Sehnervenentzündung (Optikusneuritis)
Sehnervenentzündung (Optikusneuritis)
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Was ist eine Optikusneuritis?
Definition
Die Optikusneuritis ist eine Entzündung des Sehnervs. Dieser Nerv führt von der Netzhaut des Auges zum Gehirn und leitet die Signale, die das das Auge empfängt, weiter an das Gehirn, wo diese zu Bildern verarbeitet werden.
Bei der Entzündung werden meist die Myelinscheiden, also die elektrisch isolierenden äußeren Schichten der Nervenfasern, geschädigt. Man spricht daher auch von einer demyelinisierenden Entzündung, die die Funktion des Nervs einschränkt.
Symptome
Das typische Symptom ist eine Beeinträchtigung des Sehvermögens mit mäßigen Schmerzen hinter dem Augapfel, die beim Bewegen der Augen stärker werden. In 75 % der Fälle tritt die Erkrankung einseitig auf, es können jedoch auch beide Sehnerven betroffen sein. Die Sehstörungen können unterschiedliche Ausmaße bis zum Sehverlust reichen. An der Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt (blinder Fleck), kann sich ein Ödem bilden.
Weitere Zeichen einer Sehnervenentzündung können vermindertes Kontrastempfinden, (von Auge zu Auge) verändertes Farbsehen und teilweiser Gesichtsfeldausfall sein. Teilweise kann auch eine Regenbogenhautentzündung auftreten.
Die Symptome entwickeln sich meist im Laufe von Stunden bis wenigen Tagen. Auch die Wahrnehmung von Lichtblitzen kann Ausdruck der Erkrankung sein. Da eine Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) auftreten kann, sind weitere neurologische Symptome wie Missempfindungen oder Schwindel möglich.
Ursachen
Die Symptome einer Optikusneuritis entstehen aufgrund einer entzündlichen Schädigung des Sehnervs. Hier sind allerdings nicht Bakterien oder Viren die Ursache der Entzündung, in den meisten Fällen greifen stattdessen die körpereigenen Abwehrzellen im Rahmen einer sog. Autoimmunreaktion das eigene Gewebe an.
Eine Sehnervenentzündung kann ein Zeichen der Erkrankung Multiple Sklerose sein. Nicht selten ist es sogar das erste Symptom der Erkrankung. 60 % der Betroffenen mit Sehnervenentzündung leiden nach 40 Jahren an einer Multiplen Sklerose.
Andere Ursachen sind Reaktionen auf Giftstoffe wie Blei, Medikamentenmissbrauch und Erkrankungen wie Lupus erythematodes, Sarkoidose oder Borreliose.
Bei Kindern tritt die Erkrankung häufig in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Virusinfektion auf und betrifft dann oft beide Seiten. Das Sehvermögen erholt sich meist komplett. Das Risiko, nach der Episode eine MS zu entwickeln, ist bei Kindern deutlich geringer.
Häufigkeit
Die Sehnervenentzündung ist relativ selten und betrifft in Mitteleuropa etwa 5 von 100.000 Personen pro Jahr. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer (75 % aller Fälle). Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr auf.
Untersuchungen
- Die Diagnose wird bei der typischen Beschreibung einer zunehmenden Verschlechterung des Sehens, der Farbwahrnehmung und des Kontrastempfindens über Stunden bis Tage in Betracht gezogen.
- In der Untersuchung der Patient*innen zeigen sich zusätzlich zur eingeschränkten Sehfähigkeit oft eine gestörte Pupillenreaktion auf Licht und Schmerzen bei Augenbewegungen.
- Es erfolgt eine allgemeine körperliche Untersuchung, um Symptome wie Missempfindungen, Lähmungen, Schwindel, Herz-/Lungensymptome oder Fieber zu erkennen.
- Bei schweren oder anhaltenden Schmerzen über mehr als 2 Wochen oder anhaltendem oder fortschreitendem Verlust des Sehvermögens sollten weitere diagnostische Maßnahmen gesetzt werden.
- Eine augenärztliche Untersuchung erfolgt, um andere Krankheiten auszuschließen.
- Bei allen Betroffenen sollte im Krankenhaus eine MRT-Untersuchung des Gehirns und des Rückenmarks durchgeführt werden, um das Risiko für eine Multiple Sklerose abzuschätzen. Zusätzlich liegt so ein Ausgangsbefund vor, falls sich in Zukunft weitere Symptome entwickeln.
- Bei einem krankhaften MRT-Befund oder vorhandenen neurologischen Symptomen sind neurologische Zusatzuntersuchungen empfohlen.
- Um eine andere zugrunde liegende Erkrankung auszuschließen, können eine Lumbalpunktion zur Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit sowie verschiedene Bluttests notwendig sein.
- Für den Ausschluss anderer Erkrankungen oder die Verlaufskontrolle können sog. visuell evozierte Potenziale (VEP) gemessen werden. Dabei handelt es sich um Ausschläge im Elektroenzephalogramm (EEG) nach visueller Stimulation, die bei durchgemachter Optikusneuritis verzögert auftreten.
Behandlung
- Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung des Sehvermögens und die Verhinderung weiterer Schübe im Rahmen einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose.
- Wenn die Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose auftritt oder der Sehverlust stark ausgeprägt ist, sollten in der Akutsituation Kortikosteroide eingesetzt werden.
- Diese verkürzen nachweislich die Zeit bis zur Erholung der Sehfähigkeit, jedoch ohne Einfluss auf das funktionelle Endergebnis und auf das Auftreten einer Multiplen Sklerose.
- Die Behandlung einer Optikusneuritis, die im Rahmen eines MS-Schubs auftritt, erfolgt nach den Prinzipien der MS-Therapie.
- Auch Kinder und Jugendliche können medikamentös behandelt werden. Dies muss jedoch im Hinblick auf Nebenwirkungen gut abgewogen werden, da die Spontanheilungsrate höher ist.
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