Asthmaanfall bei Kindern

Asthmaanfall bei Kindern

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Was ist ein Asthmaanfall bei Kindern?

Definition

Ein Asthmaanfall ist eine akute Verengung der Atemwege bei Kindern, die an Asthma erkrankt sind. Bei einigen macht sich die Erkrankung auch erstmalig mit einem solchen Anfall bemerkbar. Bei einem Asthmaanfall ist eine rasche Behandlung erforderlich. Ein Asthmaanfall, der nicht behandelt wird, kann lebensbedrohlich werden.

Symptome

Asthmaanfälle treten bei Kindern häufig bei oder nach dem Spielen oder sportlicher Betätigung auf.

Kinder mit einem Asthmaanfall haben deutliche Atemnot, sprechen undeutlich, spüren Schmerzen oder ein Engegefühl in der Brust, husten und müssen sich beim Atmen stark anstrengen. Zudem ist oft ein pfeifendes Geräusch bei der Ausatmung zu hören. Das Kind kann blass werden, sehr schnell atmen, einen schnellen Puls oder einen erniedrigten Blutdruck aufweisen.

Die Anfälle werden je nach Schweregrad in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt.

Leichter bis mittelschwerer Anfall

Leichte und gemäßigte Anfälle zeichnen sich durch eine Verstärkung der Asthmasymptome des Kindes aus, wie z. B. Husten und Kurzatmigkeit. Das Kind atmet deutlich schneller als sonst, die Atemfrequenz liegt aber unter 30 Atemzügen pro Minute.
Als Zeichen der Atemnot kann es bei kleineren Kindern zu Einziehungen am Brustkorb oder den Nasenflügeln (schnelles Mitbewegen der Nasenflügel beim Ein- und Ausatmen) kommen. Dies kommt dadurch zustande, dass die Atemhilfsmuskulatur eingesetzt wird.
Größeren Kindern ist es nicht möglich, einen längeren Satz zu Ende zu sprechen.
Beim Ausatmen können Atemgeräusche zu hören sein, die bei verengten Atemwegen vorkommen, wie ein trockenes pfeifendes Geräusch (Giemen) und Brummen.

Schwerer Asthmaanfall

Bei einem schweren Asthmaanfall kommen die gleichen Symptome vor, sie können noch stärker ausgeprägt sein und die Atmung ist noch schneller:

  • Kinder über 5 Jahre: > 30 Atemzüge/Minute
  • Kinder 2–5 Jahre: > 40 Atemzüge/ Minute

Ein schwerer Asthmaanfall muss in der Regel notärztlich bzw. im Krankenhaus behandelt werden. Da auch ein zunächst mäßig starker Anfall sich evtl. sehr rasch verschlimmern kann, sollten Sie vorsichtshalber den Rettungsdienst anrufen, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die eigene Therapie wirkt.

Lebensbedrohlicher Asthmaanfall

Bei einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall wird das Kind zunehmend erschöpft, der Blutdruck sinkt ab, die Sauerstoffsättigung im Blut nimmt stark ab, die Lippen können blau werden.

Dies ist ein Alarmsignal für einen lebensbedrohlichen Zustand, auf das sofort reagiert werden muss: Rufen Sie notärztliche Hilfe über die Telefonnummer 112!

Ursachen

Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der sich die Bronchien anfallsartig verengen.

Ein Asthmaanfall wird häufig durch äußere Faktoren ausgelöst, z. B. Infektionserkrankungen, Pollen, Tierhaare, Staub, Rauch, Kälte, bestimmte Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika, ASS), körperliche Anstrengung und psychische Belastung.

Asthmaanfälle entstehen oft infolge einer allmählichen Verschlimmerung eines chronischen, möglicherweise unzureichend behandelten Asthmas. Nicht immer kann ein auslösender Faktor festgestellt werden. Etwa 80–95 % der Asthmaanfälle bei Schulkindern sollen im Zusammenhang mit virusbedingten Atemwegsinfekten stehen.

Häufigkeit

2021 wurden in Deutschland 23 pro 100.000 Kinder unter 15 Jahren wegen eines Asthmaanfalls im Krankenhaus behandelt.

Untersuchungen

  • Ärzt*innen stellen die Diagnose „klinisch“ durch die Erfassung der Symptome wie Husten, Atemnot und die typischen Atemgeräusche beim Abhorchen mit dem Stethoskop (Auskultation). Meist ist die Diagnose Asthma bronchiale auch schon bekannt.
  • Bei einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall kann die Atmung sehr schwer hörbar sein, da die Lunge überbläht sein kann („SilentChest“).
  • Weitere wichtige Parameter können das Messen von Herzfrequenz und Blutdruck sein sowie die Sauerstoffsättigung im Blut, die mit einem Pulsoxymeter an einem Finger gemessen werden kann.
  • Bei Kleinkindern kann die Symptomatik weniger typisch sein, ähnliche Beschwerden können auch bei Atemwegsinfekten auftreten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kooperationsfähigkeit insbesondere bei Kleinkindern oft eingeschränkt ist.

Behandlung

  • Zu Beginn des Anfalls sollten die Eltern soweit wie möglich dafür sorgen, dass das Kind Ruhe bekommt, möglichst an einem angenehm kühlen Ort, wo es eine bequeme Position einnehmen kann. Es sollte während eines Asthmaanfalls auf keinen Fall alleine gelassen werden.
  • Möglicherweise hat das Kind bereits in einer Schulung Techniken erlernt, die die Atmung erleichtern, und Sie können es ermuntern, diese anzuwenden (Kutschersitz, Lippenbremse).

Medikamente

  • Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Medikamente für die Akutbehandlung, die verschrieben werden können.
  • Ist Ihr Kind bereits wegen Asthma in Behandlung, kennen Sie evtl. schon genaue Pläne für die Notfallbehandlung. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie den ärztlichen Anweisungen folgen und schnell das Medikament in der Dosis geben, die für diesen Fall vorgesehen ist.
  • Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung von Asthmaanfällen sind kurzwirksame Beta-2-Agonisten (z. B. Salbutamol), die inhaliert werden. Sie wirken, indem sie die verengten Atemwege erweitern, sodass die Luft wieder leichter durch die Bronchien strömen kann.
  • Je nach Alter des Kindes wird das Medikament mithilfe eines Sprays oder anderer Inhalationsgeräte verabreicht.
  • In der Akutsituation werden je nach Leitlinie 2–4 Hübe alle 10–20 Minuten, bzw. 4–10 Hübe alle 20 Minuten für maximal 1 Stunde empfohlen.
  • Möglicherweise haben Ihre Ärzt*innen zusätzlich die Gabe von Kortison verschrieben, das Sie Ihrem Kind dann auch geben sollten.

Wann muss das Kind ins Krankenhaus?

  • Wenn ein starker Asthmaanfall vorliegt, bestehen die Symptome trotz des Einsatzes von Bedarfsmedikation (wie inhalativen kurzwirksamen Beta-2-Agonisten und Glukokortikoiden) bzw. bessern sich nicht oder verschlimmern sich sogar.
  • Wenn sich die Symptome auch nach 30–60 Minuten nicht verbessern, sie nach kurzer Zeit erneut auftreten oder das Kind sehr erschöpft ist, sollte notärztliche Hilfe gerufen werden. Die Ärzt*innen entscheiden, ob andere Medikamente gegeben werden und ob das Kind ins Krankenhaus eingewiesen werden sollte.
  • Bei schweren Anfällen ist es mitunter notwendig, Sauerstoff zuzuführen. Außerdem können Flüssigkeit oder weitere Medikamente direkt ins Blut verabreicht werden.

Betreuung nach einem Asthmaanfall

  • Nach einem Asthmaanfall soll die bestehende Medikation überprüft und ggf. angepasst werden. Auch die Inhalationstechnik sollte kontrolliert werden.
  • Eine Schulung oder Nachschulung der Eltern und des Kindes kann sinnvoll sein. Dort werden allgemeines Wissen rund um die Erkrankung, die Medikamente und Verhalten bei Atemwegsinfekten oder einem Asthmaanfall vermittelt.
  • Ggf. kann eine rehabilitative Maßnahme an einem Kurort geplant werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Asthmaanfall bei Kindern und Jugendlichen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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