoffen, Salzen sowie Geschmacksstoffen versetzt sind.
In Deutschland wird rauchloser Tabak oft in Form von Schnupftabak konsumiert, Kautabak spielt lediglich eine untergeordnete Rolle.
Häufigkeit
Da Schnupftabak in Deutschland seit 1993 nicht mehr der Tabaksteuer unterliegt, wird der Verbrauch seither nicht mehr statistisch erfasst, und es liegen keine verlässlichen Daten zur Häufigkeit des Schnupftabakkonsums vor. Zusätzlich ist es in Deutschland verboten, Tabakerzeugnisse zum Gebrauch im Mund (z. B. Snus) in den Verkehr zu bringen, weshalb eine gewisse Dunkelziffer (Schwarzmarkt) besteht. In den USA konsumierten im Jahr 2018 2,4 % der Erwachsenen rauchfreie Tabakprodukte.
Gesundheitsrisiken
- Der Tagesverbrauch, das Konsummuster und die Nikotinkonzentration im Plasma bei Schnupftabak sind nahezu identisch zum Rauchen von Zigaretten und das Suchtpotenzial ähnlich.
- Zwar sind in Zigaretten und Zigarren noch mehr gesundheitsschädliche bzw. giftige Substanzen neben dem Nikotin enthalten, aber auch in rauchlosen Tabakprodukten lassen sich 31 krebserregende Stoffe nachweisen.
- Die WHO definiert rauchlosen Tabak als krebserregende Substanz, die nachgewiesenermaßen Krebs in Mundhöhle, Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse verursacht.
- Zusätzlich mögliche gesundheitliche Folgeschäden von Snus sind Parodontitis (Zahnbettentzündung), Karies, Zahnverlust, Zahnfleischrückgang, Frühgeburten und Präeklampsie. Möglicherweise sind Snus auch an der Entstehung von Schäden des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes und des metabolischen Syndroms beteiligt.
- Alle Tabakprodukte enthalten Nikotin, das psychoaktive, entspannende, angstlösende und stimulierende Eigenschaften aufweist und zu Abhängigkeit führt.
- Die Entzugserscheinungen reichen von negativer Stimmungslage bis hin zu körperlichen Beschwerden.
- Nikotin wird über die Lunge, die Mund- und Nasenschleimhäute, den Magen-Darm-Trakt und die Haut aufgenommen.
- Die schnellste Absorption erfolgt über die Lunge beim Rauchen. Dabei erreicht es in der Regel innerhalb von 20 Sekunden nach Beginn des Rauchens das Gehirn.
- Das Risiko einer Abhängigkeit scheint bei einer schnellen Nikotinlieferung an das Gehirn größer zu sein.
- Nikotin aus Schnupftabak, Nasenspray, Kaugummi und Pflastern wird langsamer in den Körper aufgenommen als Nikotin aus Rauch, doch die Wirkung hält länger an.
- Durch dauerhaften Konsum von Schnupftabak können die Nasenschleimhäute geschädigt werden.
- Es gibt Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Schnupftabakkonsum und einem tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
- Eine prospektive schwedische Studie liefert Hinweise darauf, dass das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bei Personen, die mindestens eine Packung Lutschtabak am Tag verbrauchen, um ca. 70 % erhöht ist.
- Der Konsum von Schnupftabak in der Schwangerschaft wirkt bei vielen Patientinnen ähnlich wie Rauchen in der Schwangerschaft und ist daher nicht zu empfehlen.
- Das Risiko von Früh- und Totgeburten ist erhöht.
- Schnupftabakkonsum der Mutter erhöht das Risiko für einen Atemstillstand bei Neugeborenen.
- Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schnupftabakkonsum in der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Lippen-Gaumen-Spalten beim Kind.
Behandlung
- In der Regel sind Kurzinterventionen unter Anwendung von Techniken der motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI) ausreichend effektiv zum Erreichen der Abstinenz.
- Diese umfassen Aufklärung in Form von allgemeinen Informationen zu Gesundheitseffekten sowie Informationen zu Abhängigkeit und Abstinenz.
- Die eigene innere Motivation, mit dem Tabakkonsum aufzuhören, ist entscheidend. Ebenso wie beim Rauchen sind viele Menschen in der Lage, aufzuhören und Entzugserscheinungen zu überwinden, wenn die Motivation vorhanden ist.
- Eine medikamentöse Therapie sollte nur in besonderen Fällen nach sogfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
- Vareniclin könnte die Abstinenzrate nach 6 Monaten leicht erhöhen.
- Nikotinersatzprodukte führten zwar kurzfristig zu einer längeren Abstinenz, ein langfristiger Effekt konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Zudem können unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten.
- Bupropion zeigte keinen signifikanten Effekt auf die Tabakabstinenz, reduzierte aber das Verlangen nach Nikotin und die Gewichtszunahme nach Beendigung des Tabakkonsums.
Fazit
- Rauchlose Tabakprodukte enthalten Nikotin und machen abhängig.
- Rauchlose Tabakprodukte enthalten kanzerogene und giftige Substanzen und verursachen schwere, zum Teil tödlich verlaufende Krankheiten.
- Sie sind attraktiv für Jugendliche, haben in der Tabakentwöhnung keinen Nutzen und erhöhen langfristig sogar den Gesamttabakkonsum.
- Die Anzahl der Raucher*innen sinkt auch in Ländern ohne rauchlose Tabakprodukte.
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