Nierenarterienstenose
Nierenarterienstenose
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Was ist eine Nierenarterienstenose?
Definition
Die Nieren erhalten ihr Blut aus der Hauptschlagader (Aorta) über ein jeweils eigenes Blutgefäß, die sogenannten Nierenarterien. Bei der Nierenarterienstenose (griechisch stenosis für Verengung) liegt aus unterschiedlichen Gründen eine Engstelle in einer Nierenarterie oder seltener in beiden Nierenarterien vor. Ab einem gewissen Stenosegrad setzt die Niere Hormone frei, die den Blutdruck erhöhen. Kurzfristig verbessert die Niere dadurch ihre Durchblutungssituation. Sie verursacht aber gleichzeitig einen Kollateralschaden am restlichen Kreislaufsystem, denn dort steigt der Blutdruck ebenfalls dauerhaft an. Das schadet langfristig den Blutgefäßen und Organen wie dem Herzen und dem Gehirn. Zudem kann die durch die verengte Nierenarterie beeinträchtigte Durchblutung der Niere zu einer chronischen Nierenschwäche führen.
Symptome
In der Regel ist der Blutdruck erhöht.
Es bestehen Hinweise auf eine Nierenarterienstenose bei
- erstmaligem Auftreten eines Bluthochdrucks (Hypertonie) bei Personen nach dem 55. Lebensjahr
- rapider Verschlechterung eines Bluthochdrucks
- Einem Bluthochdruck, der mit drei blutdrucksenkenden Medikamenten nicht unter Kontrolle gebracht werden kann.
- plötzlichem Lungenödem oder schlecht behandelbarer Herzschwäche
- Kreatininanstieg > 0,3 mg pro Tag nach Therapiebeginn mit einem RAAS-Hemmer
- Bluthochdruck bei verkleinerter Niere
- unklarer Nierenkrankheit
- Strömungsgeräusch beim Abhören im Bauchraum.
Ursachen
Viele Menschen haben verengte Nierenarterien, ohne dass sie Symptome zeigen oder eine Behandlung benötigen. Erst ab einem Verengungsgrad von 60–70 %, wenn also der Durchmesser des Gefäßes um mehr als die Hälfte reduziert ist, setzt die Niere einen Prozess in Gang, der in einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck mündet.
Für die Engstelle in einer oder beiden Nierenarterien sind hauptsächlich zwei verschiedene Ursachen verantwortlich. Die häufigere Ursache, die rund 90 % aller Fälle ausmacht, sind arteriosklerotische Gefäßwandablagerungen. Meist ist nur eine der beiden Nierenarterien verengt. Bei 23–54 % der Betroffenen liegt die Verengung auf beiden Seiten vor. Betroffen sind vornehmlich ältere Menschen mit Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und langjährigem Bluthochdruck. Es handelt sich um dieselbe Art Gefäßwandablagerungen, die zu Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit (KHK) und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) führen.
Bei weniger als 10 % der Patient*innen ist die Ursache eine Fehlbildung der Gefäßwand (sog. fibromuskuläre Dysplasie). Wie es zu dieser Veränderung der Nierenarterien kommt, ist bislang unbekannt. Doch man geht davon aus, dass Rauchen, Gefäßwandveränderungen, hormonelle und erbliche Faktoren zur Krankheitsentstehung beitragen.
In seltenen Fällen wird die Nierenarterienstenose durch andere Erkrankungen verursacht, z. B. Tumore, Zysten, chronische Gefäßentzündungen (Vaskulitis) oder andere Veränderungen der Nierenarterien.
Häufigkeit
- Die Häufigkeit der Nierenarterienstenose aufgrund von Gefäßverkalkung ist nicht bekannt. Sie kommt mit zunehmendem Alter häufiger vor. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
- Ca. 3 % der Bevölkerung sind von einer fibromuskulären Dysplasie betroffen. Die Erkrankung tritt vorwiegend bei Frauen unter 50 Jahren auf.
Untersuchungen
- Bei Hinweisen auf eine Nierenarterienstenose (s. o.) folgen eine körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen, eine Langzeitblutdruckmessung sowie bildgebende Untersuchungen.
- Ein Teil der Diagnostik kann in der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Besteht der Verdacht auf eine Nierenarterienstenose, werden Sie zur Nephrologie überwiesen.
- Bei der körperlichen Untersuchung fällt manchmal beim Abhören des Bauches mit dem Stethoskop ein Strömungsgeräusch auf. Es rührt direkt von der Engstelle in der Nierenarterie oder den Nierenarterien her.
- In einer Blutuntersuchung werden die Nierenwerte (eGFR) bestimmt. Zudem wird der Urin untersucht.
- Das wichtigste bildgebende Verfahren ist die Ultraschalluntersuchung (sog. Doppler-Ultraschall).
- Weitere Alternativen zur Beurteilung der Durchblutung der Nierenarterien sind u. a. Magnetresonanz-Angiografie (MRA) und computertomografische Angiografie (CTA).
Behandlung
- Eine Nierenarterienstenose, die Symptome wie Bluthochdruck und Nierenschwäche verursacht, ist behandlungsbedürftig.
- Ziele sind Senkung des Blutdrucks, Vorbeugung von Komplikationen, die mit einem langjährigen Bluthochdruck einhergehen können, sowie die Vermeidung schwerer Nierenschäden.
- Welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, ob die Verengung durch eine fibromuskuläre Dysplasie oder durch Arteriosklerose bedingt ist.
Medikamente
- Mittel der ersten Wahl bei einer Nierenarterienstenose sind blutdrucksenkende Medikamente.
- Patient*innen mit Arteriosklerose werden zusätzlich Cholesterinsenker sowie Medikamente zur Vorbeugung von Blutgerinnseln empfohlen. Die medikamentöse Therapie kann zwar nicht die Verengung beseitigen, aber das Risiko für ernste Folgeerkrankungen verringern.
Revaskularisation
- Patient*innen, deren Erkrankungsursache eine fibromuskuläre Dysplasie darstellt, wird ein minimalinvasiver Eingriff zur Beseitigung der Engstelle(n) empfohlen (perkutane transluminale Angioplastie, kurz PTA).
- Bei dieser Methode wird ein dünner Schlauch durch die Haut in die Oberschenkelarterie eingeführt und von dort in die Nierenarterie vorgeschoben, wo die Engstelle von innen aufgeweitet werden kann.
- In bestimmten Fällen wird auch bei der arteriosklerotischen Form der Nierenarterienstenose zur PTA geraten. Dann wird häufig ein kleines Röhrchen (ein sog. Stent) ins Gefäß eingesetzt, um es offen zu halten.
- In Einzelfällen sind größere operative Eingriffe nötig.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nierenarterienstenose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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