Kompressionstherapie und Wundversorgung

Kompressionstherapie und Wundversorgung

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Allgemeine Informationen zur Kompressionstherapie

  • Sog. venöse Beingeschwüre können auftreten, wenn das Blut nur schwer aus den Beinen zum Herzen zurückgepumpt werden kann. Die Beine können dann anschwellen, die Haut wird verletzlich, sodass es leichter zu Wundbildungen kommt. Bei einer schlechteren Durchblutung ist auch die Wundheilung beeinträchtigt.
  • Die Kompression unterstützt den Transport des venösen Bluts aus den Unterschenkeln, sodass die Schwellung schneller zurückgeht.
  • Bewegung regt die Durchblutung an, Spaziergänge und Fußgymnastik sind also sehr vorteilhaft.
  • Um die Schwellung des Beins zu reduzieren, können Sie das Bein auf einem Hocker hochlagern.
  • Im Anschluss an die Kompressionstherapie sollten Sie Kompressionsstrümpfe tragen, um Rückfällen vorzubeugen.

Kompression als Dauerverband

  • Heutzutage kommt meist eine Dauerkompression im Mehrlagensystem zum Einsatz.
  • Zum Schutz der Haut wird zunächst ein nicht komprimierender Innenverband aus Baumwolle angelegt, darauf werden zum Schutz von Problemzonen Polster platziert, dann wird das Bein mit verschiedenen Binden gewickelt, wobei in der letzten Lage oft eine selbsthaftende Binde verwendet wird.
  • Der Kompressionsverband sollte 1–2 Wochen lang angewendet werden.

Kompression als Wechselverband

  • Bei der täglich neu angelegten Kompression wird der Verband tagsüber getragen, wobei das Bein jeden Morgen mit einer sog. Kurzzugbinde gewickelt und jeden Abend wieder abgewickelt wird.
  • Die Wicklung wird durch Pflegepersonal vorgenommen, da es sehr schwierig ist, einen Kompressionsverband selbst korrekt zu wickeln.
  • Die Binde wird um den gesamten Unterschenkel gewickelt, wobei der Verband am Zehenansatz beginnt und unter Einbeziehung der Ferse bis knapp unterhalb des Knies reicht. Der Kompressionsgrad ist unten am größten und nimmt nach oben hin allmählich ab.

Beinschwellung bei unzureichender Kompression

  • Bei stark geschwollenen Beinen kann zusätzlich eine luftgefüllte Manschette zur sogenannten intermittierenden pneumatischen Kompression eingesetzt werden. Diese Manschette wird täglich für einige Stunden angewendet. Allerdings sollten solche Kompressionsmanschetten nicht auf Mehrlagenverbänden zur Dauertherapie eingesetzt werden, da der Kompressionsgrad dadurch zu hoch werden und es zu Druckverletzungen kommen kann.

Prinzipien der Wundversorgung

Wundreinigung

  • Bei jedem Verbandswechsel sollte die Wunde gereinigt werden, z. B. mit einer feuchten Kompresse, einem sterilen Instrument oder steriler wirkstofffreier Wundspüllösung.
  • Wenn das abgestorbene Gewebe durch die mechanische Wundreinigung nicht ausreichend entfernt werden kann, kann es chirurgisch abgetragen werden.
  • Eine Stunde bevor die Wundbeläge entfernt werden, wird eine lokalanästhetisch wirkende Salbe direkt auf die Wunde aufgetragen. Alternativ können Sie ein Schmerzmittel einnehmen.
  • Bei Anzeichen einer Infektion können antiseptische Lösungen eingesetzt werden.

Wundversorgung und Wundverband

  • In der modernen Wundbehandlung werden verschiedene Arten von Wundauflagen verwendet. Diese sollen ein feuchtes Wundmilieu erhalten und die Wunde vor Verunreinigung, bakterieller Besiedlung und traumatischen Einflüssen schützen.
  • Die passende Wundauflage wird individuell ausgewählt.
  • Die Häufigkeit der Verbandswechsel richtet sich nach der Wunde und den Bedürfnissen der Patient*innen. Wundauflagen sollen gewechselt werden, wenn sie keine Flüssigkeit mehr absorbieren und zu lecken anfangen.
  • Manche Wundverbände können auch beim Duschen getragen werden.
  • Einige Produkte zur Wundversorgung bewirken gleichzeitig eine Schmerzlinderung.

Die Haut um die Wunde

  • Pflegen Sie Ihre Haut sorgfältig, und cremen sie die Beine regelmäßig mit Feuchtigkeitscreme ein.
  • Die Haut am Wundrand wird zusätzlich geschützt, z. B. mit speziellen Verbänden oder durch Eincremen mit Zinksalbe.

Allgemeines

  • Bei Übergewicht ist Gewichtsabnahme sehr zu empfehlen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung!
  • Regelmäßige körperliche Bewegung ist hilfreich. Auch Gehübungen und Fußgymnastik werden empfohlen.
  • Vermeiden Sie längeres Stehen oder Sitzen!
  • Das regelmäßige Hochlagern der Beine beugt Schwellungen vor.
  • Auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen wirkt vorbeugend.

Abbildungen

 

Venen und Venenpumpen
Die Muskeln um die Venen drücken diese zusammen und bewegen das Blut. Die Venenklappen sorgen für die richtige Fließrichtung des Blutes.

 

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ulcus cruris venosum. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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