Akute Arzneimittelvergiftung
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Was ist eine akute Arzneimittelvergiftung?
Definition
Vergiftungen sind durch viele Substanzen möglich, z. B. Pilze, Pflanzen, Alkohol oder Chemikalien. Fast die Hälfte (46 %) aller akuten Vergiftungen entstehen durch Arzneimittel.
Wichtig ist, beim Verdacht auf eine Vergiftung ein Giftinformationszentrum anzurufen und den Anweisungen zu folgen. Ist eine Person bewusstlos, wählen Sie den Notruf 112 und leisten Sie Erste Hilfe.
Symptome
Eine akute Vergiftung kann sehr unterschiedliche Beschwerden hervorrufen: Die Symptome und der Schweregrad hängen vom eingenommenen Arzneimittel, der Dosis und der seit der Einnahme vergangenen Zeit ab. Allein anhand der Symptome ist meist nur eine grobe Zuordnung zu einer Substanzgruppe möglich. Bei Kindern kann bereits eine sehr geringe Überdosis schwere Auswirkungen haben.
Ursachen
Eine akute Überdosierung von Arzneimitteln kann unbeabsichtigt sein, z. B. durch Verwechslung oder eine versehentliche falsche Dosierung. Beispielsweise können bei Kindern oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen bereits geringere Dosen Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
Eine akute Überdosierung von Arzneimitteln erfolgt jedoch auch oft vorsätzlich in Suzidabsicht. Medikamente, die häufig in Überdosis eingenommen werden, sind Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmittel sowie Medikamente gegen psychische Erkrankungen (Antidepressiva, Neuroleptika).
Paracetamol
Paracetamolvergiftungen sind häufig, aber meist nicht lebensbedrohlich, sofern rechtzeitig ein Gegenmittel (Antidot) verabreicht wird (innerhalb von 8–10, maximal 24 Stunden). Paracetamol kann zu schweren Leberschäden bis hin zum Leberversagen führen.
Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Bauchschmerzen, in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Einnahme.
Benzodiazepine
Die meisten Arzneimittelvergiftungen werden durch Benzodiazepine (eine Wirkstoffklasse von Beruhigungsmitteln) verursacht. Oft handelt es sich um eine Vergiftung in Kombination mit Alkohol und/oder anderen Arzneimitteln.
Typische Symptome einer Vergiftung sind Benommenheit und starke Schläfrigkeit, Sehstörungen, Bewegungsstörungen und verwaschene Sprache. Selten kommt es zu einer Beeinträchtigung der Atmung.
Betablocker
Betablocker werden häufig gegen Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit verordnet. Eine Überdosierung führt innerhalb von meist 2–4 Stunden zu Herzrhythmusstörungen mit einer Verlangsamung der Herzfrequenz, niedrigem Blutdruck bis hin zum Kreislaufschock, Bewusstseinsminderung, Krämpfen, Atemproblemen, einer geringen Urinausscheidung und Unterzuckerung. Je nach Präparat können die Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein. In Kombination mit anderen Herz-Kreislauf-Medikamenten können sie deutlich stärker ausfallen.
Kalziumantagonisten
Kalziumantagonisten werden z. B. bei Bluthochdruck und Brustenge (Angina pectoris) eingesetzt. Bei Überdosierung kommt es innerhalb von 2–3 Stunden zu einem niedrigen Blutdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kreislaufschock und Herzstillstand.
Opiate (starke Schmerzmittel)
Bei einer Überdosierung von Opiaten kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Störungen der Magen-Darm-Funktion und Bauchschmerzen, einer Verengung der Pupillen, niedrigem Blutdruck und verlangsamtem Herzschlag, möglicherweise zum Koma und einer Abflachung der Atmung bis zum Atemstillstand. Auch ein Lungenödem kann auftreten.
Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin)
Eine Vergiftung mit Salicylaten führt zunächst zu Ohrensausen, Fieber, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Hyperventilation. Bei schweren Vergiftungen kommt es zu starken Stoffwechselstörungen mit Bewusstseinstrübung, Koma und Blutungen bis hin zum Tod.
Trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Trizyklische Antidepressiva (TCA) sind die Arzneimittelgruppe, die zu den meisten tödlichen Vergiftungen führt. Sie führen zu zahlreichen Symptomen wie einer erhöhten Körpertemperatur, Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma und Herzfunktionsstörungen.
Bei selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) kommt es bei Überdosierung zu Bewusstseinstrübung, Zittern und Erbrechen.
In Kombination mit anderen Substanzen erhöht sich bei beiden Antidepressiva das Risiko für einen lebensgefährlichen Verlauf.
Digitalis
Eine akute Überdosierung mit Digitalis kann zu Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Herzklopfen, Störungen in der Farbwahrnehmung (Gelb-Grün-Sehen) und Herzrhythmusstörungen führen.
Eisen
Bei Erwachsenen kommt es selten zu einer akuten Eisenvergiftung, bei Kindern tritt sie häufiger auf. Die Vergiftung verläuft in unterschiedlichen Phasen:
- In den ersten 4 Stunden führt sie zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, (blutigem) Erbrechen, Durchfall, schwarzem Stuhl, Kreislaufproblemen, Unruhe oder Lethargie.
- Nach einer vorübergehenden Besserung kommt es nach etwa 12 Stunden zum Schock, Stoffwechselentgleisung (z. B. Hyper- oder Hypoglykämie), Koma, Nierenfunktions- und Gerinnungsstörungen.
- Nach mehr als 48 Stunden treten schwere Leberfunktionsstörungen ein.
- Spätfolgen sind Magen- und Leberschäden.
Häufigkeit
Akute Arzneimittelvergiftungen sind eine häufige Ursache für eine Einweisung ins Krankenhaus: 2011 wurden in Deutschland ca. 205.000 Krankenhausbehandlungen aufgrund akuter Vergiftungen durchgeführt. Es kam zu 1.987 Todesfällen durch Arzneimittelvergiftungen und zu 1.410 Todesfällen, die als eine vorsätzliche Selbstvergiftung mit Arzneimitteln eingestuft wurden.
Untersuchungen
Im Arztgespräch wird zunächst versucht, Hinweise auf die Art der Vergiftung zu sammeln. Das sind zum einen die beobachteten Symptome, aber auch die Begleitumstände, z. B. ob regelmäßig Medikamente eingenommen werden oder ob es Hinweise auf einen Suizidversuch gibt.
Ärzt*innen prüfen Atemfunktion, Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung des Blutes und ob es Anzeichen von Flüssigkeitsmangel gibt. Größe und Reaktion der Pupillen sowie die Muskelspannung können Hinweise auf die eingenommene Substanz geben.
Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz werden für eine gewisse Zeit überwacht und die körperliche Untersuchung mehrfach wiederholt, da sich typische Vergiftungssymptome erst nach einer gewissen Zeit bemerkbar machen können. Ein Elektrokardiogramm (EKG) gibt Aufschluss über eine Beteiligung des Herzens.
Im Krankenhaus erfolgt eine Blutuntersuchung, bei der Organ- und Stoffwechselparameter bestimmt und u. U. die Substanz nachgewiesen werden kann, die zu der der Vergiftung geführt hat. Manchmal ist zusätzlich eine Röntgenaufnahme der Lunge erforderlich.
Behandlung
Die Behandlung einer akuten Arzneimittelvergiftung hängt von der eingenommenen Substanz, vom Schweregrad und dem Einnahmezeitpunkt ab. Sie umfasst mehrere Aspekte:
- Sicherung der Vitalfunktion: Atmung, Versorgung mit Sauerstoff und Kreislauffunktion werden aufrechterhalten sowie ggf. epileptische Anfälle oder Unterzuckerung behandelt.
- Beseitigung der Giftes: Für viele Arzneimittel gibt es ein spezielles Gegenmittel (Antidot), das die Wirkung neutralisiert oder abschwächt. Andere Maßnahmen verringern die Aufnahme oder die Bildung giftiger Abbauprodukte.
- Aktivkohle kann viele Substanzen im Magen-Darm-Trakt binden und so in ihrer Wirkung abschwächen. Sollte innerhalb einer Stunde nach Giftaufnahme und in ausreichend hoher Menge eingenommen werden.
- Magenspülung: Sie wird nur noch in bestimmten Fällen durchgeführt, z. B. wenn die Vergiftung lebensbedrohlich ist und erst kurze Zeit zurückliegt (60 Minuten), die Magenentleerung verlangsamt ist oder es sich um Medikamente handelt, die schlecht durch Aktivkohle gebunden werden. Eine Magenspülung darf nur bei gesicherten Atemwegen durchgeführt werden, d. h. bei intubierten Patient*innen mit einem Beatmungsschlauch in der Luftröhre.
- Weitere Maßnahmen
- Hämodialyse (Blutwäsche): Sie kann bei bestimmten Arzneimittelvergiftungen dazu beitragen, die Substanz aus dem Blut zu entfernen, Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts zu korrigieren und Folgen eines Nierenversagens zu behandeln.
- Darmspülung: Damit können Medikamente von langer Wirkdauer (Retard-Präparate) aus dem Körper entfernt werden.
- Nach einem Suizidversuch benötigen Patient*innen eine psychiatrische Einschätzung.
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