Krebstherapien, Medikamente
Krebstherapien, Medikamente
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Wann werden Medikamente zur Krebstherapie eingesetzt?
Nachdem eine Tumorerkrankung festgestellt wurde, wird von den behandelnden Ärzt*innen der verschiedenen Fachrichtungen in einer sogenannten Tumorkonferenz ein Behandlungsplan entworfen. Es kann zum Beispiel eine Operation empfohlen werden mit Chemo- oder Strahlentherapie vor oder nach der Operation. Genauso kann es sein, dass nur eine Chemotherapie vorgeschlagen wird.
Die Chemotherapie kann also die alleinige Therapiemethode sein oder in Kombination mit anderen Therapien durchgeführt werden. Sie kann bei heilbaren Krebsarten vor oder nach einer Operation eingesetzt werden, eventuell zusammen mit Bestrahlung. Eine Hochdosis-Chemotherapie kann auch bei Knochenmarkkrebs als alleinige Behandlung eingesetzt werden.
Auch wenn der Krebs nicht mehr komplett geheilt werden kann, wird oft eine Chemotherapie angeboten, um das Fortschreiten der Krebserkankung zu verlangsamen.
Welche Medikamente gibt es zur Krebstherapie?
Zytostatika (Chemotherapie)
Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die den Krebs eindämmen oder abtöten sollen. Der Begriff verweist auf die chemische Herstellung der Medikamente, aber heutzutage werden auch pflanzliche Stoffe genutzt.
Die klassischen Krebsmedikamente werden Zytostatika (Singular Zytostatikum) genannt, vom Griechischen Zyto = Zelle und stasis = Stehenbleiben. Es gibt viele verschiedene Zytostatika, die sich in ihrer Wirkung und Nebenwirkung stark unterscheiden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie in die Zellteilung der Krebszellen eingreifen, meist indem das Erbgut (Desoxyribonukleinsäure = DNS) geschädigt wird. Damit wird die Vermehrung der Krebszellen eingeschränkt. Zytostatika wirken nicht spezifisch nur auf Krebszellen, aber sie wirken umso stärker, je schneller sich Zellen teilen. Deshalb wirkt die Chemotherapie besonders bei Tumorzellen, da diese sich sehr schnell teilen. Aber leider werden auch andere Gewebe mit schnell teilenden Zellen von der Chemotherapie angegriffen und sind von Nebenwirkungen betroffen. Hierzu gehören zum Beispiel die Schleimhaut, die Haut und das Knochenmark.
Werden mehrere Zytostatika kombiniert, ist die Therapie oft noch wirkungsvoller, da die unterschiedlichen Substanzen die Tumorzellen auf verschiedene Weise angreifen. Krebszellen haben durch die hohe Teilungsrate die Möglichkeit, Methoden zu entwickeln, um der Wirkung der Medikamente zu entgehen (Resistenz). Eine Kombination der Chemotherapeutika reduziert das Risiko, dass der Tumor eine Resistenz gehen die Medikamente entwickelt.
Antikörpertherapie
Manche Krebszellen können auch auf andere Arten abgetötet werden. Eine Möglichkeit besteht in der zielgerichteten Behandlung mit Antikörpern oder anderen Molekülen, die speziell Tumorzellen direkt angreifen und ggf. sogar abtöten. In ersten Fällen werden diese Stoffe auch in Kombination mit Chemotherapeutika eingesetzt, so dass die Zytostatika nur gezielt die Tumorzellen angreifen.
Hormontherapie
Manche Tumorarten, z. B. Brustkrebs oder Prostatakrebs, sind hormonsensibel, d. h. sie benötigen für ihr Wachstum das Vorhandensein von Hormonen. Hier ist es möglich, im Körper die Hormonbildung zu blockieren oder die Aufnahme der Hormone in den Zellen zu reduzieren.
Immuntherapie
Ein weiterer neuer Ansatz ist die Veränderung des körpereigenen Immunsystems, so dass es gezielt die Krebszellen bekämpfen kann (Immuntherapie). Teils werden dafür Zellen dem Köper entnommen und genetisch verändert, so dass sie bestimmte Merkmale der Tumorzellen erkennen und wie eine Infektion bekämpfen.
Was sind Therapieziele?
Je nach Therapieziel unterscheiden sich die Darreichungsform und Dosis sowie Art des Zytostatikums. Folgende Therapieformen gilt es zu unterscheiden:
Heilende (kurative) Therapie: Diese Therapie zielt auf die komplette Heilung der Krankheit ab. Dabei wird oft ein starkes Medikament oder eine hohe Dosis eingesetzt evtl. auch mit schwereren Nebenwirkungen, um den Krebs vollständig abzutöten.
Lindernde (palliative) Therapie: Diese Therapie soll schmerzhafte Symptome lindern oder die Lebenserwartung verlängern, ohne dass aber eine komplette Heilung zu erwarten ist. Der Grundsatz der Palliativtherapie besteht in dem Erhalt einer möglichst hohen Lebensqualität über möglichst lange Zeit bei möglichst geringen Nebenwirkungen.
Wie werden Zytostatika eingesetzt?
Die Auswahl des Chemotherapeutikums oder Zytostatikums entscheidet sich nach der Krebsart, dem Stadium der Erkrankung und dem Allgemeinzustand. Zudem sollten die Erwartungen und Ängste der Patienten*innen berücksichtigt werden. Je nachdem können unterschiedliche starke Medikamente gewählt werden oder unterschiedliche Dosierungen.
Das Medikament kann in folgenden Formen verabreicht werden:
- Injektion der Substanz in eine Vene (intravenös) oder über einen speziell in eine große Vene implantierten Port als Infusion
- Tabletten oder Kapseln zum Schlucken
- Injektion in einen Muskel oder unter die Haut
- Injektion in eine Körperhöhle (Blase, Brusthöhle).
Häufig werden verschiedene Zytostatika in einer Behandlungsphase kombiniert.
Ablauf der Chemotherapie
Die Chemotherapie wird in der Regel in Zyklen verabreicht, d. h. die Zytostatika werden immer wieder in bestimmten Abständen gegeben. Der Ablauf unterscheidet sich stark je nach Krebsart. Die Pausen zwischen den Medikamentengaben dienen der Regeneration der gesunden Körperzellen, die durch die Chemotherapie geschädigt wurden. Bei Verabreichen der Zytostatika werden meist auch Medikamente gegeben, um die Nebenwirkungen zu lindern, wie Mittel gegen Übelkeit, Entzündung oder zur Stärkung des gesunden Knochenmarks.
In den Zwischenzeiten werden oft in der Hausarztpraxis spezielle Laboruntersuchungen nötig.
Hormontherapien werden dagegen in der Regel ohne Pausen gegeben.
Nebenwirkungen
Die Zytostatika greifen auch die gesunden Körperzellen an, was zu Nebenwirkungen führt. Wie stark die Nebenwirkungen sind und welche Nebenwirkungen möglich sind, ist abhängig von der Wahl des Zytostatikums und der Dosis. Bitte lassen Sie sich von ihren Ärzt*innen genau informieren, da wir hier nur allgemeine häufige Nebenwirkungen aufführen können.
Allgemeine akute Nebenwirkungen sind die allergische Reaktion auf das Medikament sowie die Venenreizung bei Injektion. Als Allgemeinreaktion kann außerdem Fieber oder Schüttelfrost während der Infusion auftreten.
Vorsicht: Tritt das Fieber zeitlich unabhängig von der Infusion auf, ist eine möglichst rasche Vorstellung im behandelnden Krankenhaus oder beim behandelnden Arzt anzuraten.
Übelkeit und Erbrechen
Viele Zytostatika lösen Übelkeit und Erbrechen aus. Um diese Beschwerden zu mildern oder zu verhindern, werden sogenannte Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) verabreicht. Durch breite und frühzeitige Anwendung, sowie die Entwicklung neuartiger Antiemetika konnte die Nebenwirkungsrate deutlich gesenkt werden.
Haarausfall
Durch einige Zytostatika wird Haarausfall ausgelöst. Diese Nebenwirkung tritt meist nach ein oder zwei Behandlungen auf. Nach Abschluss der Therapie wachsen die Haare wieder nach. Dies kann jedoch einige Monate dauern. Krankenkassen bieten Zuzahlungen für eine ärztlich verordnete Perücke an. Diese kann bereits vor dem eingetretenem Haarausfall angefordert und individuell zugeschnitten werden. Neben dem Haarausfall können auch die Nägel nach einer Chemotherapie Rillen zeigen oder brüchig werden.
Verletzung der Schleimhäute
Die Schleimhäute in Mund und Rachen reagieren oft empfindlich auf Zytostatika. Es kommt eventuell zu einer entzündlichen Reaktion, die ausgeprägte Schmerzen hervorrufen und mit Appetitlosigkeit einhergehen kann. Durch gute Mundhygiene und Befeuchtung können die Beschwerden oft gelindert werden.
Veränderte Blutbildung
Die meisten Zytostatika greifen auch die Zellbildung im Knochenmark an. Bei Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) ist das Infektionsrisiko erhöht, da die weißen Blutkörperchen für die körpereigene Immunabwehr von Bakterien und Viren verantwortlich sind. Teils werden Medikamente gegeben, um schnell wieder die Bildung weißer Blutkörperchen anzuregen. Auch die Anzahl der Blutplättchen kann verringert sein (Thrombozytopenie). Dies kann zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen. Bei einer herabgesetzten Produktion von roten Blutkörperchen kann es zu einer Blutarmut (Anämie) kommen.
Das Blutbild wird im Therapieverlauf regelmäßig kontrolliert, um eine Beeinträchtigung des Knochenmarks im Blick zu behalten.
Auswirkungen auf den Hormonhaushalt
Bei Frauen kann es nach einer Chemotherapie zu unregelmäßigen Menstruationen oder zum Ausbleiben selbiger kommen. Die Chemotherapie kann außerdem die Fruchtbarkeit bei Frauen und bei Männern beeinträchtigen. Es gibt in manchen Fällen die Möglichkeit, die Fortpflanzungsfähigkeit trotz einer Chemotherapie zu erhalten (z. B. durch Einfrieren von Spermien oder Eizellen).
Nervenschädigungen
Nervenschädigungen an kleinen Nervenästen können vorübergehend oder dauerhaft auftreten und zu Muskelschwäche, Empfindungsstörungen, z. B. einem Kälte- oder Kribbelgefühl, in Zehen und Fingern führen.
Spätfolgen
Als allgemeine Spätfolge können in seltenen Fällen Jahre später Zweittumoren auftreten, also Krebs an einer anderen Stelle im Körper als die vorherige Krebserkrankung. Außerdem können bestimmte Zytostatika das Herz sowie andere Organe langfristig schädigen.
Alltag während der Therapie
Versuchen Sie, ihren bisherigen Alltagsaktivitäten nachzugehen, soweit es möglich ist. Frische Luft und leichte sportliche Aktivitäten können die Stimmung heben, die Erschöpfbarkeit reduzieren und sich positiv auf den Appetit auswirken. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge von mindestens zwei Litern täglich, damit die toten Zellbestandteile leichter ausgeschieden werden können. Der Geschmackssinn kann sich während der Therapie ändern. Essen Sie, worauf Sie Lust haben, beispielweise über mehrere kleine Mahlzeiten verteilt. Bei Übelkeit empfiehlt es sich, leicht verdauliche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Alkohol sollte in der Regel nicht konsumiert werden, da einige Zytostatika nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden dürfen. Um Infektionen zu vermeiden, sollten Sie Kontakt zu Menschen mit akuten Erkältungskrankheiten oder anderen ansteckenden Krankheiten meiden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Nebenwirkungen die bei Ihnen verwendeten Chemotherapeutika hervorrufen können und was Sie bei Ihrer Ernährung beachten sollten.
Sexuelle Aktivitäten
Während einer Chemotherapie sollten Sie auf sichere Verhütungsmethoden wie Kondome zurückgreifen. Eine Schwangerschaft sollte möglichst vermieden werden, da Zytostatika einem Embryo erheblich schaden.
Verwendung anderer Medikamente zusammen mit Zytostatika
Informieren Sie die behandelnden Ärzte über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen. Bei einigen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen mit den Zytostatika kommen.
Autoren
- Angelika Eisenried, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
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