Verstopfung (Obstipation) bei Kindern
Verstopfung (Obstipation) bei Kindern
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Was ist Verstopfung (Obstipation) bei Kindern?
Definition
Bei der Häufigkeit des Stuhlgangs bei Kindern gibt es große Unterschiede. Gestillte Säuglinge können zwischen 1 x in 10–14 Tagen bis zu 12 x pro Tag Stuhlgang haben. Bei Kleinkindern liegt die Häufigkeit zwischen alle 2 Tage bis mehrmals täglich. Die Definition für Verstopfung (Obstipation) setzt sich zusammen aus ≤ 2 x Stuhlgang/Woche bei Kindern ab 4 Jahren, > 1 Episode mit Stuhlschmieren/Inkontinenz pro Woche nach Sauberwerden, (willkürlicher) Zurückhaltung des Stuhlgangs, schmerzhaftem und hartem Stuhlgang, ertastbaren Stuhlmassen im Mastdarm (Rektum) sowie großvolumigen Stühlen. Sind mindestens 2 dieser Kriterien mindestens 1 x pro Woche über einen Zeitraum von 1 Monat erfüllt, spricht man von Obstipation.
Symptome
Der Stuhl ist oft verhärtet, großvolumig und schmerzt beim Ausscheiden. Es kann zu Appetitminderung, Wachstumsstörung und Bauchschmerzen kommen. Eine Obstipation kann bei Kindern auch mit Einkoten (Enkopresis) oder Stuhlschmieren sowie Harninkontinenz und Harnwegsinfektionen einhergehen.
Ursachen
Körperliche Ursachen für eine Obstipation sind selten, aber teils schwerwiegend. So können Erkrankungen wie Morbus Hirschsprung, zystische Fibrose, Zöliakie, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) eine Verstopfung auslösen. Auch anale Entzündungen, Fehlbildungen und Fissuren, Allergien (Kuhmilchallergie) sowie Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks mit einer Beeinträchtigung neuromuskulärer Funktionen können einer Verstopfung zugrunde liegen. Psychische Faktoren wie ein sexueller Missbrauch können ebenfalls zu chronischer Obstipation führen.
Häufiger liegen jedoch multiple Ursachen mit körperlichen, genetischen und psychologischen Anteilen vor. Nicht selten kann ein mit dem Stuhlgang assoziiertes unangenehmes Ereignis (lokale Entzündungen, Nichtverfügbarkeit einer Toilette, anale Manipulation z. B. beim Einführen eines Zäpfchens) ein Auslöser sein. In der Folge kommt es bei Stuhldrang zu einem bewussten Anspannen des Schließmuskels, einer Verzögerung des Stuhlgangs, einer zunehmenden Dehnung des Rektums und letztlich einer geringeren Wahrnehmung des Stuhldrangs. Die Folge ist ein Teufelskreis mit einer folgenden chronischen Verstopfung. Oft zeigen sich zudem psychosoziale Faktoren wie Einschulung und Trennungen als Auslöser.
Häufigkeit
Die weltweite Häufigkeit liegt bei schätzungsweise 3–15 %. Etwa 1/3 aller Klein- und Schulkinder leidet an Obstipationen. In 17–40 % der Fälle beginnen die Symptome bereits im ersten Lebensjahr. 3 % der Arztbesuche in allgemeinen und 25 % der Fälle in gastroenterologischen pädiatrischen Ambulanzen gehen auf Verstopfung zurück.
Untersuchungen
- Im Rahmen der Untersuchung werden Stuhlfrequenz, -konsistenz und -aussehen erfragt, ggf. mithilfe von Bildern zur Beschreibungshilfe und eines Stuhlprotokolls.
- Es werden Fragen zur Ernährung, Sauberkeit und Medikamenteneinnahme des Kindes gestellt. Auch die Frage nach unangenehmen und unangemessenen Berührungen im Afterbereich kann relevant sein.
- Der Symptombeginn bzw. ein verzögerter erster Stuhlgang nach der Geburt kann einen Hinweis auf z. B. Morbus Hirschsprung geben. Andere Begleitsymptome können ebenfalls Hinweise auf mögliche körperliche Ursachen darstellen.
- Bauch, Analregion und der Bereich der unteren Lendenwirbelsäule werden untersucht und abgetastet.
- Körpergröße und Gewicht sowie das Gangbild und die Reflexe werden kontrolliert.
- Zum Ausschluss von Erkrankungen der Schilddrüse wird diese untersucht.
- Bei Bedarf können Blut, Urin und Stuhl im Labor untersucht werden. Bei einer Ultraschalluntersuchung des Unterbauchs kann der Rektumdurchmesser gemessen werden.
- Besteht der Verdacht auf bestimmte Grunderkrankungen, können weitere diagnostische Mittel wie eine Biopsie, eine Magnetresonanztomografie der Wirbelsäule oder Nahrungsmittelunverträglichkeitstests eingesetzt werden.
Behandlung
- Die Behandlung basiert meist auf einer initialen Komplettentleerung des Darms durch Abführmittel (Laxanzien), einer anschließenden Erhaltungstherapie sowie einer ausführlichen Aufklärung der Eltern und des Kindes.
- Die Erhaltungstherapie sollte für mindestens 6 Monate durchgeführt und dann schrittweise reduziert werden.
- Die Beratung beinhaltet Informationen über die Ursachen der Verstopfung, insbesondere über den negativen Effekt des Zurückhaltens sowie ein sog. Toilettentraining nach dem Essen mit entspanntem Sitzen und Lob.
- Die Trinkmenge von Milch kann zeitweise begrenzt werden. Es gibt jedoch keinen eindeutigen wissenschaftlichen Nachweis für den Effekt von zusätzlicher Ballaststoffaufnahme, Bewegung, Probiotika oder erhöhter Flüssigkeitsaufnahme.
- Relevante psychische Begleiterkrankungen sollten behandelt werden.
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