Komplikationen von Piercings
Komplikationen von Piercings
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Allgemeine Informationen
Piercings sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden: Fast jede 10. Person ist gepierct. Allerdings können Piercings ungewollte Folgen haben. Die häufigste Komplikation sind Infektionen durch Bakterien und andere Erreger.
Risikofaktoren
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Erhöhtes Blutungsrisiko
- Bauchnabelpiercings
- Piercings der Brustwarze in der Stillzeit
- Diabetes, der nicht optimal mit Medikamenten behandelt wird.
- Angeborene Herzerkrankungen
Komplikationen
Infektionen
Die häufigste Komplikation ist eine Infektion der Haut bzw. des Knorpels um das Piercing herum (lokale Infektion). Beim Erreger handelt es sich meist um Bakterien. Zu Infektionen kommt es besonders häufig nach Piercings am Ohr bzw. Ohrknorpel und am Bauchnabel. Eine große Rolle spielt eine mangelnde Hygiene beim Stechen des Piercings. In seltenen Fällen können sich die auslösenden Erreger im Körper ausbreiten. Dann kommt es manchmal zu einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, an einer Hepatitis B oder Hepatitis C (Leberentzündung durch Viren) zu erkranken.
Verletzungsgefahr
Zudem führen Piercings zu einer Verletzungsgefahr durch Hängenbleiben. Nehmen Sie Ihr Piercing in entsprechenden Situationen heraus oder kleben Sie es ab. Das gilt beispielsweise, wenn Sie Kontaktsport treiben.
Weitere Komplikationen
- (Teilweiser) Ausriss des Schmuckstücks: konservative Behandlung, ggf. chirurgische Wundbehandlung
- Verrutschen des Schmuckstücks in den Stichkanal: Bergungsversuch (dabei vorsichtig drehen), ggf. chirurgische Entfernung unter örtlicher Betäubung
Komplikationen nach Körperbereich
Piercing der Lippen, Wangen und der Zunge
- Schwellung durch Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödem)
- Nach dem Stechen eines Zungenpiercings entsteht oft ein ausgeprägtes Ödem.
- Daher wird in der ersten Zeit ein längerer Stift für die Zunge empfohlen.
- Verletzung von Blutgefäßen
- Blutung
- Bluterguss (Hämatom)
- Verlegung der Atemwege
- seltene, aber schwere Komplikation
- hervorgerufen durch eine Verletzung, eine geschwollene Zunge oder durch den Schmuck selbst
- Infektion
- Infektion durch Bakterien, begrenzt auf den Bereich um das Piercing herum
- Nach dem Stechen sollte der Bereich vorbeugend desinfiziert werden.
- Selten sammelt sich Eiter an (Mundbodenabszess). Er wird mit Antibiotika behandelt, ggf. wird ein dünner Schlauch eingelegt (Drainage).
- Zahnschäden
- häufige Komplikation bei Zungenpiercings
- Ein kürzerer Stift kann das Risiko senken.
- Der Schmuck kann sich außerdem zwischen den Zähnen verfangen.
Ohrpiercing
Leichtere Infektionen treten bei Ohrpiercings in rund 3/4 der Fälle auf. Allergische Reaktionen treten in etwa 40 % der Fälle auf.
- Infektionen
- Ohrläppchen: Oberflächliche Infektionen des Ohrläppchens verlaufen meist mild. Sie lassen sich gut behandeln, z. B. mit einer jodhaltigen Lösung. Je nach Stärke der Entzündung sollte der Schmuck möglicherweise entfernt werden.
- Ohrknorpel: Piercings durch den Knorpel im oberen Bereich der Ohrmuschel heilen eher schlechter. In den ersten Monaten nach dem Stechen kann es zu komplizierten Infektionen kommen, besonders in den Sommermonaten. Die Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt. Bei einem Abszess kann ein kleiner Einschnitt nötig sein, teilweise auch eine operative Behandlung.
- Risikofaktoren: atopische Dermatitis (Neurodermitis), Kontaktallergie gegenüber Metall
- Nichtinfektiöse Komplikationen
- hypertrophe Narben (Verdickung) und Keloide (häufig am Ohrläppchen)
- (Allergische) Reaktion der Haut (Kontaktdermatitis): Eine häufige Ursache ist eine Überempfindlichkeit gegenüber Nickel.
- starke Schwellung und Entzündung
- eingewachsener Ohrring
- Verletzung: Relativ häufige Komplikation (z. B. durch Stürze, Unfälle, Kontaktsport, unabsichtliches Ziehen). Die Wunde sollte gereinigt werden, und sie sollte innerhalb von 12–24 Stunden chirurgisch versorgt werden. Wenn sich das Loch schließt, kann nach 3 Monaten ein neues Loch gestochen werden (in einem nicht vernarbten Bereich).
- Druckgeschwür durch Schlafen mit Ohrschmuck
Nasenpiercing
Das Loch für ein Nasenpiercing kann entweder durch die Nasenflügel oder durch das knorpelige Septum (untere Nasenscheidewand) gestochen werden. Hierbei kann es zu folgenden Komplikationen kommen:
- Blutung
- Bluterguss
- Entzündungen der Knorpelhaut (Perichondritis) und Gewebeschäden können zu kosmetischen Defekten führen.
- Infektionen können eine intensive Antibiotikatherapie nötig machen.
- Verletzung oder Riss
- Eingewachsenes Piercing
Bauchnabelpiercing
- Oft Infektion nach dem Einstich durch unzureichende Reinigung
- Oft verzögerte Heilung und erhöhtes Infektionsrisiko (aufgrund von Reibung durch Kleidung und eng sitzende Gürtel)
- Der Schmuck sollte korrekt positioniert werden und nicht starr befestigt werden.
- Oberflächliche Bauchnabelpiercings neigen dazu, in Richtung der Hautoberfläche zu wandern.
Piercing der Brustwarzen
- Die Heilung dauert oft sehr lange.
- Infektionen und Abszesse (auch längere Zeit nach dem Stechen)
- Das Piercen kann den Milchfluss beeinträchtigen (z. B. Blockierung durch Narbengewebe).
- Es wird empfohlen, das Piercing in der Stillzeit abzulegen.
Intimpiercing
- Bei Männern
- Piercing durch die Eichel: Beeinträchtigung des Harnflusses
- Piercings durch die Eichel und die Harnröhre: Notfall durch eine akute Abschnürung der Eichel (Paraphimose)
- Bei Frauen
- Infektionen
- Blutungen
- allergische Reaktion
- Narben, Keloide (übermäßiges Wachstum von Narbengewebe)
- Beim Geschlechtsverkehr können Intimpiercings die Funktion von Verhütungsmitteln beeinträchtigen. Ein Kondom kann reißen. Ein Diaphragma (Pessar) kann sich verschieben.
Behandlung
Infektionen
- Behandlung bei lokalen Infektionen
- warme Umschläge
- antibakterielle Seife
- Abtupfen mit einem Antiseptikum
- Manchmal ist ein Antibiotikum nötig.
- Behandlung bei schwereren Infektionen
- Cremes mit Wirkstoffen gegen Bakterien
- Eine Eiteransammlung (Abszess) muss ggf. durch einen kleinen Schnitt abgeleitet werden (Drainage).
- Infektionen, die sich im Körper ausbreiten, erfordern in der Regel eine Antibiotikabehandlung.
- Austausch des Piercings bei Infektionen
- Bei unkomplizierter, lokaler Infektion in der Regel nicht nötig. Das Piercing kann kurz zur Desinfektion entnommen werden.
- Bei einem Abszess oder einer Ausbreitung im Körper muss das Schmuckstück entnommen werden.
- Der Piercingkanal kann in diesem Fall durch eine Schlaufe mit einem chirurgischen Faden offengehalten werden. Das kann auch sinnvoll sein, damit Eiter und Wundsekrete ablaufen können.
Allergien
Die meisten Piercings bestehen aus Metall. Einige enthalten auch Nickel. Manche Personen reagieren allergisch auf Nickel. Wenn Sie eine allergische Reaktion entwickeln, sollte das Schmuckstück entfernt werden. Zur Behandlung kann eine kortisonhaltige Salbe aufgetragen werden. Wenn zusätzlich eine Infektion auftritt, werden außerdem Antibiotika angewendet. Zur Vorbeugung sollte am besten ein Allergietest durchgeführt werden, bevor Sie sich ein Piercing stechen lassen, und in jedem Fall ein nickelfreies Schmuckstück gewählt werden.
Narben und Keloide
Piercings können zu Narben führen. Bei der Narbenbildung kann es zu vermehrtem Gewebewachstum kommen. Diese hypertrophen Narben bilden sich häufig am Ohrläppchen. Manchmal schießt das Gewebewachstum geradezu über (Keloid). Solche Keloide werden oft als ästhetisches Problem wahrgenommen. Sie können auch zu Juckreiz und Schmerzen führen.
Zur Behandlung wird z. B. ein kortisonhaltiges Medikament in das Gewebe gespritzt. Weitere Möglichkeiten sind Silikonverbände, eine Kompressionstherapie, Strahlen- und Lasertherapie und eine chirurgische Entfernung.
Ödeme und Blutergüsse
Nach dem ersten Stechen des Piercings kann sich Flüssigkeit im Gewebe sammeln, sodass der betroffene Bereich anschwellen kann (Ödem). Auch ein Bluterguss (Hämatom) ist möglich. Zur Behandlung können Sie den betroffenen Bereich kühlen und ggf. das Schmuckstück entfernen. Es kann vorsichtig Druck mit einem Druckverband ausgeübt werden.
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Piercing, Komplikationen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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