Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulkuskrankheit)
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulkuskrankheit)
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Was ist eine Ulkuskrankheit?
Definition
Ein Geschwür (Ulkus) ist ein Defekt der Schleimhaut im Bereich von Magen oder Zwölffingerdarm. Solche Geschwüre entstehen, wenn die Magenschleimhaut durch die vermehrte Bildung von Magensäure angegriffen ist, z. B. bei einer Magenschleimhautentzündung. Häufig besteht eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
Symptome
Typische Beschwerden sind Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Blähungen.
Schmerzen sofort nach einer Mahlzeit oder unabhängig davon weisen auf ein Magengeschwür hin. Beim Zwölffingerdarmgeschwür treten die Beschwerden eher bei leerem Magen auf und nehmen nach dem Essen ab.
Komplikationen einer Ulkuskrankheit sind Blutungen, die umgehend behandelt werden sollten.
Ursachen
Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori und die Einnahme von Schmerzmitteln wie z. B. Ibuprofen, Diclofenac, ASS sind häufige Ursachen. Seltener sind entzündliche Erkrankungen oder Infektionen die Ursache.
Rauchen, Stress oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, die bereits in der Familie aufgetreten sind, sind Risikofaktoren.
Häufigkeit
- Etwa 5–10 % der Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Ulkuskrankheit.
- Eine Infektion mit Helicobacter pylori liegt bei ca. 90 % der Patient*innen mit Zwölffingerdarmgeschwür und bei ca. 70 % der Patient*innen mit Magengeschwür vor.
- Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sind häufiger betroffen.
Untersuchungen
Wenn der Verdacht auf ein Geschwür besteht, tastet die Ärztin oder der Arzt zunächst den Bauch ab. Oft lassen sich bei der körperlichen Untersuchung keine besonderen Auffälligkeiten feststellen.
Sicher kann die Diagnose nur durch eine Spiegelung von Magen und Zwölffingerdarm gestellt werden (Gastroskopie). Dabei wird die Schleimhaut inspiziert, und es können Gewebeproben entnommen werden.
Zum Nachweis einer Helicobacter-pylori-Infektion stehen verschiedene Tests zur Verfügung. Möglich sind ein Atemtest oder aber der Nachweis von Bakterien im Stuhl. Die sicherste Methode ist jedoch eine endoskopische Untersuchung des Magens (Gastroskopie), bei der Gewebeproben entnommen und weiter untersucht werden.
Behandlung
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre werden mit sog. Protonenpumpenhemmern behandelt, die die Bildung von Magensäure hemmen und deshalb auch „Säurehemmer“ genannt werden. Die Medikamente werden über 4 bis 8 Wochen eingenommen.
Falls eine Helicobacter-pylori-Infektion die Ursache ist, besteht die Behandlung aus Antibiotika. Zusätzlich werden Säurehemmer verordnet, damit die Schleimhaut heilen kann.
Wurde die Ulkuskrankheit durch Schmerzmittel ausgelöst, ist es möglicherweise sinnvoll, diese abzusetzen oder eine magenverträglichere Alternative auszuwählen.
Kommt es zu einer Blutung, wird das Geschwür mit einem minimalinvasiven Eingriff (Endoskopie) behandelt. In einigen Fällen ist eine offene Operation nötig.
Autorinnen
- Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin
- Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ulkuskrankheit (Magen- und Duodenalgeschwüre). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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