Hirnmetastasen

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Was sind Hirnmetastasen?

Definition

Als Metastasen werden Absiedelungen von Krebszellen bezeichnet, die an anderen Stellen als dem Ursprungsort auftreten. Hirnmetastasen sind Absiedelungen in Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark. Sie entstehen durch Transport von Krebszellen über das Blut.

Sie werden unterteilt nach der Anzahl in Einzelmetastasen oder mehrere Metastasen.

Oft werden sie durch Untersuchungen im Rahmen eines neu entdeckten Krebses gefunden, noch bevor Symptome entstehen.

Symptome

Die auftretenden Beschwerden sind unterschiedlich je nach Größe der Metastase und Lokalisation. Meist kommt es langsam über Wochen bis Monate zu Symptomen. Die häufigsten Symptome sind:

  • Kopfschmerz (50 %)
  • Halbseitenlähmung oder halbseitige Gefühlsstörung (50 %)
  • Neuropsychiatrische Symptome (30 %) wie Gedächtnisstörungen, Wesensveränderungen, Verwirrtheit etc.
  • epileptische Anfälle (Krampfanfälle) (10–25 %)
  • seltener Sprachstörungen, Erbrechen, Benommenheit oder Lähmungen der Augen oder Gesichtsmuskulatur

Bei Metastasen im Rückenmark kommt es zu Rückenschmerzen und Lähmungen („Querschnitt”).

Bei Metastasen der Gehirnhaut kommt es zu Übelkeit, Erbrechen Kopf- oder Nackenschmerzen oder Lähmungen.

Ursachen

Die Ursache ist immer ein Primärtumor, das heißt ein Krebs in einem Organ. Einzelne Krebszellen werden über das Blut weitertransportiert und siedeln sich im Gehirn an. Dort vermehren sie sich und wachsen zu einer Metastase. Durch das Einwachsen ins Nervengewebe sowie durch die Verdrängung kommt es zu Schädigungen der Gehirnzellen. Durch die Erhöhung des Drucks im Gehirn durchs Tumorwachstum kommt es zu Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen.

Die häufigsten Tumore, die ins Gehirn streuen sind:

  • bei Männern das Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)
  • bei Frauen das Mammakarzinom (Brustkrebs)
  • bei beiden Geschlechtern an zweiter Position das Melanom, der schwarze Hautkrebs

Diese Tumore zusammen machen schon bis zu 80 % der Gehirnmetastasen aus.

Häufigkeit

Metastasen im Gehirn treten häufiger auf als Tumore, die direkt aus den Nervenzellen des Gehirns entstehen. Bei bestimmten Krebsarten kommt es – falls der Tumor schon gestreut hat – mit einer Wahrscheinlichkeiten von 20–40 % zu Metastasen im Gehirn (Lungenkrebs, schwarzer Hautkrebs, Brustkrebs und Nierenkrebs).

80 % der Metastasen sitzen im Großhirn, 15 % im Kleinhirn, der Rest im Hirnstamm. Metastasen im Rückenmark treten bei 3-10/100.000 Einw. im Jahr auf.

Untersuchungen

Bei Symptomen, die auf Schädigung der Gehirnzellen hinweisen, wird Sie die Ärztin/der Arzt genau nach den Symptomen fragen und evtl. zur neurologischen Untersuchung überweisen.

Besteht der Verdacht auf Metastasen werden meist folgende Untersuchungen veranlasst:

  • MRT (Magnetresonanztomografie) des Gehirns mit Kontrastmittelgabe
    • genaue Darstellung des Gehirns und der Metastasen
    • evtl. bereits Aussage zu möglichen Ursprungskrebs
    • empfindlichste Bildgebungsmethode
  • CT (Computertomografie des Gehirns)
    • weniger empfindlich als MRT
    • falls kein MRT möglich CT als Methode der zweiten Wahl
  • Labordiagnostik
    • nur selten sinnvoll bei bereits klarem Verdacht
    • Bestimmung von Tumormarkern für den vermuteten Krebs
    • keine allgemeine Suchmethode
  • Biopsie (Probeentnahme) mit histologischer Untersuchung
    • bei unklarem Ursprungskrebs erneute Sicherung über Untersuchung der Zellen unter dem Mikroskop
    • Bei lange zurückliegendem Ursprungskrebs, um andere Möglichkeiten auszuschließen.
  • Spezialdiagnostik in seltenen Fällen
    • CT der Schädelbasis bei Verdacht auf Knochenbefall
    • Untersuchung der Liquorflüssigkeit („Hirnwasser”) auf Krebszellen
    • PET-Untersuchung (Positronenemissionstomografie) zur Unterscheidung von Narben und Metastase

Therapie

Allgemein

Die Therapie ist sehr individuell und unterscheidet sich je nach Ursprungskrebs, Anzahl der Metastasen im Gehirn und restlichem Körper, Allgemeinzustand und Alter der Patienten*innen, Therapiewunsch und Begleiterkrankungen.

Ziele

  • Symptome der Metastasen lindern.
  • Das weitere Wachstum verzögern und damit Lebensverlängerung.
  • In seltenen Fällen die Metastasen und den Krebs entfernen.

Methoden

  • Operation mit Entfernung der Metastase
  • Radiochirurgie oder Cyberknife: Zerstörung von Metastasen durch gezielte meist einmalige Bestrahlung
  • Strahlentherapie
  • Medikamentöse Tumortherapie, z. B. Chemotherapie
  • Symptomlinderung durch Gabe von Medikamenten: Kortison zum Abschwellen, Schmerzmedikamente, Medikamente gegen Epilepsie

Operation

Bei Einzelmetastasen ist die Operation oft besser geeignet als die Strahlentherapie des gesamten Gehirns. Ein Vorteil ist auch, dass nach Operation eine genaue Untersuchung der Metastase erfolgen kann. Daher ist sie ist vor allem bei einzelnen Metastasen sinnvoll oder falls noch kein Ursprungskrebs gefunden wurde. Auch bei großer Metastase mit Druck aufs Gehirn wird die Operation oft eingesetzt. Nicht empfohlen ist die Operation beim kleinzelligen Lungenkrebs oder Lymphknotenkrebs. Die Risiken der Operation sind z. B. Infektionen oder Blutungen.

Strahlentherapie

Als Radiochirurgie mit einer einzelnen hohen Strahlendosis (Gamma-Knive, Cyber-Knive) ist sie der Operation gleichwertig. Sie ist empfohlen bei wenigen Metastasen, die eher kleiner sind und einer Operation nicht leicht zugänglich. Als Komplikation kann es im weiteren Verlauf zu einem Untergang von Nervenzellen kommen, der sog. Strahlennekrose.

Operation und Radiochirurgie werden oft danach ergänzt durch die Ganzhirnbestrahlung oder klassische Strahlentherapie. Durch diese kann eine Überlebensverlängerung und Verbesserung der neurologischen Symptome (wie Nervenausfälle, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle) erreicht werden. Manche Krebsarten sprechen besser auf Bestrahlung an (Brustkrebs, Lungenkrebs), manche weniger. Sie ist insbesondere bei mehreren Metastasen empfohlen.

Medikamentöse Tumortherapie

Chemotherapie

Chemotherapie ist die Therapie mit Zytostatika (zelltötenden Wirkstoffen). Sie wirkt im gesamten Körper und wird je nach Ursprungskrebs mit unterschiedlichen Substanzen empfohlen. Die Wirkung im Gehirn ist meist begrenzt, da viele Stoffe schlecht ins Gehirn gelangen. Manche Medikamente der Chemotherapie wie Methotrexat können direkt in den Liquor (Hirnflüssigkeit) gegeben werden.

Zielgerichte Substanzen und Immuntherapie

Hier werden die zelltötenden Medikamente über bestimmte Eiweiße so gebunden, dass sie vor allem an die Tumorzellen andocken können. Diese Therapie zeigt sich bei manchen Krebsarten als sehr effektiv, ist aber auch nur bei bestimmten Krebsarten möglich. Die Immuntherapie wirkt über eine Hochregulierung des Immunsystems, sodass es den Krebs besser angreifen kann.

Symptomlindernde Therapie

Schmerzen und Symptome der Hirnmetastasen können oft sehr gut behandelt werden. Es gibt Mittel wie Kortison, um Schwellung und Hirndruck zu reduzieren und Übelkeit zu bekämpfen. Schmerz- und Beruhigungsmittel können bei Schmerzen oder Ängsten eingesetzt werden. Antiepileptika wirken gegen Krampfanfälle.

Autorin

  • Angelika Eisenried, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
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