Sehstörung oder Sehverlust

Sehstörung oder Sehverlust

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Was sind Sehstörung oder Sehverlust?

Eine Sehstörung ist eine meist plötzlich einsetzende Veränderung der gewohnten optischen Wahrnehmung. Sie tritt oft in Kombination mit einer vorübergehenden oder bleibenden Verminderung des Sehvermögens auf.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

Alterungsbedingte Sehbeeinträchtigungen

  • Altersweitsichtigkeit (Presbyopie): Beginnt ab einem Alter von 40 Jahren und geht mit dem Verlust der Nahanpassungsfähigkeit des Auges einher.
  • Verlust der Kontrastempfindlichkeit durch Veränderungen in der Netzhaut
  • Verschlechterung der Hell-Dunkel-Adaption durch Veränderungen in der Netzhaut
  • Alterungsbedingte Sehbeeinträchtigungen können einen Sehverlust durch andere Ursachen zusätzlich verstärken.

Fehlsichtigkeit

  • Fehlsichtigkeit tritt meist an beiden Augen auf und entwickelt sich mit der Zeit.
  • Durch das Nachlassen der Sehschärfe kann es bei Kindern zu Schielen und Kopfschmerzen kommen.

Grüner Star (Glaucoma simplex)

  • Tritt bei etwa 1–2 % aller Personen über 40 Jahren auf. Die Ursachen sind nicht bekannt, die Erkrankung basiert auf einem erhöhten Augeninnendruck.
  • Die Erkrankung führt zu Gesichtsfeldausfällen (Teile des Bereichs, der gesehen werden kann, werden nur mehr verschwommen oder gar nicht mehr gesehen) und einem schleichenden, aber dauerhaften Sehverlust.

Grauer Star (Katarakt)

  • Tritt sehr häufig bei älteren Menschen auf.
  • Es kommt zu einer alterungsbedingten Trübung der Augenlinse.
  • Die Erkrankung entwickelt sich langsam ein- oder beidseitig und führt im späteren Verlauf zu Sehstörungen sowie häufig zu einer hohen Blendeempfindlichkeit bei hellem Licht oder Gegenlicht.
  • Eine Operation kommt infrage, wenn das Sehvermögen beeinträchtigt ist.

Altersbedingte Veränderungen der Netzhaut (Makuladegeneration)

  • Dauerhafter Sehverlust, der sich schleichend über mehrere Wochen oder Monate entwickelt.
  • Verzerrte Wahrnehmung
  • Schwierigkeiten beim Lesen
  • Nachlassende Sehschärfe
  • Entwicklung eines Zentralskotoms (Verlust der Sehschärfe im zentralen Gesichtsfeld)

Langzeitschäden von Diabetes (diabetische Retinopathie)

  • Eine Diabetes-Erkrankung kann die kleinen Blutgefäße in den Augen schädigen, wodurch es zu einer Schädigung der Netzhaut kommt.
  • 20 Jahre nach der Diagnose eines Diabetes leidet etwa die Hälfte der Menschen mit Typ-2-Diabetes und 80 % der Menschen mit Typ-1-Diabetes an einer diabetischen Retinopathie.
  • Neben einer Verschlechterung des Sehvermögens verursacht die Erkrankung keine Symptome.

Entzündung der Hornhaut (Keratitis)

  • Kann durch Infektionen (z. B. mit Herpes-Viren), Verletzungen, Reizstoffe, UV-Strahlung, Fremdkörper, Kontaktlinsen und Bindegewebserkrankungen verursacht werden.
  • Typisch sind allmählich zunehmende und häufig als tief empfundene Schmerzen, deren Intensität schwanken kann.

Verschluss eines Gefäßes in der Netzhaut (Retina)

  • Es handelt sich um einen Notfall, der umgehend in einem Krankenhaus behandelt werden muss.
  • Betroffen sind meist ältere Menschen.
  • Unterschieden wird zwischen einem arteriellen und venösen Verschluss:
    • Arterieller Verschluss: Es kommt zu einer kurzzeitigen oder dauerhaften Verminderung des Sehvermögens, deren Ausmaß sich danach richtet, welches Blutgefäß betroffen ist. Vorhofflimmern (Form einer Herzrhythmusstörung) und Arteriosklerose (Gefäßerkrankung, bei der sich die Arterien durch Ablagerungen verengen) gelten als Risikofaktoren.
    • Venöser Verschluss: Typisch ist ein einseitiger Sehverlust, der sich beim Aufwachen am Morgen zeigt und sowohl vorübergehend als auch dauerhaft sein kann. Arteriosklerose, BluthochdruckDiabetes und Grüner Star gelten als Risikofaktoren.

Netzhautablösung (Amotio retinae)

  • Eine Netzhautablösung ist ein Notfall, der umgehend in einem Krankenhaus behandelt werden muss, um die Sehkraft zu erhalten.
  • Eine Netzhautablösung kann ohne feststellbare Ursache oder als Folge einer Entzündung, Blutung, Gewalteinwirkung oder starker Kurzsichtigkeit auftreten.
  • Frühe Anzeichen können das Wahrnehmen von Lichtblitzen, Nebelschwaden oder Rußflocken sein.
  • Die Netzhautablösung zeigt sich durch einen scharf abgegrenzten Gesichtsfeldausfall, häufig in Form eines Vorhangs oder Schleiers.

Seltene Ursachen

Entzündung der Regenbogenhaut (Iridozyklitis)

  • Akute und manchmal wiederkehrende Entzündung der Iris, des Strahlenkörpers oder der Aderhaut mit ungeklärter Ursache.
  • Zu den Beschwerden zählen meist einseitige Schmerzen, die anfangs fehlen können, Augenrötung, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und ggf. verschwommenes Sehen.
  • Die Erkrankung bedarf einer schnellen augenärztlichen Behandlung.

Funktionelle Sehstörung

  • Kann bei Kindern und Erwachsenen auftreten.
  • Sehverlust, der auf eine Wahrnehmungsstörung, kognitive oder psychische Störung zurückzuführen ist und häufig durch ein schweres psychisches Trauma verursacht wird.
  • Die Beeinträchtigung des Sehvermögens ist meist vorübergehend.

Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis)

  • Betroffen sind überwiegend Frauen (3/4 der Patient*innen), das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 30 Jahren.
  • Die Optikusneuritis ist die Folge eines Autoimmunprozesses (Reaktion des Immunsystems, die sich gegen körpereigenes Gewebe richtet).
  • Das Sehvermögen verschlechtert sich innerhalb von Stunden bis Tagen. Zusätzlich treten Schmerzen oder unangenehme Gefühle bei Augenbewegungen und eine gestörte Farbwahrnehmung auf.
  • In der Regel normalisiert sich das Sehvermögen innerhalb der nächsten Tage, Wochen oder Monate wieder.
  • Etwa die Hälfte der Patient*innen ist an einer Multiplen Sklerose erkrankt.

Riesenzellenarteriitis

  • Gefäßentzündung in der Wand der großen Blutgefäße, insbesondere der Schläfenarterie, die vor allem im hohen Lebensalter auftritt.
  • Es kann zu einem plötzlichen Sehverlust oder einer zunehmenden Verschlechterung des Sehvermögens über mehrere Stunden kommen.
  • Begleitend treten Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich der Schläfen und Kopfhaut auf.
  • Einige Patient*innen leiden zusätzlich unter Schulterschmerzen, Morgensteifigkeit und einem allgemeinen Krankheitsgefühl.
  • Eine Behandlung im Krankenhaus ist erforderlich.

Entzündung des Augeninneren (Endophthalmitis)

  • Einseitige starke Schmerzen, Sehschärfenminderung, gerötetes Auge nach einer schweren Augenverletzung oder einer Augenoperation
  • Dies ist ein augenärztlicher Notfall!

Glaskörperblutung (Netzhautblutung)

  • Tritt meist als Folgeerkrankung einer diabetischen Retinopathie oder nach einer Augenprellung auf. Auch Patient*innen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, sind häufiger betroffen.
  • Anzeichen sind eine plötzlich getrübte Sicht, häufig mit rötlich verfärbten Bereichen.

Toxische Effekte

  • Methanolvergiftung
  • Arzneimittelnebenwirkungen

Nachtblindheit

  • Ausgeprägter oder vollständiger Sehverlust bei Nacht und in Dämmerlicht, der angeboren oder erworben ist.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Folgende Symptome gelten als Warnzeichen für das Vorliegen einer schwerwiegenden Erkrankung und sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden:

  • plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
  • Gesichtsfeldausfall
  • Sehen von Lichtblitzen und/oder dunklen, roten Flecken
  • Sehen von Farbringen
  • verschwommenes oder verzerrtes Sehen
  • ein- oder beidseitige Augenschmerzen
  • Schmerzen bei Augenbewegungen
  • unterschiedlich große Pupillen
  • die Kombination aus Sehverlust und weiteren Symptomen wie z. B. Schwindel, Augenzittern, starke Kopfschmerzen, Erbrechen
  • die Kombination aus Sehverlust und vorausgegangener Kopf- oder Augenverletzung
  • Zeichen eines Schlaganfalls, wie Schwindel, Verwirrtheit, Lähmungen und Sprechstörung

Eine allmähliche Verschlechterung des Sehvermögens ohne weitere Begleitsymptome sollte ebenfalls ärztlich untersucht werden, ist aber nicht als Notfall anzusehen.

Untersuchungen

In einem Anamnesegespräch wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt möglichst viele Informationen zu Ihrer Sehbeeinträchtigung erfragen. Dazu gehört, wo Sie den Sehverlust wahrnehmen (ein- oder beidseitig) und ob Sie weitere Symptome wie ein Flimmern, Lichtblitze, bewegliche Flecken oder einen Schleier wahrnehmen. Wichtig sind zudem Begleitsymptome wie Schmerzen, Fieber, Veränderungen der Haut etc. Auch Angaben zu einer kürzlich aufgetretenen Verletzung oder Gewalteinwirkung auf das Auge oder den Kopf sowie zu regelmäßig eingenommenen Medikamenten können hilfreich sein.

Manchmal können ergänzende Untersuchungen wie das Messen von Blutdruck und Blutzucker oder eine Blutuntersuchung notwendig sein. In der Hausarztpraxis ist nur eine oberflächliche Untersuchung Ihrer Augen möglich.

Jede neu aufgetretene Sehstörung soll deshalb umgehend augenärztlich abgeklärt werden. Besteht der Verdacht auf eine schwere Augenerkrankung oder einen Schlaganfall, ist eine rasche Einweisung in ein Krankenhaus notwendig.

Behandlung

Für die Behandlung von Sehstörungen und Sehverlust stehen Brillen und Kontaktlinsen, Medikamente und Operationen zur Verfügung. Welche Maßnahme zum Einsatz kommt, hängt von der auslösenden Ursache ab.

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