Infektion mit Vibrio vulnificus
Infektion mit Vibrio vulnificus
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Was ist Vibrio vulnificus?
Definition
Vibrio vulnificus ist ein Bakterium, das mit dem Cholera-Bakterium (Vibrio cholerae) verwandt ist. Die Infektion mit Vibrio vulnificus kann eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Erkrankung verursachen. Der Krankheitsverlauf beginnt mit einer Wundinfektion, die in eine Blutvergiftung (Sepsis) münden kann.
Symptome
Die Erkrankung beginnt mit der Infektion einer Wunde. Die Entzündung führt zu starken Schmerzen und kann sich schnell ausbreiten. In der Haut können Blasen und Geschwüre entstehen. Es kann zu einer nekrotisierenden Weichteilinfektion kommen.
Außerdem können rasch im Verlauf Zeichen einer Sepsis (Blutvergiftung) auftreten, wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Verschlechterung des Allgemeinzustands, ggf. Kreislaufversagen.
Ursachen
Vibrio vulnificus lebt in Salz- und Brackwasser und vermehrt sich stark bei Temperaturen über 20 °C. Das Vorkommen des Bakteriums hängt nicht mit einer Verschmutzung des Wassers oder Verunreinigung mit Fäkalien zusammen. Die Infektionsgefahr ist besonders hoch an besonders flachen und sich dadurch schnell erwärmenden Küstenbereichen, aber auch in Boddengewässern.
Der Erreger kann über eine offene Wunde, die in Kontakt mit Meerwasser kommt, in den Körper eindringen. Die Inkubationszeit beträgt 12–72 Stunden. Selten können bei Personen mit Immunschwäche auch Lebensmittelinfektionen mit Vibrio vulnificus auftreten.
Schlecht verheilte und offene Hautwunden sind ein Risikofaktor für eine Infektion. Dazu zählen auch frische Tätowierungen und Piercings. Ältere Personen und Patient*innen mit geschwächter Immunabwehr sind besonders gefährdet. Dies gilt auch für Patient*innen mit Diabetes, chronischen Lebererkrankungen, wie Leberzirrhose, Hepatitis B oder C, Krebserkrankungen und schweren Herzerkrankungen.
Häufigkeit
Infektionen mit Vibrio vulnificus sind selten. In Deutschland wurden von 2000–2019 jährlich 0–20 Fälle gemeldet. Die Infektionen treten vor allem in wärmeren Sommern an der Ostsee auf. Durch den Klimawandel mit längeren Wärmeperioden wird das Risiko voraussichtlich zunehmen.
Untersuchungen
- Patient*innen, die sich an der Küste aufgehalten haben, sollten bei sich rasch ausbreitender Wundinfektion und evtl. Zeichen einer Blutvergiftung auf eine Infektion mit Vibrio vulnificus untersucht werden.
- Die Erkrankung soll von anderen Hautinfektionen (z. B. mit Streptokokken) unterschieden werden.
- In einem Wundabstrich und Blutkulturen können die Bakterien nachgewiesen werden. Blutuntersuchungen können außerdem klären, ob eine schwere Infektion vorliegt.
- Bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT, MRT) zeigen Veränderungen des betroffenen Gewebes.
- Beim Verdacht auf eine Infektion mit Vibrio vulnificus sollen die Betroffenen schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden.
Behandlung
- Die Infektion wird mit Antibiotika behandelt. In der Regel werden die Medikamente direkt in die Blutbahn (intravenös) verabreicht.
- Bei einer schweren Erkrankung erhalten die Patient*innen Infusionen und werden sorgfältig überwacht, häufig auf der Intensivstation.
- Häufig ist eine chirurgische Behandlung notwendig, manchmal ist auch eine Amputation erforderlich.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Vibrio-vulnificus-Infektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Nicht-Cholera-Vibrionen, Stand 13.02.2023 (letzter Zugriff am 19.07.2023). www.rki.de
- Nationale Forschungsplattform für Zoonosen. Zoonose des Monats - September 2021. Erregersteckbrief Vibrionen. zoonosen.net
- Dupke S, Buchholz U, Fastner J, et al. Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbürtige Infektionen und Intoxikationen. Journal of Health Monitoring 2023; 8 (S3): 67-83. www.rki.de
- CDC Centers for Disease Control and Prevention. Vibrio vulnificus & Wounds. Stand Oktober 2019. (letzter Zugriff am 19.07.2023) www.cdc.gov
- Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie. Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018. S.175ff. AWMF-Leitlinie 082-006. Stand 2017. www.awmf.org
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