Bursitis im Kniegelenk (Schleimbeutelentzündung)
Bursitis im Kniegelenk (Schleimbeutelentzündung)
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Was ist eine Bursitis?
Definition
Es handelt sich um eine Entzündung auf der Vorderseite der Kniescheibe. Dort befindet sich ein flacher Schleimbeutel (Bursa), der sich durch Verletzungen (z. B. beim Sport), Arbeit im Knien (z. B. Fliesenlegen) und Bakterien entzünden kann.
Symptome
Die Vorderseite der Kniescheibe schwillt an. Es können Schmerzen auftreten, die sich teilweise durch Druck provozieren lassen. Der Bereich ist oft gerötet und überwärmt. In einigen Fällen schränkt der Schmerz die Kniebeweglichkeit ein.
Falls Bakterien eingedrungen sind, setzen die Beschwerden oft plötzlich und stärker ein. Es kann zu weiteren Symptomen kommen, beispielsweise zu Fieber, Schüttelfrost und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Dies sind Zeichen dafür, dass sich die Bakterien im Körper ausgebreitet haben.
Ursachen
Im Körper gibt es viele Schleimbeutel, die die Reibung in der Umgebung von Gelenken verringern. Am Knie befindet sich eine Bursa vor der Kniescheibe. Sie bildet eine schützende Schicht zwischen der Haut und Sehne, die von der Kniescheibe zum Unterschenkelknochen führt (Patellasehne) und die die Beweglichkeit des Kniegelenks verbessert. Es gibt mehrere mögliche Ursachen für die Entzündung, meistens handelt es sich aber um eine Entzündung ohne Bakterien (aseptische Bursitis).
- Mikroverletzungen: Einige Sportarten (z. B. Volleyball) und Berufstätigkeiten (z. B. Fliesenlegen, Klempnerarbeiten) verursachen winzige Verletzungen des Schleimbeutels. Ursache sind die häufigen Stürze auf das Knie bzw. das lange Arbeiten in kniender Haltung.
- Rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes: Dabei handelt es sich um Erkrankungen, die Entzündungen an vielen verschiedenen Körperstellen auslösen.
- Gewalteinwirkung: Bei großen Kräften (z. B. bei einem Autounfall) können gerissene Blutgefäße in die Bursa einbluten.
Manchmal dringen Bakterien ein (septische Bursitis, infektiöse Bursitis): Dies ist eher selten, aber manchmal gelangen Erreger durch Hautverletzungen oder aus anderen Körperbereichen in die Bursa. 50 % der betroffenen Patient*innen haben eine Immunschwäche.
Häufigkeit
Es handelt sich um eine häufige Schleimbeutelentzündung. Nur die Bursitis im Bereich des Ellenbogens kommt noch häufiger vor. In 80 % der Fälle sind Männer betroffen.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Das Knie wird abgetastet und seine Beweglichkeit wird überprüft. Wichtig ist es, eine sich ausbreitende Infektion mit Bakterien zu erkennen, die sich durch Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl äußern kann. Eventuell findet sich die Hautverletzung, durch die Erreger eingedrungen sein können.
Der Schleimbeutel kann mit Ultraschall genauer untersucht werden. Eine Blutentnahme hilft dabei, eine bakterienbedingte Entzündung festzustellen. Besonders im Falle eines Verdachts auf eine Infektion kann man mit einer Nadel Flüssigkeit aus dem Schleimbeutel entnehmen (Aspiration). Im Labor wird der Erreger dann identifiziert.
Überweisung/Einweisung ins Krankenhaus
Wenn keine Infektion vorliegt, aber die Behandlung keine Besserung bringt, erfolgt eine Überweisung an eine orthopädische Praxis. Bei Verdacht auf eine Knochenverletzung oder Knochenentzündung (Osteomyelitis) kann ein Röntgenbild in einer Facharztpraxis für Radiologie weiterhelfen.
Wenn Antibiotika bei einer bakterienbedingten Schleimbeutelentzündung nicht innerhalb von zwei Tagen wirken, erfolgt eine Einweisung ins Krankenhaus. Dort muss möglicherweise operiert werden. Sie erhalten ebenfalls eine Einweisung bei einem Verdacht auf septische Bursitis und einer gleichzeitigen Immunschwäche oder schweren Grunderkrankung.
Behandlung
Die Entzündung wird zunächst konservativ behandelt. Falls dies fehlschlägt, kann der Schleimbeutel im Rahmen eines Eingriffs entfernt werden.
Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Sie können für einige Tage ein Schmerzmedikament (z. B. 3-mal täglich 400 mg Ibuprofen) einnehmen.
- Aspiration: Eine Entnahme von Flüssigkeit aus dem Schleimbeutel dient der Untersuchung und ist zugleich ein möglicher Bestandteil der Behandlung. Sie entlastet den Schleimbeutel und lindert die Schmerzen. Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen („Blutverdünner″), steigt allerdings das Blutungsrisiko bei der Aspiration. Dann müssen Kosten und Nutzen besonders sorgfältig abgewogen werden.
- Infiltration: Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, dann kann man bei langanhaltenden Beschwerden Kortikosteroide („Kortison“) direkt in den Bereich des entzündeten Schleimbeutels spritzen. Dies ist hochwirksam, kann aber zu Komplikationen führen. Bei einer bakteriellen Infektion darf keine Infiltration durchgeführt werden.
- Antibiotika sind Medikamente gegen Bakterien. Der häufigste Auslöser – Staphylococcus aureus – ist oft gegen einige Antibiotika resistent. Es gibt aber wirksame Medikamente wie beispielsweise Flucloxacillin und Cephalexin. Die Antibiotikatherapie sollte nicht länger als 1 Woche dauern, da eine längere Behandlungszeit das Ergebnis nicht weiter verbessert. Das Antibiotikum kann in Tablettenform verabreicht werden, eine Verabreichung als Infusion ist zuverlässiger wirksam.
Operation
Der Schleimbeutel kann mit einer kleinen Operation entfernt werden. Dazu führt man über mehrere Hautschnitte dünne Instrumente ein und schneidet die Bursa heraus (endoskopische Bursektomie). Die endoskopische Entfernung des Schleimbeutels führt zu weniger Schmerzen nach dem Eingriff als eine offene Operation. Außerdem ist der Krankenhausaufenthalt kürzer.
Angezeigt ist der Eingriff meistens bei der septischen Schleimbeutelentzündung. Beispielsweise wird operiert, wenn Antibiotika nach 48 Stunden immer noch keine Besserung bringen. Weitere Gründe für eine Operation sind schwere Erkrankungen, eine allgemeine Entzündungsreaktion des ganzen Körpers (Systemic Inflammatory Respose Syndrome, SIRS) und Komplikationen wie ein Absterben von Hautbereichen (Hautnekrose).
Bei der Schleimbeutelentzündung ohne Bakterien wird nur operiert, wenn die konservative Behandlung über Monate hinweg versagt.
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bursitis praepatellaris. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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- Mehrtens, G. Valentin, H. Schönberger, A. Arbeitsunfall und Berufskrankheit : rechtliche und medizinische Grundlagen für Gutachter, Sozialverwaltung S.878ff. Berlin: Erich Schmidt Verlag 9: Auflage, 2017.
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