Reisedurchfall

Reisedurchfall

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Was ist Reisedurchfall?

Definition

Reisedurchfall (Reisediarrhö) ist eine akute Durchfallerkrankung, die bei Fernreisen auftritt.

Je nach Ausprägung unterteilt man die Erkrankung in unterschiedliche Schweregrade:

  • Mild: Tolerierbare Symptome, die geplante Aktivitäten nicht einschränken.
  • Moderat: Einschränkende Symptome, die geplante Aktivitäten verhindern.
  • Schwer: Schwerwiegende Symptome, die keinerlei Aktivitäten mehr zulassen, teilweise mit Anzeichen einer Darmentzündung (z. B. blutige Stühle).

Symptome

In der Regel äußert sich die Erkrankung in 4–5 breiig-weichen oder wässrigen Durchfällen am Tag. Meist treten die Beschwerden innerhalb der ersten Tage nach Ankunft im Reiseland auf.

Hinzu können folgende Begleitsymptome kommen:

  • Übelkeit (in ca. 50 % der Fälle)
  • Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe (in 60 % der Fälle)
  • Erbrechen (seltener)
  • Fieber (in ca. 10 % der Fälle)
  • Gelenkschmerzen

In der Regel verläuft die Reisediarrhö mild bis moderat und verschwindet nach etwa 1–7 Tagen von allein.

Allerdings sind auch schwere entzündliche Verläufe mit blutigem Durchfall und Fieber möglich. In der Folge kann es zu einem bedrohlichen Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung) kommen, der Kreislaufprobleme bis hin zu Nierenversagen verursachen kann.

Tritt der Durchfall im Rahmen einer Lebensmittelvergiftung auf, klingen die Symptome in der Regel innerhalb von 24 Stunden ab.

Ursachen

Reisedurchfall kann aufgrund von Infektionen mit Bakterien, Parasiten oder Viren sowie durch Giftstoffe ausgelöst werden. In den meisten Fällen ist die Ursache ein bakterieller Erreger, wobei etwa 40 % der Erkrankungen von enterotoxischen Escherichia coli (ETEC) verursacht werden.

  • Weitere bakterielle Erreger sind z. B. Shigellen, Salmonellen und Campylobacter.
  • Die am häufigsten festgestellten Viren sind Norovirus (häufig verantwortlich für Ausbrüche in Ferienlagern und auf Kreuzfahrtschiffen) und Rotavirus.
  • Parasiten kommen deutlich seltener vor, verursachen allerdings meist länger anhaltende Durchfälle. Häufige Erreger aus der Parasitenfamilie sind Giardia lamblia oder Kryptosporidien.
  • Insbesondere in Regionen mit unzureichenden Hygienestandards ist Hepatitis A weit verbreitet. Die Übertragung erfolgt über verunreinigte Nahrung (insbesondere Muscheln, Austern und Krebstiere) oder übers Trinkwasser.
  • In etwa 5 % der Fälle tritt der Reisedurchfall im Rahmen einer akuten Lebensmittelvergiftung (durch Bakterientoxine) auf.
  • Eine mögliche Ursache ist in entsprechenden Endemiegebieten die Erkrankung an Typhus oder Cholera.
  • Bei einem Langzeitaufenthalt kann eine tropische Sprue (seltene Erkrankung in tropischen Ländern, die mit einer verringerten Nährstoffaufnahme im Dünndarm einhergeht) der Auslöser sein.

Die häufigsten Ansteckungsquellen sind Wasser, Salate, rohes Gemüse, Saucen, rohe Meeresfrüchte, nichtpasteurisierte Milch, ungeschältes Obst, Eiswürfel aus verunreinigtem Wasser, eihaltige Speisen (z. B. Mayonnaise) sowie nicht ausreichend durchgegartes Fleisch.

Risikofaktoren

  • Unterschiedliche Hygienestandards zwischen dem Heimatland und dem Reiseland (z. B. in Bezug auf Trinkwasser, Nahrung und Möglichkeiten zum Händewaschen)
  • Einfache Reisebedingungen (z. B. Backpacking)
  • Nahrungsmittelhygiene vor Ort
  • Eingeschränkte oder verringerte Magensäureproduktion (z. B. durch Einnahme von Säureblockern/Protonenpumpenhemmern)
  • Immunschwäche

Häufigkeit

Reisedurchfall gilt als häufigste Infektionskrankheit bei Fernreisen. Abhängig vom Reiseland tritt die Erkrankung bei 20–70 % aller Reisenden auf, wobei rund 40 % der Betroffenen in der Folge ihre Reisepläne ändern müssen.

Die Ansteckungsgefahr hängt vom Reiseziel ab. Das höchste Risiko besteht in Regionen mit mangelhaften Hygienebedingungen. Generell tritt die Erkrankung häufiger in der warmen Jahreszeit oder in der Regenzeit auf.

Besonders betroffen sind Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit Immunschwäche.

Untersuchungen

Aufgrund der Symptome und Krankengeschichte ist die Diagnose in der Regel eindeutig. Die Untersuchungen umfassen die Beurteilung des Allgemeinzustands, die Feststellung des Dehydrierungsgrades und Temperaturmessung.

Weitere Untersuchungen sind normalerweise nicht erforderlich. Eine Stuhluntersuchung auf Bakterien und andere Krankheitserreger kann unter diesen Umständen hilfreich sein:

  • bei Fieber oder einem schlechten Allgemeinzustand
  • bei einer Krankheitsdauer von mehr als 1 Woche
  • bei Gruppenerkrankungen
  • bei Parasiten (Untersuchung von 2 Proben von unterschiedlichen Stuhlgängen)

Auch eine Blut- sowie Urinuntersuchung kann erforderlich sein. Eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgt in aller Regel bei Anzeichen einer schweren Dehydrierung oder einem stark beeinträchtigten Allgemeinzustand.

Behandlung

Bestimmte Verhaltensregeln (siehe Abschnitt Was können Sie selbst tun?) können helfen, einer Infektion vorzubeugen.

Wenn Durchfälle auftreten, ist es wichtig, den Flüssigkeits- und Salzhaushalt wieder auszugleichen und weiteren Komplikationen vorzubeugen.

Allgemeine Maßnahmen

  • Leichter Durchfall wird symptomatisch und durch Anpassung der Ernährung behandelt. Zunächst ist es wichtig, den Verlust von Flüssigkeit und Mineralien wieder auszugleichen.
  • Bei leichter Erkrankung reichen gesüßter Tee in Kombination mit Salzgebäck oder mit Zucker und Salz angereicherte verdünnte Fruchtsäfte aus, um den Flüssigkeitshaushalt wiederherzustellen (Rehydratation).
  • Das Rezept der „WHO-Trinklösung“ zur Rehydratation lautet: 1/2 Teelöffel Salz und 6 Teelöffel Zucker auf 1 Liter Wasser.
  • Als Nahrungsmittel eigenen sich in der Akutphase Reis, Brot, Kartoffeln oder Bananen.
  • In schweren Fällen von Dehydrierung oder bei fortgesetztem Erbrechen trotz entsprechender Therapie kann eine Infusionsbehandlung notwendig werden.

Behandlung der Beschwerden

  • Bei Betroffenen ab 12 Jahren mit starken Durchfällen (ohne Fieber oder blutigen Durchfall) können Motilitätshemmer gegen Durchfall eingesetzt werden: z. B. Loperamid.
  • Schmerzmittel und krampflösende Medikamente: z. B. Paracetamol, Metamizol (ab 10 Jahren) oder Butylscopolamin (ab 6 Jahren)
  • Bei Erbrechen: z. B. Domperidon zum Schlucken oder Dimenhydrinat als Zäpfchen

Antibiotikatherapie

Eine Behandlung mit Antibiotika kann angezeigt sein bei:

  • Durchfall mit Fieber
  • Blutigem Stuhl
  • Risikopatient*innen (z. B. Immunschwäche, schwere Vorerkrankung, hohes Alter)
  • Verdacht auf Amöben-Infektion bei schwerem Krankheitsbild
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