Koronare Herzkrankheit, Vorbeugung von Komplikationen

Koronare Herzkrankheit, Vorbeugung von Komplikationen

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Was ist koronare Herzkrankheit?

Definition

Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien), die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verändert und verengt. Wegen der unzureichenden Durchblutung treten anfallsartige Brustschmerzen (Angina pectoris) auf. Ist ein Gefäß vollständig verschlossen, so spricht man von einem Herzinfarkt, bei dem das hinter dem Gefäßverschluss liegende Gewebe abstirbt.

Patient*innen mit koronarer Herzkrankheit erkranken zusätzlich auch eher als andere Personen an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und einem Schlaganfall. Daher schützen die unten genannten vorbeugenden Maßnahmen auch vor diesen Krankheiten.

Um nachhaltig Komplikationen und eine Verschlechterung der koronaren Herzkrankheit zu verhindern, sind mehrere vorbeugende Maßnahmen wichtig (wie im Folgenden beschrieben). Außerdem können so Beschwerden verringert und die Belastungsfähigkeit erhalten werden.

Häufigkeit

Die koronare Herzkrankheit zählt zu den häufigsten Todesursachen in westlichen Ländern. Rund 8 % der Bevölkerung in Deutschland sind im Lauf ihres Lebens von einer koronaren Herzkrankheit betroffen, 4,7 % erleiden einen Herzinfarkt. Im Jahr 2022 gab es ca. 124.000 Todesfälle durch koronare Herzkrankheit oder ein akutes Koronarsyndrom.

Risiko für Komplikationen

Dank neuer Behandlungsmethoden haben sich die Überlebenschancen nach einem akuten Herzinfarkt in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Behandlung im Notfall beinhaltet mittlerweile in vielen Fällen einen Herzkatheter-Eingriff, durch den verschlossene Gefäße wieder eröffnet und durch Einsetzen eines Stents dauerhaft offengehalten werden können.

Stentbehandlung bei verengtem Blutgefäß
Stentbehandlung bei verengtem Blutgefäß

 

Nichtsdestotrotz haben Patient*innen nach einem Herzinfarkt und Patient*innen mit koronarer Herzkrankheit, die bisher noch keinen Infarkt erlitten haben, ein erhöhtes Risiko für einen zukünftigen Infarkt und weitere Komplikationen (z. B. Herzinsuffizienz) und sterben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung früher. Durch Veränderungen des Lebensstils, Verringerung von Risikofaktoren und den Einsatz von Medikamenten kann dieses Risiko jedoch reduziert werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Die Behandlung richtet sich auf drei Hauptgebiete: Veränderungen des Lebensstils, Vermeidung von Risikofaktoren und die medikamentöse Behandlung.

Wichtige Bausteine sind Raucherentwöhnung, Steigerung der körperlichen Aktivität, gesunde Ernährung, Stressabbau und ggf. eine Gewichtsabnahme. Erkrankungen, die koronare Herzkrankheit fördern, wie Bluthochdruck und Diabetes, sollten sorgfältig behandelt werden.

Patient*innen mit Angina pectoris wird in der Regel ein sog. Nitrat als Spray oder Kapsel verordnet. Der Wirkstoff führt dazu, dass sich die verengten Koronargefäße schnell weiten und dadurch der Schmerz nachlässt. Die medikamentöse Behandlung bei koronarer Herzkrankheit beinhaltet darüber hinaus sog. Plättchenhemmer, die die Bildung von Blutgerinnseln verhindern, Betablocker zur Entlastung des Herzens und Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut und der Stabilisierung der verkalkten Gefäßwände.

Zudem wird eine jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen.

Wer an einer schweren Herzkrankheit leidet, profitiert häufig auch von einer psychologischen Beratung; diese kann Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung bieten und psychosoziale Belastungen verringern.

Vorbeugende Medikamente bei koronarer Herzkrankheit

Plättchenhemmer

  • Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) wirken auf die Blutplättchen (Thrombozyten) und verhindern die Bildung von Blutgerinnseln im Gefäß. So senken sie das Risiko für einen erneuten Gefäßverschluss und vermindern die Sterblichkeit. 
  • Die lebenslange Einnahme dieser Medikamente wird allen Patient*innen mit koronarer Herzkrankheit empfohlen.
  • Als Nebenwirkungen können Blutungen auftreten. Möglicherweise wird Ihnen auch ein Medikament zum Schutz vor Magenblutungen zusätzlich verordnet (sog. Protonenpumpenhemmer).
  • Eine Alternative zu Acetylsalicylsäure stellen neuere Plättchenhemmer wie Clopidogrel dar.
  • Nach Einsetzen eines Stents wird häufig eine Kombination verschiedener Wirkstoffe verordnet.

Betablocker und andere Blutdrucksenker

  • Betablocker verringern Puls und Blutdruck und senken hierdurch den Bedarf der Herzmuskulatur an Sauerstoff. So reduzieren sie die Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen und können einem Infarkt sowie einem plötzlichen Herztod vorbeugen.
  • Sofern keine Gegenanzeigen bestehen, wie spezielle Herzrhythmusstörungen oder Asthma, wird die Einnahme Patient*innen mit Angina pectoris empfohlen.
  • Als Alternative zu Betablockern werden sog. Kalziumkanalblocker verwendet.
  • Auch ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker kommen bei einem bestehenden Bluthochdruck oder einer Herzinsuffizienz oft zum Einsatz.

Statine

  • Statine verringern das Risiko eines Herzinfarkts, indem sie den Cholesterinspiegel senken und das Fortschreiten der Arterienverkalkung bremsen. Man empfiehlt fast allen Patient*innen mit koronarer Herzkrankheit, unabhängig vom Cholesterinwert, die Einnahme von Statinen.
  • Zu den Therapieschemata gibt es verschiedene Empfehlungen, lassen Sie sich ärztlich beraten.
  • In höheren Dosierungen treten allerdings begleitend häufig Muskelschmerzen auf, auch andere Nebenwirkungen sind zu beachten. Wenn Nebenwirkungen auftreten, soll zunächst die Dosis reduziert oder ein anderes Statin verschrieben werden. Ggf. können alternative Medikamente eingesetzt werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Koronarerkrankungen, Sekundärprävention. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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