Sehstörungen, Flecken und Flimmern

Sehstörungen, Flecken und Flimmern

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Was sind Sehstörungen?

Zu Sehstörungen zählen alle Abweichungen vom normalen Sehen. Diese können zeitweise oder auch dauerhaft auftreten. Manche sind harmlos, andere können auf schwerwiegende Krankheiten hindeuten.

Das sind die unterschiedlichen Arten von Sehstörungen:

  • Schatten und Flecken im Gesichtsfeld
  • Verschwommenes oder unscharfes Sehen
  • Flimmern vor den Augen
  • Doppelbilder
  • Wahrnehmung von Lichtblitzen

Sind die Augen selbst betroffen, so spricht man von einer peripheren Sehstörung. Ist hingegen die Reizweiterleitung aus den Augen in das Gehirn gestört, handelt es sich um eine zentrale Sehstörung; diese kann angeboren oder durch eine Schädigung des Gehirns entstanden sein.

Was kann die Ursache sein?

Flecken oder Schatten im Gesichtsfeld

  • Mouches volantes („fliegende Mücken”).
    • Dabei handelt es sich um zeitweise wahrzunehmende kleine Punkte, Flecken oder fadenartige Strukturen.
    • Die Phänomene treten häufig bei Kurzsichtigkeit auf. Vermutlich ist es dabei zu Ablagerungen im Glaskörper des Auges gekommen.
    • In den meisten Fällen sind Mouches volantes harmlos und müssen nicht behandelt werden. In einigen Fällen kann es jedoch zu einer Blutung im Glaskörper oder einer Abhebung des Glaskörpers kommen, was die Gefahr einer Netzhautablösung mit sich bringt.
    • Treten Mouches volantes plötzlich und in großer Zahl auf, steigt ebenfalls das Risiko einer Netzhautablösung. Besonders hoch ist es, wenn gleichzeitig auch das Sehvermögen beeinträchtigt ist und Blitze auftreten. Allerdings können beides auch Symptome einer Entzündung der Augenhaut sein.
  • Rußregen, Schleier, „Vorhang”
    • Diese Symptome beginnen meist am Rand des Gesichtsfelds.
    • Sie können Vorzeichen einer Netzhautablösung sein.
    • Vergleichsweise häufig betroffen sind Männer. Ebenso Menschen mit Kurzsichtigkeit, mit einer künstlichen Augenlinse und wenn es in der Verwandtschaft bereits zu Netzhautablösungen gekommen ist.

Flimmern und Blitze

  • Lichtblitze, Schatten oder Schleier vor den Augen können in Verbindung mit einer Abnahme der Sehschärfe auf eine Netzhautablösung hinweisen.
  • Kommt es zu einem meist einseitigen Kopfschmerz, dem ein Flimmern vor beiden Augen und die Wahrnehmung gezackter Formen vorangegangen ist, handelt es sich um eine Migräne.
  • Ein Flimmern vor den Augen, zusammen mit gestörtem Farbsehen und einem Verschwommensehen, kann die Folge einer Kreislaufstörung mit niedrigem Blutdruck sein (orthostatische Dysregulation).

Gesichtsfeldausfälle

Die Ursachen dafür können vielfältig sein, und nicht von allen bemerken die Betroffenen etwas:

  • Eine Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom), die mit akut mit starken Schmerzen und geröteten Augen einhergeht oder sich mit Ausfällen am Sehfeldrand langsam entwickelt.
  • Eine Erkrankung der Netzhaut (Makuladegeneration); sie tritt vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auf.
  • Ein Schlaganfall oder eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn. Dabei kommt es zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Ausfall der gleichen Seite des Gesichtsfelds in beiden Augen. Außerdem können Wahrnehmungsstörungen auftreten, etwa bestimmte Objekte nicht mehr erkannt werden.
  • Eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse (Hypophysenerkrankung). Oftmals drückt dann ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse auf die Sehbahn. Betroffene können in dem Fall nicht mehr erkennen, was sich seitlich von ihnen befindet.
  • Eine Entzündung der Schläfenarterie (Arteritiis temporalis), wodurch es zu vorübergehenden Sehstörungen wie flimmernden Lichtmustern, einem teilweisen Gesichtsfeldausfall oder zeitweiser Blindheit kommen kann.

Verschwommensehen

  • Womöglich ist Verschwommensehen die Folge einer unzureichenden Korrektur einer Fehlsichtigkeit.
  • Eine Eintrübung der Augenlinse (Katarakt) in Verbindung mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegen blendendes Licht
  • Bestimmte Medikamente, Alkohol, Gifte und neurologische Krankheiten können verhindern, dass das Auge Objekte in allen Entfernungen scharf sehen kann (Akkomodationsstörung).
  • Wenn die zentrale Vene der Netzhaut durch ein Blutgerinnsel blockiert wird, kann sich das durch ein einseitiges Verschwommensehen am Morgen bemerkbar machen.
  • Wenn sich der Glaskörper von der Netzhaut abhebt, sehen Betroffene verschwommen „wie unter Wasser”.
  • Auch eine Blutung im Glaskörper kann die Sicht eintrüben: Häufig verschwinden rötlich verfärbte Bereiche rasch wieder. Das Sehvermögen kann durch die Blutung aber auch stark beeinträchtigt werden; sie tritt vergleichsweise häufig bei Menschen mit Diabetes auf.

Doppelbilder

  • Treten Doppelbilder plötzlich auf, kann das auf Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn (z. B. Aneurysma), auf einen Tumor, eine Entzündung der Augenhöhle, Multiple Sklerose oder einen Bruch der Augenhöhle infolge eines Schlages oder Sturz hinweisen.
  • Zeitweise auftretende Doppelbilder können auch nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Giften auftreten.
  • Manchmal ist aber auch nur eine starke Müdigkeit die Ursache für Doppelbilder.

Veränderung der Farbwahrnehmung

  • Diese kann auftreten, wenn Betroffene mit einer Herzerkrankung eine zu große Menge bestimmter, schwer zu dosierender Medikamente (Herzglykoside, Digitalis) eingenommen haben.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Jede neu aufgetretene Sehstörung sollten Sie möglichst umgehend augenärztlich abklären lassen.

Untersuchungen

Augenarztpraxis

Dort werden Sie zunächst gebeten, Ihre Beschwerden genau zu beschreiben, ob

  • diese etwa plötzlich oder eher schleichend aufgetreten sind.
  • sie zunehmend sind oder eher wellenförmig verlaufen.
  • es Auslöser wie ein Trauma, Medikamente oder Drogen geben könnte.
  • gleichzeitig Fieber oder Schmerzen aufgetreten sind.
  • es Vorerkrankungen der Augen gibt, einen Diabetes oder eine Stoffwechselerkrankung.

Dann kommen unter anderem folgende Vorgehensweisen in Betracht:

  • eine allgemeine körperliche Untersuchung
  • eine Bestimmung der Sehschärfe
  • eine Einschätzung des Gesichtsfelds
  • eine genaue Betrachtung von Pupille, Hornhaut und Bindehaut
  • eine Abtastung der Augen und gegebenenfalls der Schläfenarterien
  • ein Test des Pupillenreflex

Eventuell wird Ihnen auch Blut abgenommen, um den Blutzuckerwert zu bestimmen. Bei Verdacht auf eine Entzündung der Schläfenarterien werden zudem weitere Blutwerte bestimmt.

Klinikeinweisung

Sie ist nötig bei:

  • Verdacht auf eine Netzhautablösung
  • Verdacht auf ein akutes Glaukom oder einen Arterienverschluss
  • Verdacht auf eine Entzündung der Schläfenarterien
  • zunehmenden einseitigen Gesichtsfeldausfällen
  • akut einseitig verminderter Sehschärfe
  • Verdacht auf einen Schlaganfall

Behandlung

Bei sehr störenden Mouches volantes kann versucht werden, die Flecken mit einem Laser aufzulösen. Eventuell kann auch der Glaskörper des Auges entfernt werden.

Bei anderen Sehstörungen ist es vor allem wichtig, die grundlegende Ursache zu behandeln.

Abbildungen

Auge, detaillierter Längsschnitt
Auge, detaillierter Längsschnitt

Autor

  • Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sehstörungen, Flecken und Flimmern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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