Mastozytose
Mastozytose
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine Mastozytose?
Definition
Mastzellen sind Zellen des Immunsystems. Die Mastozytose umfasst eine Gruppe seltener Erkrankungen, bei denen sich krankhafte Mastzellen in großer Zahl bilden und ansammeln. Bei den Betroffenen besteht eine erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie).
Es gibt drei Hauptgruppen der Mastozytose:
Systemische Mastozytose
Dies ist die häufigste Gruppe. Dabei ist ein ganzes Organsystem oder der gesamte Körper betroffen. Eine systemische Mastozytose ist häufig indolent, also schmerzlos, manchmal auch schwelend („smouldering”). Sie kann sich aber auch zu einer fortgeschrittenen („advanced”) Form weiterentwickeln. Außerdem kann sie sich in erster Linie auf das Knochenmark beschränken oder mit einer weiteren krankhaften Zellbildung (Neoplasie) des Knochenmarks einhergehen. Auch eine Mastzellleukämie (bösartige Erkrankung des Knochenmarks) ist bekannt.
Kutane Mastozytose
Hier ist die Haut betroffen. Meistens erkranken Kinder an diesen Formen. Es gibt beispielsweise die Urticaria pigmentosa, die wiederum zwei Untergruppen hat. Es gibt außerdem sowohl ein isoliertes Mastozytom, das sich auf ein Hautgebiet beschränkt, als auch ein multilokalisiertes Mastozytom an mehreren Hautbereichen. Auch eine diffuse kutane Mastozytose kommt vor.
Mastzellsarkom
Diese Form ist sehr selten. Unter einem Sarkom versteht man eine bösartige Tumorerkrankung des Binde- und Stützgewebes.
Symptome
Das Erscheinungsbild ist sehr vielfältig. Viele Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen auftreten und lassen nicht gleich auf eine Mastozytose schließen. Eine Mastozytose der Haut tritt meist bei Kindern auf. Innere Organe sind eher bei Erwachsenen betroffen. Die Haut ist dann möglicherweise zusätzlich erkrankt. Auffällig ist, dass etwa die Hälfte der Erwachsenen schon einmal eine anaphylaktische Reaktion erlitten hat. Außerdem besteht bei bis zu 30 % eine Osteoporose (Knochenschwäche).
Die indolente systemische Mastozytose (ISM) zeigt sich meistens mit Hautveränderungen.
- Haut: Juckreiz, plötzliche Hautrötung (Flush), Urtikaria, Hautausschlag (Exanthem)
- Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Nahrungsmittelunverträglichkeit besonders gegen histaminhaltige Nahrungsmittel
- Atemwege: Schwellung von Nasen-Rachen-Raum und Kehlkopf, Atemnot
- Herz/Kreislauf: Schwindel, Herzklopfen, Herzrasen, Ohnmacht, Kreislaufschock bei schwerer Anaphylaxie (v. a. nach Bienen- und Wespenstichen)
- Nervensystem: Konzentrationsstörungen, Depression, Kopfschmerzen
- Knochen: Knochenschmerzen, Osteoporose (Knochenbrüche v. a. an der Wirbelsäule)
Die fortgeschrittene systemische Mastozytose (AdvSM) führt nicht ganz so häufig zu Symptomen auf der Haut, sondern beeinträchtigt eher die inneren Organe:
- Knochenmark: verminderte Blutzellbildung (Anämie, Thrombopenie, Neutropenie)
- Milz/Leber: vergrößerte Milz bzw. Leber
- Magen-Darm-Trakt: Malabsorption, Gewichtsverlust, Geschwür im Magen (Ulcus ventriculi) oder Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni)
- Lymphknotenschwellung (Lymphadenopathie)
- Knochen: Osteosklerose (Krankhafte Substanzbildung in Knochen)
Ursachen
Mastzellen sind wichtige Zellen des Immunsystems und kommen fast überall im Körper vor. Sie helfen bei der Abwehr von Krankheitserregern. Außerdem setzen sie allergische Reaktionen in Gang, indem sie Histamin, Leukotriene und andere Substanzen abgeben. Besonders stark vertreten sind sie dicht unter der Körperoberfläche sowie in der Umgebung von Blutgefäßen und Nerven. Sie entstehen aus Stammzellen im Knochenmark.
Jede Mastzelle hat Tyrosinkinase-Rezeptoren (KIT) auf ihrer Außenseite, die durch Botenstoffe stimuliert werden können. Die Rezeptoren regen die Zelle dazu an, sich zu einer Unterform weiterzuentwickeln, die von dem Gewebe abhängt, in dem die Zelle sich befindet. Bei einer Mastozytose liegt eine Veränderung im Erbgut vor, und zwar in dem Abschnitt, der die Bildung der Tyrosinkinase-Rezeptoren bestimmt. Eine solche Mutation lässt sich bei mehr als 90 % der betroffenen Erwachsenen nachweisen. Die Mutation führt dazu, dass aus einer einzigen Stammzelle zahlreiche Mastzellen entstehen, die darüber hinaus unreif, aber daueraktiv sind. Viele Mechanismen können die Mastzellen aktivieren:
- Allergene
- Hitze, Kälte, Druck, UV-Strahlung
- Infektionen
- Emotionaler Stress
- Alkohol
- Medikamente (gängige Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Kontrastmittel, Codein, Morphin)
Häufigkeit
Die Mastozytose ist selten. Etwa 1 von 10.000 Menschen ist betroffen. Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr (Inzidenz) liegt bei 1:100.000. In ungefähr 60 % der Fälle sind Kinder betroffen. Sie erkranken überwiegend an der kutanen Mastozytose. Bei Erwachsenen zeigt sich die Erkrankung eher als systemische Mastozytose.
Untersuchungen
Um die Diagnose einer systemischen Mastozytose zu stellen, benötigt man den Nachweis von Mastzellenansammlungen in einer Gewebeprobe (Biopsie). Weitere wichtige Hinweise sind eine KIT-Gen-Mutation und ein erhöhter Tryptase-Spiegel im Blut.
In der Hausarztpraxis
Oft dauert es eine längere Zeit, bis Betroffene eine Diagnose erhalten. Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Beschwerden beim Arztgespräch möglichst genau beschreiben. Falls Sie schon einmal eine ungeklärte anaphylaktische Reaktion erlebt haben, sollten Sie dies unbedingt sagen. Zusätzlich gibt es in der Praxis folgende Möglichkeiten:
- Wenn man mit dem Finger über das Exanthem (Ausschlag) kratzt und sich danach Quaddeln oder Rötungen bilden, dann ist das ein Zeichen für eine Mastozytose (Darier-Zeichen).
- Es wird eine Blutentnahme gemacht, um den Tryptase-Spiegel im Blut zu messen.
- Eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane erlaubt Rückschlüsse auf eine Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) oder der Leber (Hepatomegalie).
- Bei Verdacht erhalten Sie eine Überweisung, z. B. an ein spezialisiertes Mastozytose-Zentrum.
Bei Spezialist*innen
- Nach einer weiteren Blutentnahme ist der Nachweis einer KIT-Mutation mittels PCR möglich. In Kombination mit einem erhöhten Tryptase-Spiegel spricht dies mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Mastozytose.
- Eine Knochenmarksbiopsie wird bei Verdacht auf systemische Mastozytose durchgeführt. So kann man die einzelnen Zellen (Zytologie) und die Gewebestruktur (Histologie) im Knochenmark untersuchen.
- Mit einer Hautbiopsie kann man eine Vermehrung der Mastzellen in der Haut nachweisen.
- Durch eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) untersucht man, ob eine Osteoporose vorliegt.
- Abhängig von Ihren Beschwerden werden Sie weiter untersucht, beispielsweise auf Allergien oder mit einer Magenspiegelung.
Behandlung
Medikamente
- Folgende Wirkstoffe sind die Basis der medikamentösen Behandlung:
- Antihistaminika wie Cetirizin und Loratadin
- Bisphosphonate bei ausgeprägter Osteopenie (Vorstufe der Osteoporose) bzw. Osteoporose
- Vitamin D bei Vitamin-D-Mangel
- Erweiterte Basistherapie
- Mastzellenstabilisatoren (Cromoglicinsäure)
- Leukotrien-Hemmer (Montelukast)
- Kortikosteroide („Kortison”; möglichst vorübergehend)
- Antikörper gegen Immunglobuline (IgE), die bei Allergien eine Rolle spielen (Omalizumab).
- Medikamente zur Verringerung der Zellanzahl (Zytoreduktion) bei fortgeschrittener systemischer Mastozytose
- KIT-Hemmer (Avapritinib)
- unspezifischer Tyrosinkinasehemmer (Midostaurin)
Stammzelltransplantation
Medikamente reichen in vielen Fällen aus – sie beheben aber nicht die Ursache der Erkrankung. Eine tatsächliche Heilung ist nur durch eine Stammzelltransplantation möglich. Falls Sie schwer erkrankt sind, können Sie Stammzellen aus dem Knochenmark eines passenden gesunden Spenders erhalten (allogene Stammzelltransplantation).
Selbsthilfeorganisation
- Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen ACHSE
Quelle
- Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Gemeinsames Institut von BÄK und KBV – Patienten-Information.de
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag