Schnarchen

Schnarchen

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren

Was ist Schnarchen?

Definition

Als Schnarchen bezeichnet man atmungsabhängige akustische Phänomene während des Schlafs. Sie werden durch Vibrationen in den weichen Bereichen von Gaumen, Rachen oder Kehlkopf verursacht.

Dabei können Lautstärken von bis zu 90 Dezibel entstehen. Aber die Tonlagen und Unregelmäßigkeiten werden als besonders störend angesehen. Leichtes bis moderates Schnarchen hingegen gilt als normales Phänomen. Unter „gesundem” Schnarchen versteht man das gleichmäßige Atmen mit einem Ein- und Ausatmungsgeräusch, das den Schlaf nicht stört.

In den meisten Fällen wird das Schnarchen durch die Bettpartner*innen wahrgenommen. Die Betroffenen selbst merken oft nichts davon.

Symptome

Neben dem Schnarchen selbst kann es zu Schlafstörungen durch häufiges Erwachen und Mundtrockenheit kommen.

Ursachen

Während des Schlafs lässt der Muskeltonus in den oberen Atemwegen nach. Dies erhöht die Vibrationsbereitschaft des Weichgewebes und führt zur Verengung der oberen Luftwege. Daraus folgt:

  • Erhöhung der Atemflussgeschwindigkeit
  • Entstehung von Turbulenzen, die zu lokalen Druckschwankungen führen.
  • Vibrationen der Weichstrukturen an Engstellen des oberen Atemwegs

Meist entsteht Schnarchen im Bereich des oberen Gaumens, jedoch können Geräusche grundsätzlich an jeder Stelle von Rachen oder Kehlkopf entstehen.

Folgende Faktoren können Schnarchen begünstigen:

Zudem kann Schnarchen in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, z. B.:

Häufigkeit

Schnarchen gilt als sehr häufiges Phänomen und tritt allgemein bei Männern öfter als bei Frauen auf. Am häufigsten sind Personen im Alter von 45 bis 55 Jahren betroffen.

Untersuchungen

Schnarchen als Diagnose wird in der Regel nur gestellt, wenn

  • typische Schlafgeräusche (beim Einatmen) entstehen, die durch die Betroffenen oder Bettpartner*innen bemerkt werden.
  • dem Schnarchen keine ursächliche Schlafstörung zugrunde liegt (z. B. Schlafapnoe-Syndrom).
  • eine schlafmedizinische Untersuchung keinen Hinweis auf eine andere schlafbezogene Atemstörung ergibt.

In der Hausarztpraxis

Die Diagnose wird anhand der Symptome und durch eine Befragung der Betroffenen bzw. der Bettpartner*innen gestellt. Wichtige Punkte sind:

  • Schnarchen in sozial störendem Ausmaß
  • Trockener Rachen am Morgen
  • Erwachen in der Nacht durch das eigene Schnarchen
  • Häufigkeit im Zeitverlauf (jede Nacht, mit Unterbrechungen usw.)
  • Häufigkeit während der Nacht (ständig/mit Unterbrechungen, lageabhängig)
  • Schlafqualität (Erfragung mittels Fragebogen)
  • Auslösende oder verstärkende Faktoren (z. B. Rauchen, Alkoholkonsum, Schlaftabletten, Übergewicht, Entzündung der Nasenschleimhaut)
  • Art des Schnarchens (z. B. regelmäßig/unregelmäßig, beim Einatmen oder Ausatmen, Frequenz, Lautstärke, Geräuschcharakter)
  • Abgrenzung zum Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Dieses geht mit schlafbezogenen Atempausen, Tagesschläfrigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Leistungs- und Konzentrationsminderung am Tag einher.
  • Begleitende Erkrankungen: Erkrankungen von Herz oder Blutgefäßen (z. B. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall), Übergewicht oder Diabetes mellitus

Klinische Untersuchung

  • Klinische Untersuchung der Mundhöhle, des Rachens und der Zunge
  • Zustand der Zähne?
  • Kieferfehlstellungen?

Bei Spezialist*innen

In der Regel erfolgt die Überweisung an eine HNO-Praxis. Dort können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • HNO-ärztliche Untersuchung zum Ausschluss von Veränderungen der oberen Atemwege
  • Rhinoskopie (Nasenspiegelung) bei Nasenatmungsbehinderung
  • Funktionstests zur Beurteilung der Nasenluftpassage
  • Allergologische Tests (bei Verdacht auf allergische Rhinitis)
  • Laryngoskopie (Untersuchung des Kehlkopfes)
  • Medikamenteninduzierte Schlafendoskopie (Untersuchung während eines künstlich herbeigeführten Schlafs)
  • In Einzelfällen: bildgebende Verfahren (z. B. CT und MRT)

Zudem kann zum Ausschluss eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms eine Polygrafie (ambulante Messung während des Schlafs mit einem Leihgerät, bei der u. a. die Bewegung des Brustkorbs beim Atmen, die Sauerstoffsättigung, Schnarchgeräusche und die Lage der Person untersucht werden) sowie im Schlaflabor eine Polysomnografie erfolgen.

Behandlung

Allgemein wird Schnarchen nicht als Erkrankung mit medizinischer Gefährdung verstanden. Daher besteht in der Regel keine medizinische Notwendigkeit zur Behandlung, die meist nur auf Wunsch der Betroffenen erfolgt. Die Therapie umfasst folgende mögliche Ansätze:

  • Veränderung der Lage beim Schlafen, z. B. durch spezielle Kopfkissen, eine Rückenlageverhinderungsweste oder Lagesensoren
  • Nächtliche Verwendung einer Aufbissschiene oder Unterkieferprotrusionsschiene (Schiene aus weichem Kunststoff, die durch leichtes Vorziehen des Unterkiefers die Atemwege offener hält)
  • Bei Nasenatmungsbehinderung im Bereich der Nasenklappe: Therapie mit internen oder externen nasalen Dilatatoren (Nasenspreizer)
  • Übungen für Muskeln und Faszien im Mund- und Rachenbereich; ein positiver Effekt konnte bislang jedoch nicht wissenschaftlich belegt werden.

Operative Therapie

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, besteht die Möglichkeit einer Operation:

  • Nasenseptumplastik (Operation an der Nasenscheidewand) mit oder ohne Conchotomie (Verkleinerung der Nasenmuscheln)
  • Interstitielle Radiofrequenztherapie: Kann zu einer narbigen Versteifung an Weichgaumen, Gaumenmandeln und Zungengrund und so die lauten Atemgeräusche verringern.
  • Uvulopalatoplastik und Uvolopalatopharyngoplastik: Operationsverfahren, bei denen das Gaumenzäpfchen gekürzt (Uvulopalatoplastik) und der weiche Gaumen gestrafft wird.
  • Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln) und Adenektomie (Entfernung von vergrößerten Rachenmandeln) können in bestimmten Fällen sinnvoll sein.

Autorin

  • Nina Herrmann, Wissenschaftsjournalistin, Flensburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schnarchen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Schnarchen bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-068. Stand 2019. www.awmf.org
  2. Fietze I. Über guten und schlechten Schlaf. S. 135ff. Berlin: Kein & Aber, 2015.
  3. Chan CH, Wong BM, Tang JL, Ng DK. Gender difference in snoring and how it changes with age: systematic review and meta-regression. Sleep Breath, 2012 Dec;16(4):977-86. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Willatt D. The evidence for reducing inferior turbinates. Rhinology. 2009;47:227-236. PubMed
  5. Cazan D, Mehrmann U, Freuschle A, JT Maurer. Der Effekt eines Kissens zur Kopflageänderung auf das Schnarchen. Somnologie. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2014. www.oxycare-gmbh.de
  6. Hörmann K, Verse T: The surgical treatment of sleep-related upper airway obstruction. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(13): 216–21 www.aerzteblatt.de
Logo von Deximed

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.

Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.

In unserer Gesundheitsdatenbank suchen

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Wissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Stopp
Gesundheit
Wissen, wann genug ist

Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.


Zum Beitrag
Heuschnupfen
Gesundheit
Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen

Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.


Zum Beitrag
Frau mit Hitzewallung
Gesundheit
Sind das die Wechseljahre?

Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind


Zum Beitrag

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen zu den hausärztlichen Praxen?fragen@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Haben Sie Fragen zum Hausarztprogramm?hausarztprogramm@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Möchten Sie eine detaillierte Beratung zum Programm?Dann rufen Sie uns an.

Jetzt anrufen
TeamPraxisHausärtzinnen- und Hausärzteverband

TeamPraxis ist das Portal der hausärztlichen Praxen in Deutschland. Denn Gesundheit ist Teamsache.

Sie sind Ärzt*in und haben Interesse am Hausarztprogramm?
Informieren Sie sich unter www.hzv.de.