Porphyrien
Porphyrien
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Was sind Porphyrien?
Definition
Porphyrien sind eine Gruppe von Krankheiten, die die roten Blutkörperchen betreffen. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthalten Hämoglobin. Porphyrien betreffen die Herstellung des Häm-Anteils des Hämoglobins. Porphyrien sind meistens vererbbar.
Symptome
Akute Porphyrien
Akute Porphyrien verursachen oft zunächst heftige Bauchbeschwerden. Betroffene Personen leiden häufig unter starken, krampfartigen Bauchschmerzen. Sie leiden außerdem oft unter Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Auch das Gehirn kann beeinträchtigt werden. So kommt es häufig zu psychischen Veränderungen, Bewusstseinsstörungen und epileptischen Anfällen. Bei vielen Patient*innen steigen Blutdruck und Puls während den Attacken.
Die Attacken dauern oft wenige Tage bis etwa 2 Wochen. Dann klingen sie meist von allein ab. Nicht selten bleibt es bei nur einer Attacke. Dazu muss aber meist eine Diagnose gestellt werden, sodass man den Auslöser vermeiden kann. Wenn die Erkrankung bestehen bleibt, können Gefühls- und Bewegungsstörungen durch Nervenschädigungen (Polyneuropathie) auftreten. Langfristig steigt außerdem das Risiko für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom).
Akute intermittierende Porphyrie (AIP)
- Häufigste akute Porphyrie (80 % der Fälle)
- Sie wird vererbt (autosomal-dominant, betrifft aber nicht alle Genträger*innen).
- Sie setzt im Erwachsenenalter ein, meist zwischen 20–50 Jahren.
- Bis zu 90 % der Fälle betreffen Frauen.
- Sie äußert sich durch:
- Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen (neuroviszerale Symptomatik)
- Sie führt nicht zu Hautveränderungen.
Porphyria variegata (PV)
- Seltene Form, die vererbt wird (autosomal-dominant, betrifft aber nicht alle Genträger*innen).
- Sie setzt – ähnlich wie die AIP – nach der Pubertät ein und betrifft meist Frauen.
- Bei einem akuten Verlauf ähneln die Symptome der akuten intermittierenden Porphyrie.
- Die Haut wird oft lichtempfindlich (Photosensitivität) und verletzlich.
- An den Hautbereichen, die dem Licht ausgesetzt sind, kommt es oft zur Bildung von:
- Bläschen/Blasen
- oberflächlichen Hautdefekte (Erosionen)
- Krusten
- kleinen, harten Zysten (Milien)
- Narben
- Verdunkelung der Hautfarbe (Hyperpigmentierung)
- vermehrtem Haarwachstum (Hypertrichose)
Hereditäre Koproporphyrie (HCP)
- Sehr selten, vererbbar (autosomal-dominant, betrifft aber nicht alle Genträger*innen)
- Auch sie setzt nach der Pubertät ein und betrifft vor allem das weibliche Geschlecht.
- Sie äußert sich:
- im Akutfall wie eine AIP
- in 30 % der Fälle durch Hautveränderungen, die der PV ähneln.
Nichtakute Porphyrien
Bei den nichtakuten Porphyrien kommt es nicht zu Bauchbeschwerden. Sie führen zu Hautveränderungen durch sichtbares Licht und möglicherweise durch UV-Strahlung.
Porphyria cutanea tarda (PCT)
- Häufigste Porphyrie-Form, sie wird meist vererbt (autosomal-dominant).
- Die Anfälligkeit steigt bei einer Veränderung im Erbgut, die auch zu einer krankhaften Ablagerung von Eisen (Hämochromatose) führen kann. Das betroffene Gen heißt HFE-Gen.
- Die Symptome beginnen meist im Alter > 40 Jahre, Männer sind häufiger betroffen.
- Die Haut wird verletzlich.
- Leberschäden sind möglich (chronische Hepatitis, Zirrhose).
- In den Hautbereichen, die UV-Strahlung ausgesetzt sind, bilden sich oft:
- Bläschen/Blasen
- oberflächliche Hautdefekte (Erosionen)
- Krusten
- kleine, harte Zysten (Milien)
- Narben
- Verdunkelung der Hautfarbe (Hyperpigmentierung)
- kleine Knötchen (Papeln)
- flächige Hautveränderungen (Plaques)
- vermehrtes Haarwachstum (Hypertrichose)
Erythropoetische Porphyrien (EPP, XLP, CEP)
- Fast immer handelt es sich um die autosomal-dominante erythropoetische Protoporphyrie (EPP).
- Sehr selten sind X-chromosomal vererbte Protoporphyrie (XLP) und die angeborene erythropoetische Porphyrie (CEP, Morbus Günther).
- EPP und XLP zeigen sich im Kleinkindalter, CEP im Säuglingsalter.
- Die typischen Folgen sind:
- mäßige bis schwere Lichtempfindlichkeit
- Juckreiz, Brennen, Stechen und Schmerzen in der Haut unmittelbar nach Lichteinwirkung
- Hautrötung (Erythem) und Schwellung (Ödem), seltener Punktblutungen (Petechien) und größere Blutungen (Purpura)
- Manche Betroffene haben Gallensteine. In 5–10 % der Fälle kommt es zu Leberversagen (bei EPP und XLP).
Ursachen
Porphyrien sind Stoffwechselstörungen. Dabei wird die Herstellung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) gestört. Das Hämoglobin befindet sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und bindet Sauerstoff für den Sauerstofftransport im Körper. Genauer geht es um den Häm-Anteil des Hämoglobins.
Die Erkrankung führt dazu, dass der Körper das Häm nicht korrekt herstellt. Dadurch können sich Zwischenprodukte der Hämproduktion ansammeln. Bei den Zwischenprodukten handelt es sich um die sog. Porphyrine und ihre Vorstufen. Sie reichern sich im Blut und Gewebe an. Auch im Harn und im Stuhl sind sie dann oft zu finden.
Die meisten Porphyrien werden vererbt. Es spielen aber verschiedene genetische Faktoren eine Rolle, ebenso wie Umwelteinflüsse. Zunächst bleibt die Erkrankung häufig unbemerkt. Irgendwann kommt es aber durch einen zusätzlichen Auslöser zu Symptomen. Das ist in manchen Fällen ein Aufenthalt in der Sonne. Denn Porphyrine können Lichtenergie absorbieren. Dann können sich schädliche Verbindungen (freie Radikale) in der Haut bilden. Diese verursachen die Hautsymptome. Auch bestimmte Medikamente, Hormone und Alkohol gelten als Auslöser.
Bei akuten Porphyrien können folgende Dinge die Anfallswahrscheinlichkeit erhöhen:
- Medikamente, hormonelle Verhütungsmittel, Östrogen
- längere Fastenperioden (besonders Kohlenhydratmangel)
- Stress
- Infektionen
- Alkohol
Nichtakute Porphyrien zeigen sich besonders oft nach einem Aufenthalt in Sonnenlicht. Die Porphyria cutanea tarda, die häufigste aller Formen, tritt häufiger auf bei:
- genetischer Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
- Hepatitis C, HIV
- Alkohol, Rauchen
- Östrogeneinnahme
- Hämodialyse („Blutwäsche”)
Häufigkeit
Porphyrien sind selten. Sie sind weltweit verbreitet. Die häufigsten Formen sind in absteigender Häufigkeit:
- Porphyria cutanea tarda (PCT, häufigste nichtakute Porphyrie, betroffen sind ca. 40 Personen pro 1 Mio.)
- akute intermittierende Porphyrie (AIP, häufigste akute Porphyrie, betroffen sind 5–10 Personen pro 1 Mio.)
- erythropoetische Protoporphyrie (EPP)
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
- Die oft typischen Symptome sind der erste wichtige Hinweis. Charakteristisch für akute Anfälle mit Leberbeteiligung sind u. a. starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und psychische Veränderungen.
- Beschreiben Sie Ihre Hautveränderungen, falls Sie welche festgestellt haben. Wenn Sie lichtempfindlich sind, sollten Sie davon berichten. Etwaige Veränderungen des Harns sollten Sie ebenfalls mitteilen.
- Ihre Haut wird in der Praxis untersucht.
- Eine Blutentnahme kann sinnvoll sein, ebenso wie eine Harnprobe.
- Möglicherweise wird Ihr Bauch mit Ultraschall untersucht. Die Untersuchung ist strahlenfrei.
Bei Spezialist*innnen
Zur weiteren Untersuchung werden Sie um Harn- und Stuhlproben gebeten. Anhand der Proben wird der Spiegel von Porphyrinen und ihren Vorstufen bestimmt. Auch der Spiegel in Ihrem Blut wird bestimmt. Oft gibt es die Möglichkeit, eine Blutprobe mit einem Fluoreszenzverfahren zu untersuchen. Nur Speziallabore können allerdings die einzelnen Enzyme untersuchen, die an der Häm-Herstellung beteiligt sind.
Die Form der Porphyrie lässt sich bestimmen, indem man feststellt, welche Stoffwechselprodukte sich in welchem Material ansammeln. So gilt etwa die Porphyria cutanea tarda als nachgewiesen, wenn sich Isokoproporphyrin im Stuhl finden lässt. Zur Notfallversorgung akuter Porphyrien ist eine genaue Unterscheidung aber nicht nötig.
Bei dem Verdacht auf eine akute Porphyrie erhält die betroffene Person eine Einweisung ins Krankenhaus. Bei dem Verdacht auf eine nichtakute Porphyrie empfiehlt sich eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Hämatologie. Die weiteren Schritte finden am besten in einem spezialisierten Porphyrie-Zentrum statt.
Behandlung
Akute Porphyrien
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung findet meist auf der Intensivstation statt. Dort werden zunächst alle Medikamente abgesetzt, die eine akute Porphyrie auslösen können. Die betroffene Person erhält Infusionen mit Glukose, also Traubenzucker. Denn Glukose hemmt die Hämproduktion. Bei schwerem Verlauf und neurologischen Beschwerden erhält die Person außerdem Hämarginat. Zusätzlich werden weitere Medikamente gegeben, falls nötig. Die genaue Therapie richtet sich nach den Symptomen.
Behandlung der Hautsymptome
Wenn Sie unter Hautbeschwerden leiden, ist es wichtig, dass Sie sich vor Licht schützen. Gegen die Hautbeschwerden bei der erythropoetischen Protoporphyrie gibt es zwar ein Medikament. Bisher gibt es aber keine spezifische Therapie gegen die Hautsymptome bei der Porphyria variegata und der hereditären Koproporphyrie.
Nichtakute Porphyrien
Allgemeine Maßnahmen
Wichtig ist, dass Sie sich vor Sonnenlicht schützen. Verwenden Sie Lichtschutzpräparate mit einem hohen Lichtschutzfaktor, auch wenn diese bei Porphyrie nur begrenzt wirksam sind. Alternativ können Sie Salben mit Zink oder Titandioxid verwenden. Sie sind allerdings weniger angenehm auf der Haut. Tragen Sie außerdem eine Kopfbedeckung und lange Kleidung.
Lassen Sie darüber hinaus Ihren Vitamin-D-Spiegel kontrollieren. Möglicherweise sollten Sie Vitamin D einnehmen.
Spezielle Behandlung
- Porphyria cutanea tarda (PCT)
- Als Therapie der Wahl gilt die Behandlung mit Hydroxychloroquin. Es fördert die Ausscheidung von Porphyrinen. Die meisten Personen haben nach 3 Monaten mit Hydroxychloroquin kaum noch Beschwerden. Es ist wichtig, dass Sie die Dosis streng einhalten. Vermeiden Sie eine Überdosierung.
- Außerdem wird eine Behandlung durch Aderlass empfohlen. Unter bestimmten Voraussetzungen genügt jedoch die Behandlung mit Hydroxychloroquin.
- Verzichten Sie auf Alkohol. Das kann die Symptome deutlich lindern.
- Frauen dürfen nicht mit Hormonen verhüten. Gleiches gilt für eine Hormonersatztherapie.
- Erythropoetische Protoporphyrie (EPP)
- Zur Behandlung wird Ihnen in der Regel Afamelanotid verschrieben. Das Medikament wird nicht in Tablettenform eingenommen. Stattdessen wird es in Form eines kleinen Stiftes unter die Haut (subkutan) eingesetzt. Dies geschieht alle 3 Monate in einem Porphyrie-Zentrum.
- Viele betroffene Personen können mit einer Behandlung mit Afamelanotid auch wieder ans Sonnenlicht gehen.
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