Typhus und Paratyphus
Typhus und Paratyphus
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Was ist Typhus bzw. Paratyphus?
Definition
Unter Typhus und Paratyphus versteht man akute Darminfektionen, die durch zwei bestimmte Bakterientypen der Gattung Salmonella verursacht werden: Salmonella Typhi und Salmonella Paratyphi. Bei beiden Erkrankungen handelt es sich folglich um Salmonellen-Infektionen (Salmonellosen). Im Gegensatz zur Salmonellen-Enteritis, die ebenfalls durch Salmonellen-Bakterien verursacht wird, haben Infektionen mit S. Typhi und S. Paratyphi einen schwereren Krankheitsverlauf.
Symptome
Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen bei einer Typhus-Infektion in der Regel 8–14 Tage, selten bis zu 3 Monate. Bei einer Paratyphus-Infektion dauert es rund 1–10 Tage, bis erste Symptome auftreten.
Typhus und Paratyphus verursachen ein sehr ähnliches Beschwerdebild, wobei Paratyphus meist milder verläuft. Beide Erkrankungen beginnen typischerweise mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leicht erhöhter Körpertemperatur.
Nach 2–3 Tagen tritt dann hohes Fieber um die 40 °C auf, das bis zu 3 Wochen anhalten kann. Damit einher gehen ein deutliches allgemeines Krankheitsgefühl, eine beginnende Schläfrigkeit sowie uncharakteristische Beschwerden im Bauchraum (Bauchschmerzen, Vergrößerung von Leber und Milz). Während es zu Beginn der Erkrankung häufig zu Verstopfungen kommt, treten im Verlauf erbsbreiartige Durchfälle auf.
In seltenen Fällen kommt es in der zweiten Krankheitswoche zu typischen hellroten, stecknadelkopfgroßen, nichtjuckenden Flecken auf der Haut, zumeist an der Bauchhaut. Sie werden als Roseolen bezeichnet.
Ursachen
Während andere Salmonellen-Bakterien auch Tiere befallen können, haben S. Typhi und S. Paratyphi ausschließlich den Menschen als Wirt.
Besonders relevant für die Verbreitung der Erkrankung sind erkrankte Personen, die keine Symptome entwickeln, jedoch trotzdem ansteckend sind, sowie sog. Dauerausscheider*innen: Patient*innen, die auch nach überstandener Infektion weiterhin infektiöse Keime über den Stuhl ausscheiden und somit andere Menschen infizieren können. Etwa 2–5 % der Infizierten werden zu Typhus- bzw. Paratyphus-Dauerausscheider*innen.
Zu den häufigsten Infektionswegen zählen:
- Mit Stuhl oder Urin verunreinigtes Wasser
- Kontaminierte Lebensmittel, die mit verunreinigtem Wasser gewaschen und roh verzehrt werden.
Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, spielt aber bei der Verbreitung der Erkrankung eine untergeordnete Rolle.
Häufigkeit
Infektionen mit S. Typhi und S. Paratyphi kommen weltweit vor, sind jedoch auf dem indischen Subkontinent, in Südostasien und im tropischen Afrika am weitesten verbreitet. 2019 gab es weltweit etwa 9,2 Mio. Typhus-Infektionen, von denen etwa 110.00 tödlich endeten. An Paratyphus erkranken jährlich etwa 5,5 Mio. Menschen.
In Deutschland erkranken weit überwiegend Reiserückkehrer*innen an Typhus und Paratyphus. Von 100.000 Reisenden infizieren sich rund 1–30 Personen mit Typhus, wobei das höchste Erkrankungsrisiko in Südostasien (Pakistan, Indien, Nepal, Bangladesch) besteht. Im Jahr 2022 wurden dem Robert Koch-Institut 46 Erkrankungen an Typhus und 22 an Paratyphus gemeldet.
Untersuchungen
Da Typhus und Paratyphus Beschwerden verursachen, die auch bei anderen Durchfallerkrankungen und fieberhaften Infektionen (z. B. Malaria) auftreten können, spielt bei der Diagnosestellung insbesondere die Erfragung bekannter Risikofaktoren (Reise in Risikogebiete, Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel oder Wasser) eine entscheidende Rolle.
Fallen bei der körperlichen Untersuchung zudem die oben beschriebenen krankheitstypischen Symptome auf, werden in der Regel weiterführende Laboruntersuchungen veranlasst. Die Erreger können dabei in verschiedenen Körperflüssigkeiten (u. a. in Blut, Urin und Stuhl) nachgewiesen werden. Zudem können Entzündungszeichen im Blut Hinweise auf eine Infektion geben.
Bei Verdacht oder Nachweis der Erkrankung sollte ein Infektiologie- bzw. Tropeninstitut zu Rate gezogen werden. Eine Einweisung in eine Klinik ist üblicherweise bei schweren Verläufen mit Verdacht auf Komplikationen und bei erkrankten Kindern notwendig.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die krankheitsauslösenden Typhus- bzw. Paratyphus-Erreger zu beseitigen. Hierfür ist eine frühzeitige Gabe von Antibiotika entscheidend, um mögliche Komplikationen zu verhindern. Je nach Reiseland, in dem sich Patient*innen infiziert haben, kommen unterschiedliche Antibiotika zum Einsatz, da die Bakterien S. Typhi und S. Paratyphi in gewissen Gebieten bereits Widerstandsfähigkeiten gegen bestimmte Wirkstoffe entwickelt haben.
Zusätzlich zur Antibiotikatherapie kommen fiebersenkende Mittel zum Einsatz. Besonders wichtig ist es auch, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Autorin
- Lisa Huber, Cand. med., München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Typhus und Paratyphus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epidemiologisches Bulletin 14/2024. www.rki.de
- Robert Koch-Institut. Typhus abdominalis, Paratyphus. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2008. Letzte Aktualisierung November 2019. www.rki.de
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 021-024, Stand 2023. register.awmf.org
- Schwartz E. Thyphoid fever. BMJ Best Practice, Last updated: 12 Apr 2024, Zugriff 13.6.2024 bestpractice.bmj.com
- BfArM. Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18. www.bfarm.de
- Milligan R, Paul M, Richardson M, Neuberger A. Vaccines for preventing typhoid fever. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 5: CD001261. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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