Bronchiolitis, akute

Bronchiolitis, akute

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Was ist akute Bronchiolitis?

Definition

Akute Bronchiolitis ist eine Virusinfektion, die eine Entzündung der Schleimhäute auf der Innenseite der dünnsten Verzweigungen der Bronchien bewirkt, die sich ganz außen und tief in der Lunge befinden. Dabei bilden sich kleine Schleimklumpen, die diese engen Atemwege zusetzen, wodurch sich bestimmte Teile des Lungengewebes verdichten bzw. zusammenkleben. Die dabei entstehenden Symptome sind mit obstruktiven (obstructio, lat. = Verschluss) Atembeschwerden vergleichbar.

Die Krankheit trifft vor allem Kleinkinder im Alter unter 12 Monaten und tritt meist im Winter auf. Die Erkrankung wird in den meisten Fällen durch das RS-Virus (respiratorisches Syncytial-Virus; RSV) oder das Metapneumo-Virus hervorgerufen.

Symptome

Eine akute Bronchiolitis kann als Erkältung oder Rachenentzündung beginnen. Im weiteren Verlauf ist das Kind geschwächt, hustet und atmet oft schwer mit Pfeif- oder Piepsgeräuschen. In der Regel ist das Fieber nur mäßig hoch. Häufig treten Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme auf.

Ursachen

Die Krankheit ist eine Virusinfektion; meist ist das sog. RS-Virus (RSV) der Auslöser, aber es kommen auch andere Viren infrage. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen aus Nase und Rachen der damit erkrankten Personen; die Ansteckungsgefahr ist hoch. Auch eine indirekte Übertragung über verunreinigte Oberflächen und Hände ist möglich. Auf Kinderstationen ist die Ansteckungsgefahr häufig ein großes Problem.

Ältere Kinder und Erwachsene, die mit dem RS-Virus angesteckt werden, empfinden oft nur Erkältungsbeschwerden und mäßigen Husten. Sie können aber Kleinkinder anstecken, die dann schwerer erkranken. Die erste Infektion mit dem RS-Virus bringt keine volle Immunität, und es ist möglich, später eine erneute Infektion zu bekommen.

Risikofaktoren

Bestimmte Kinder sind anfälliger für einen schweren Verlauf der Bronchiolitis und müssen häufiger im Krankenhaus behandelt werden. Dies betrifft vor allem Frühgeborene, Kinder mit chronischen Lungen- oder Herzkrankheiten und Personen mit Immunschwäche. 

Weitere Risikofaktoren für eine RSV-Infektion sind männliches Geschlecht, ein niedriges Geburtsgewicht, Rauchen im Haushalt der Kinder, Geschwister im Kleinkindalter, Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung, sehr enge Wohnverhältnisse und eine Veranlagung für allergische Erkrankungen und Asthma.

Häufigkeit

  • Bei 18–32 % der Kinder tritt im ersten Lebensjahr eine akute Bronchiolitis auf.
  • RS-Virusinfektionen sind der häufigste Grund, aus dem Neugeborene und Säuglinge ins Krankenhaus eingewiesen werden.
  • RSV ist der häufigste Erreger von Erkrankungen der unteren Atemwege (Bronchiolitis, BronchitisLungenentzündung) in den ersten beiden Lebensjahren.

Untersuchungen

Die typischen Symptome mit Husten und rasselnder, schwerer Atmung bei einem Kleinkind erlauben oft, eine solche Diagnose nur durch eine körperliche Untersuchung des Kindes zu stellen. Dabei ist es wichtig, das Atemverhalten des Kindes zu prüfen. Dies lässt sich am einfachsten feststellen, wenn man den Oberkörper des Kindes freimacht. Fällt dem Kind die Atmung schwer, so kann man sehen, dass sich die Haut unter dem Kehlkopf und zwischen den Rippen beim Einatmen einzieht. Zudem atmet das Kind dann meist schneller als gewöhnlich. Kinder mit solchen Atembeschwerden sollten rasch ärztlich untersucht werden.

Bei der Untersuchung wird beurteilt, wie ernsthaft die Atembeschwerden sind und wie der Allgemeinzustand ist. Die Lungen werden mit einem Stethoskop abgehört, was für eine Diagnose meistens ausreicht. Zusätzlich kann die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen werden.

Labor

  • In seltenen Fällen werden bakterielle Infektionen mit Blutuntersuchungen ausgeschlossen.
  • Im Krankenhaus können RS-Viren im Nasen-Rachen-Sekret nachgewiesen werden.

Einweisung in ein Krankenhaus

  • Die meisten Infizierten haben so geringe Beschwerden, dass sie daheim behandelt werden können.
  • Bei ernsthaften Atemproblemen und/oder Erschöpfung kann ein Krankenhausaufenthalt infrage kommen.
  • Auch Kinder mit chronischen anderen Krankheiten sollten in einer Klinik behandelt werden. 

Behandlung

  • Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden des Kindes zu erleichtern und die Atemnot zu lindern.
  • Gegen die Virusinfektion selbst gibt es keine wirksamen Medikamente. Antibiotika helfen nur bei einer bakteriellen Infektion und sind in den meisten Fällen nicht nötig.
  • Die Eltern oder Angehörigen sollten die Symptome des Kindes zu Hause überwachen. Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder wenn das Kind Essen oder Trinken verweigert. Überwachen Sie insbesondere, wie schwer die Atmung verläuft.
  • Neugeborene, Säuglinge und Frühgeborene können Episoden von Atemstillstand (Apnoe) bekommen, was als Warnzeichen gelten sollte: Hier ist eine Therapie in der Klinik nötig!

Medikamente

  • Geben Sie dem Kind abschwellende Nasentropfen oder Kochsalzlösung in die Nase, um die Schleimhaut dort abschwellen zu lassen und die Atmung zu erleichtern. Kleinkinder können nur kurze Zeit durch den Mund atmen, ohne davon sehr gestresst zu werden.
  • Wenn das Kind ins Krankenhaus eingewiesen wird, ist die wichtigste Behandlung eine Kontrolle der Sauerstoffversorgung bzw. Sauerstoffgabe sowie ggf. Flüssigkeitsgabe.
  • Neugeborene und Säuglinge, die nicht selbst essen können, brauchen eine Sonde zur Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr.
  • Eine Inhalation mit Adrenalin erweitert die unteren Atemwege und kann so zu einer kurzzeitigen Besserung führen. Der langfristige Verlauf wird dadurch jedoch nicht beeinflusst, daher werden diese Medikamente nur noch selten eingesetzt.
  • Wenn sich (in seltenen Fällen) die Beschwerden und der Allgemeinzustand des Kindes sehr stark verschlechtern, kann auch eine künstliche Beatmung nötig werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bronchiolitis, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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