Asthma bei Kindern

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Was ist Asthma?

Definition

Asthma ist eine Krankheit, bei der eine anhaltende Schleimhautentzündung der kleinen Luftwege (der sog. Bronchien) dazu führt, dass diese anschwellen und die Atemwege teilweise oder vollständig verschließen. Der innere Durchmesser der Bronchien verringert sich, weil die Schleimhaut anschwillt (wie in der Nase bei einer Erkältung). Gleichzeitig bildet sich häufig zu viel Schleim, der sich in den Bronchien sammelt. Beim akuten Asthmaanfall kommt noch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur hinzu (Bronchospasmus), was v. a. zu einer erschwerten Ausatmung führt. Dadurch wird der Luftstrom in den Bronchien behindert oder sogar unmöglich. Asthma führt also zu einer Obstruktion der Atemwege (aus dem Lateinischen: obstructus = versperrt, verschlossen).

Die Erkrankung äußert sich in Anfällen von Husten und/oder Atemnot, während in den Zwischenphasen oft kaum oder keine Beschwerden bestehen. Der Schweregrad der Beschwerden ist von Anfall zu Anfall und von Person zu Person unterschiedlich.

Symptome

Typische Symptome sind Pfeifgeräusche beim Atmen (v. a. beim Ausatmen), Atemnot und trockener Reizhusten. Nachts sind die Beschwerden oft besonders deutlich ausgeprägt. In der Regel ist das Ausatmen anstrengend und dauert länger als sonst. Wenn das Kind in den Phasen zwischen den Anfällen keine Asthmabeschwerden hat, kann es völlig symptomfrei sein.

Bei leichtem Asthma kann Husten das einzige Symptom sein. Husten ist häufig auch das erste Zeichen für Asthma bei Kindern, aber nur wenige Kinder, die husten, haben auch Asthma.

Ursachen

Asthma wird hauptsächlich in zwei Typen eingeteilt: allergisches und nichtallergisches Asthma. Dazu kommen Sonderformen, z. B. Type-2-High-Asthma, Cough-Variant-Asthma, Asthma bei Aspirin-Unverträglichkeit, Anstrengungsasthma, eosinophiles Asthma.

Bei Patient*innen mit allergischem Asthma liegen die auslösenden Faktoren in der Umgebung; die Betroffenen reagieren überempfindlich auf Allergene wie z. B. Pollen, Milben oder Tierhaare. Bei Kindern mit nichtallergischem Asthma sind häufig Atemwegsinfektionen die Ursache.

Weitere begünstigende Faktoren sind Luftverschmutzung (in der Umwelt und in Innenräumen), Passivrauchen, psychosoziale Belastungen und Übergewicht. Möglicherweise führt die Einnahme von Paracetamol und Breitbandantibiotika in der Schwangerschaft zu einem vermehrten Auftreten von Asthma beim Kind. Auch Menschen mit Heuschnupfen und atopischem Ekzem (Neurodermitis) haben häufig Asthma. Es ist unklar, ob Infektionen an der Entstehung von Asthma beteiligt sind oder dieser vorbeugen. 

Grundsätzlich spielt bei Asthma auch die Vererbung eine wichtige Rolle, besonders wenn die Krankheit vor dem 12. Lebensjahr auftritt. Kinder mit genetischer Vorbelastung (sog. Risikokinder) sind dadurch definiert, dass mindestens ein Elternteil oder Geschwister unter einer allergischen Erkrankung leidet.

Ein akuter Asthmaanfall kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, hierzu gehören virale Atemwegsinfektionen, Allergene, kalte Luft, Tabakrauch, körperliche Belastung, psychische Belastung (Angst) und bestimmte Medikamente (z. B. ASS).

Häufigkeit

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Der Anteil der Menschen mit Asthma in der Bevölkerung (in der westlichen Welt) ist in den letzten Jahrzehnten stetig angewachsen, hat in den letzten Jahren aber offenbar ein hohes, aber stabiles Niveau erreicht. Etwa 10 % der Kinder in Deutschland sind von Asthma betroffen, Jungen häufiger als Mädchen.

Untersuchungen

  • Die Beschwerden und mögliche Auslösefaktoren werden erfasst. Auch vorliegende Erkrankungen und Allergien in der Familie werden dokumentiert.
  • Bei der körperlichen Untersuchung wird die Lunge mit einem Stethoskop abgehört.

Lungenfunktionsprüfung

  • Die Diagnose wird durch die Messung der Atemkapazitäten mit einem besonderen Apparat, einem sog. Spirometer, bestätigt. Während der Untersuchung müssen die Patient*innen zunächst langsam ganz tief einatmen und dann kräftig und schnell in ein Röhrchen ausatmen. Das Gerät misst die Menge der ausgeatmeten Luft und die Geschwindigkeit des Luftstroms.
  • Bei der sog. Reversibilitätstestung wird ein Medikament (Beta-2-Sympathomimetikum) verabreicht, das die Bronchien erweitert. Dann wird gemessen, ob sich die Atmung nach Medikamentengabe verbessert.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, unter ärztlicher Beobachtung eine Verengung der Atemwege mit einem Medikament zu provozieren, um zu erkennen, ob Asthma besteht oder nicht.
  • Insbesondere wenn Kinder bei körperlichen Aktivitäten Asthmasymptome haben, wird eine Spirometrie nach körperlicher Belastung (z. B. Laufen) durchgeführt (Belastungstest).
  • In einigen Fällen kommt eine aufwändigere Untersuchung namens Ganzkörperplethysmografie zum Einsatz, mit der sich bestimmte Lungenfunktionsparameter messen lassen. Die Untersuchung ist für Kinder ab dem Schulalter geeignet.
  • Auch wenn die Ergebnisse der Lungenfunktionsdiagnostik normal sind, kann ein Asthma vorliegen. Bei sehr kleinen Kindern kann die Durchführung der verschiedenen Messungen schwierig sein, sodass die Diagnose ausschließlich auf der Krankengeschichte beruht.
  • Mit einem sog. Peak-Flow-Gerät können Sie auch zu Hause messen, wie schnell das Kind ausatmen kann. Die Messung ist hilfreich, um frühzeitig eine beginnende Verengung der Atemwege zu erkennen und zu überprüfen, wie gut eine Therapie hilft. Ihre behandelnden Ärzt*innen werden Sie aufklären, ob der Einsatz des Gerätes bei ihrem Kind sinnvoll ist.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Verlauf zu beurteilen und die Therapie ggf. anzupassen.

Weitere Untersuchungen

  • In der Lungenfacharztpraxis kann zudem Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft als Marker für die Atemwegsentzündung gemessen werden (sog. FeNO-Messung).
  • In einigen Fällen wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt, um andere Lungenerkrankungen auszuschließen. 
  • Bei fehlendem Therapieansprechen, häufigen Infekten oder schwerem Asthma können zusätzlich Blutuntersuchungen erfolgen.

Allergietests

  • Besteht der Verdacht auf eine Allergie, wird mit speziellen Tests versucht zu klären, auf welche Substanzen das Kind allergisch reagiert (z. B. Hausstaubmilben, Tierhaare, bestimmte Nahrungsmittel). Diese umfassen den sog. Haut-Prick-Test, bei dem unter ärztlicher Kontrolle verschiedene Substanzen auf die Haut aufgetragen werden, um evtl. Hautreaktionen zu überprüfen.
  • Auch anhand von Blutproben lässt sich in Zusammenhang mit den Symptomen zusätzlich klären, ob ein Kind auf bestimmte Substanzen allergisch reagiert.
  • Dies zu wissen ist wichtig, um zu Hause oder in der Umgebung diese Allergene möglichst zu meiden.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung von Asthma ist es, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen so weit wie möglich beschwerdefrei werden. Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass sie in ihrer Entwicklung nicht beeinträchtigt sind und ein so normales Leben wie möglich führen können, ohne Einschränkungen der Aktivitäten. Außerdem sollen Komplikationen der Krankheit sowie unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie vermieden werden.

Medikamente

  • Die meisten Kinder mit Asthma müssen medikamentös behandelt werden, entweder nur bei einem Anfall oder zusätzlich jeden Tag mit einem oder mehreren Medikamenten in Form von Sprays oder auch zusätzlich Tabletten. Je nach Schweregrad des Asthmas wird die Therapie gemäß einer Stufentherapie durchgeführt.
  • Bei Asthmaanfällen werden Wirkstoffe namens Beta-Sympathomimetika (z. B. Salbutamol) inhaliert, die innerhalb weniger Minuten wirken: Sie erweitern die Atemwege und das Kind kann wieder leichter atmen (sog. Reliever).
  • Zusätzlich gibt es Medikamente, die täglich eingenommen werden, um der chronischen Entzündung der Bronchien entgegenzuwirken und dadurch erneuten Asthmaanfällen vorzubeugen (sog. Controller). 
  • Die Langzeittherapie von Kindern und Jugendlichen wird empfohlen, wenn eine Bedarfsmedikation benötigt wird, um Alltagsaktivitäten ohne Asthmasymptome zu bewältigen. In der Regel wird dazu Kortison zum Inhalieren eingesetzt.
  • Bei schwererem Asthma kommen zusätzlich langwirksame Beta-2-Sympathomimetika sowie langwirksame Anticholinergika zum Einsatz.
  • Für Kinder ist zudem der Leukotrienrezeptorantagonist Montelukast zugelassen.
  • Ab 12 Jahren ist auch eine fixe Kombination aus einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (Formoterol) und einem inhalativen Kortison in niedriger Dosis als Langzeitmedikation möglich, die zusätzlich auch als Akutmedikation bei Bedarf eingesetzt werden kann.
  • Je nach Alter werden unterschiedliche Inhalationssysteme (Dosieraerosol oder Pulverinhalator) empfohlen. Lassen Sie sich die Anwendung genau erklären. Ab dem 1. Lebensjahr können Inhalierhilfen (Spacer) benutzt werden.
  • Kinder ab 6 Jahren mit schwerem Asthma (Therapiestufe 6) können in bestimmten Fällen auch sog. monoklonale Antikörper erhalten, die die Entzündungsreaktion bekämpfen.
  • Bei allergischem Asthma kann eine sog. spezifische Immuntherapie erfolgen. Hier wird unter ärztlicher Kontrolle über mindestens 3 Jahre regelmäßig ein Substrat des individuellen Auslösers (Allergens) als Tablette gegeben oder in die Haut gespritzt.

Weitere Therapien

  • Für Kinder und Jugendliche und ihre Eltern werden strukturierte, verhaltensbezogene Asthma-Schulungsprogramme angeboten. Inhaltlich werden dort die Krankheitsvorgänge, Therapiegrundsätze und Notfallpläne zur Selbstbehandlung vermittelt.
  • Ergänzend können auch eine Physiotherapie und Atemtraining hilfreich sein.
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