Positionsabhängiger niedriger Blutdruck

Positionsabhängiger niedriger Blutdruck

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Was ist ein positionsabhängiger niedriger Blutdruck?

Orthostatische Hypotonie ist der Fachausdruck für einen positionsabhängigen niedrigen Blutdruck. Der Blutdruck sinkt beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen.

Eine orthostatische Hypotonie liegt vor, wenn innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen der höhere (systolische) Blutdruckwert um mindestens 20 mmHg (bei bestehendem Bluthochdruck um 30 mmHg) oder der untere (diastolische) Blutdruckwert um mindestens 10 mmHg abfällt.

Darüber hinaus unterscheidet man verschiedene Formen in Abhängigkeit davon, wie schnell der Blutdruck abfällt.

Häufigkeit

Der positionsabhängige niedrige Blutdruck kommt in allen Altersgruppen vor, jedoch häufiger bei Älteren und dann vor allem bei kranken oder schwachen Personen.

Während in einer durchschnittlichen, gesunden Bevölkerung rund 5 % betroffen sind, beträgt der Anteil bei über 80-jährigen ca. 19 %. Noch häufiger zeigt sich ein positionsabhängiger niedriger Blutdruck bei Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom oder bestimmten Formen von Demenz.

Was kann die Ursache sein?

Beim Aufstehen folgt das Blut der Schwerkraft und ca. 500–1.000 ml Blut sammeln sich in den Venen der Beine und im Bauch. Durch den abfallenden Blutdruck werden komplexe Gegenmaßnahmen des Körpers ausgelöst, u. a. eine Steigerung des Pulses und eine Zunahme der Gefäßwandspannung.

Auch das Nervensystem, Hormone und die Muskulatur spielen eine wichtige Rolle. Sind ein oder mehrere Parameter davon verändert, dann funktionieren die Gegenreaktionen nicht mehr korrekt und es kommt zu den typischen Symptomen (Schwäche, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen u. a.).

Orthostatische Hypotonie kann in strukturelle (im Zusammenhang mit einer Schädigung des Nervensystems) und funktionelle (ohne geschädigtes Nervensystem) Ursachen eingeteilt werden.

Strukturelle Ursachen

Funktionelle Ursachen

  • Vermindertes Blutvolumen
    • Bei einem Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) oder Blutungen ist das Blutvolumen insgesamt reduziert, wodurch es zu niedrigerem Blutdruck kommt.
    • Wärme, Alkoholkonsum und reichhaltige Mahlzeiten erweitern die Blutgefäße, wodurch beim Aufstehen mehr Blut in die Beine absacken kann und es zu einem relativen Volumenmangel kommt.
  • Herzinsuffizienz
    • Dabei ist das Herz geschwächt und nicht mehr imstande, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen.
  • Medikamente
    • Niedriger Blutdruck kann als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten, u. a. bei harntreibenden Mitteln (Diuretika), Psychopharmaka und auch bei Mitteln gegen hohen Blutdruck.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Wenn bei Ihnen beim Aufstehen der Blutdruck so sehr abfällt, dass Sie (vorübergehend) in Ohnmacht fallen oder stürzen, sollten Sie dies hausärztlich abklären lassen.

Bei der ärztlichen Untersuchung kann auch eine mögliche zugrunde liegende Erkrankung ausgeschlossen werden.

Untersuchungen

  • Wichtig für die Diagnose ist eine detaillierte Beschreibung der Symptome wie Schwindelgefühl, Sehstörungen, aber auch Schwächegefühl, weiche Knie sowie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen etc.
  • Vorbestehende Erkrankungen sind ebenfalls von großer Bedeutung, z. B. Bluthochdruck, Parkinson, Herzinsuffizienz, Diabetes oder Nierenversagen.
  • Insbesondere bei älteren Patient*innen wird eine orthostatische Hypotonie häufig durch regelmäßig eingenommene Medikamente verursacht.
  • Bei der allgemeinen körperlichen Untersuchung wird der Blutdruck gemessen, die Hautfarbe geprüft, die Haut auf Trockenheitszeichen untersucht und das Vorhandensein von Zittern oder anderen neurologischen Auffälligkeiten untersucht.
  • Das Herz wird per Elektrokardiografie (EKG) untersucht.
  • Eine Laboruntersuchung des Blutes kann weitere Hinweise auf eventuelle Störungen geben.
  • Ihr Blutdruck und Puls während Sie sitzen und nach dem Aufstehen werden gemessen und jeweils miteinander verglichen. Wenn der Druck beim Stehen deutlich geringer ist, deutet dies auf positionsabhängigen niedrigen Blutdruck hin.
  • Mithilfe einer Kipptischuntersuchung kann man die Ursache des Schwindelgefühls oder der wiederkehrenden Ohnmachtsanfälle feststellen. Dabei werden Sie nach 5 Minuten Ruhe in Rückenlage per Kipptisch für 3 Minuten in einem Winkel von 60–80 Grad aufgerichtet.

Behandlung

  • Ob eine orthostatische Hypotonie behandelt werden muss, ergibt sich vor allem aus dem Schweregrad und der Häufigkeit der Symptome.
  • Die Behandlung beruht vor allem auf dem Vermeiden auslösender Faktoren mit einfachen Verhaltensregeln und physikalischen Maßnahmen.
  • Bei Patient*innen ohne gutes Ansprechen auf die Allgemeinmaßnahmen können ergänzend Medikamente eingesetzt werden.
    • Blutdrucksenkende Medikamente werden üblicherweise abgesetzt, allerdings soll auch ein Bluthochdruck vermieden werden.
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