Krebserkrankungen der oberen Harnwege
Krebserkrankungen der oberen Harnwege
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Was ist eine Krebserkrankung der oberen Harnwege?
Definition
Eine Krebserkrankung der oberen Harnwege ist ein bösartiger Tumor, der von den Schleimhautzellen (Urothel) des oberen Harntrakts ausgeht. Dieser Krebstyp wird auch Übergangszellkarzinom genannt.
Das Urothel kleidet die Innenseite des Nierenbeckens und des Harnleiters bis hin zur Harnröhre aus.
Die oberen Harnwege bestehen aus zwei Nierenbecken (Teil der Niere, in dem sich der Urin sammelt) und zwei Harnleitern (Ureter), die den Urin vom Nierenbecken zur Harnblase leiten. Die Nieren befinden sich auf beiden Seiten unterhalb des Zwerchfells. Die Harnblase befindet sich im Becken.
Diese Tumore wachsen papillär, d. h. als kleine Auswüchse („Warzen“), und können direkt in das Nierengewebe und die angrenzenden Strukturen einwachsen oder über die kleinen Blutgefäße, Lymphbahnen oder den Urin streuen.
Symptome
Diese Tumore zeigen sich in erster Linie durch Blut im Urin und Flankenschmerzen (ca. 20 % der Betroffenen klagen über Flankenschmerzen). Bei ca. 80 % der Patient*innen wird bei einer Untersuchung Blut im Urin festgestellt.
Ein Teil der Patient*innen zeigt Symptome und Beschwerdebilder der fortgeschrittenen Erkrankung wie Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Knochenschmerzen oder Wassereinlagerungen im Bauchraum (Aszites).
Andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, sollten ausgeschlossen werden:
- Harnwegsinfekt bei Frauen und bei Männern
- Nierensteine
- Nierenkrebs
- Einengung des Harnleiters.
Ursachen
Rauchen scheint der größte Risikofaktor für ein Urothelkarzinom zu sein und ist die Ursache von 70 % der Fälle bei Männern und 40 % der Fälle bei Frauen.
Ein anderer Risikofaktor ist die Aufnahme von Aristolochiasäuren (oft enthalten in traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln im asiatischen Raum).
Menschen mit Lynch-Syndrom (erbliche Form von Darmkrebs) haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krebserkrankungen der oberen Harnwege.
Häufigkeit
- Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei 2 von 100.000 Personen.
- Der Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 70 Jahren.
- Männer sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Frauen.
Untersuchungen
Besteht der Verdacht auf eine Krebserkrankung der oberen Harnwege wird der Urin auf nicht sichtbare Blutspuren (Mikrohämaturie) untersucht und eine Ultraschalluntersuchung der Blase und der Niere durchgeführt. Sind diese auffällig, werden die Harnwege weiter mit einem bildgebenden Verfahren untersucht.
In diesen Fällen ist die Untersuchung der Wahl eine Computertomografie von Niere und Harnwegen. Die Untersuchung wird entweder mit oder ohne Kontrastmittel (ein Mittel, das in die Blutbahn injiziert wird, um Veränderungen bei bildgebenden Verfahren leichter sehen zu können) durchgeführt. Alternativ kann eine Magnetresonanztomografie durchgeführt werden.
Die Endoskopie der Harnblase und des Harnleiters (Spiegelung) in Höhe des Nierenbeckens ist eine weitere Diagnosemethode. Bei dieser Untersuchung kann auch eine Gewebeprobe des Tumors entnommen werden. Die Diagnose wird mithilfe einer Gewebeprobe (Biopsie) des Tumors, die mikroskopisch untersucht und bestimmt wird, gestellt.
Im Anschluss an die Untersuchungen wird die entsprechende Therapiemethode festgelegt.
Behandlung
Ziel der Therapie bei einem lokalen Tumor ist die komplette Heilung. Hat der Tumor bereits gestreut, richtet sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden (palliative Behandlung).
Die Therapieform richtet sich nach der Ausbreitung der Erkrankung und der Aggressivität des Tumors. Die Haupttherapie besteht aus einem chirurgischen Eingriff, bei dem auf der entsprechenden Seite in der Regel die Niere, der Harnleiter und ein kleiner Teil der Blase, dort wo der Harnleiter mündet, entfernt werden. Unter Umständen kann auch eine Teilentfernung des Tumors erfolgen, sodass die Niere organerhaltend operiert werden kann.
Endoskopische Therapie
Bei manchen Patient*innen kann eine sog. endoskopische Therapie durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine minimalinvasive Operation, bei der der chirurgische Eingriff viel kleiner ist und der Tumor mittels Laser entfernt wird. Allerdings ist bei dieser Behandlungsform die Wahrscheinlich für das erneute Wachstum des Tumors erhöht.
Chemotherapie
Die Durchführung einer Chemotherapie vor einer Operation hat gute Ergebnisse gezeigt, das Wiederauftreten des Tumors ist vor allem bei aggressiven Tumorformen vermindert. Eine Chemotherapie nach Operation hatte Effekte auf bereits gestreute Areale (Fernmetastasen).
Eventuell kommt auch das Einspritzen lokal wirkender Chemotherapeutika in die Harnblase in Betracht (Instillation). Dies verringert das Auftreten von Zweittumoren.
Immuntherapie
Im Anschluss an eine Chemotherapie kann eine Immuntherapie anschließen. Diese aktiviert die körpereigenen Immunzellen, die von den Krebszellen blockiert werden. Die Immuntherapie hebt diese Blockade auf, sodass die Abwehrzellen wieder besser arbeiten können und die Krebszellen bekämpfen.
Bestrahlung und Operation
Der Nutzen einer Bestrahlung ist umstritten. Einige Studien weisen darauf hin, dass eine Bestrahlung als Zusatzbehandlung Wirkung zeigt. Die Bestrahlung wird auch z. B. als lindernde Therapie bei Tumoren eingesetzt, die inoperabel sind.
In fortgeschrittenem Alter und beim Auftreten weiterer Erkrankungen kann ein großer chirurgischer Eingriff eine zu große Belastung sein, sodass eine individuelle Therapie gewählt wird, z. B. eine Bestrahlung. Mit diesen Eingriffen werden die Beschwerden in der Regel nur gelindert, nicht geheilt.
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