Krampfanfall, Erste Hilfe

Krampfanfall, Erste Hilfe

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Was ist ein Krampfanfall?

Definition

Ein Krampfanfall äußert sich durch unkontrollierte Muskelaktivität und dauert meist weniger als 2 Minuten. Eine Erkrankung mit Neigung zu Krampfanfällen nennt man Epilepsie.

Von einer Epilepsie spricht man dann, wenn mehrere Anfälle in größerem zeitlichem Abstand voneinander (mehr als 24 Stunden) auftreten. Auch bei Aufälligkeiten in der Hirnstrommessung (EEG) kann die Diagnose gestellt werden. Vom Status epilepticus spricht man bei Anfällen ab 5 Minuten Dauer – und auch bei mehreren Anfällen ohne vollständig Erholung dazwischen.

Symptome

Anfälle mit fokalem Beginn entspringen einer Hirnhälfte und sind weniger schwer als generalisierte Anfälle, die in beiden Hirnhälften beginnen. Der fokale Anfall kann zu Wahrnehmungsstörungen, Bewusstseinsseinschränkungen und Gefühlsstörungen führen. Er kann auch Muskelzuckungen auslösen. Manche Personen können sich danach an den Anfall erinnern.

Anfälle mit generalisiertem Beginn verlaufen schwerer, weil sie von beiden Hirnhälften ausgehen. Es kommt zum Bewusstseinsverlust. Die Muskeln beginnen zu zucken oder zu erstarren. Teilweise verlieren die Muskeln plötzlich ihre Spannung – das führt zu einem Sturz mit Verletzungsgefahr. Bei der Absence sind die Symptome leichter und betreffen oft die Gesichtsmuskulatur.

Nach dem Anfall kann die betroffene Person schläfrig oder verwirrt sein oder beispielsweise Schwierigkeiten beim Sprechen haben.

Nicht immer ist es klar, um welche Form es sich handelt, z. B. weil niemand den Beginn des Anfalls beobachtet hat.

Ursachen

Zu den Auslösern zählen Schlafmangel und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Giftstoffe und flackernde Lichter, etwa Stroboskope. Moderne Computer und Fernseher sind unproblematisch.

Anfälle entstehen auch durch Unterzuckerung oder Natriummangel. Sowohl Drogeneinnahme als auch Alkoholentzug provozieren Krampfanfälle. In anderen Fällen liegt ein Schlaganfall, ein Tumor oder eine Kopfverletzung vor. Dazu zählen auch Operationen. Manchmal ist eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) die Ursache.

Einige Kinder erleiden bei Fieber ab 38,5 °C (rektal) einen Fieberkrampf.

Häufigkeit

Etwa jede 10. Person erlebt einmal im Leben einen Krampfanfall. Am häufigsten sind Anfälle in der frühen Kindheit und ab 65 Jahren. Die Epilepsie, also Neigung zu Krampfanfällen, betrifft knapp 1 % der Bevölkerung. 14.000 Personen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Status epilepticus.

Untersuchungen

Bei der Erstversorgung durch Notärzt*innen und Rettungsdienst wird beobachtet und dokumentiert, wie der Anfall abläuft und wie lange er dauert. Blutdruck, Puls und die Sauerstoffsättigung werden gemessen. Nach dem Anfall wird die betroffene Person überwacht und, wenn erforderlich, in eine Klinik eingewiesen.

Erste Hilfe leisten

Wenn Sie einen Krampfanfall beobachten, sollten Sie Folgendes tun: 

  1. Als Laie oder beim ersten Anfall: Rufen Sie den Rettungsdienst (112).
  2. Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung. Polstern Sie den Kopf. Halten Sie die Person auf keinen Fall fest. Versuchen sie niemals, den Mund freizumachen – auch die Kaumuskulatur kann plötzlich verkrampfen!
  3. Dokumentieren Sie, wie lange der Anfall dauert. Notieren Sie die Uhrzeit von Anfang und Ende. Wenn möglich, nehmen Sie ein Video auf. Dies hilft dem ärztlichen Personal bei der Diagnosestellung.

Beim erstmaligen Anfall sollen Betroffene ins Krankenhaus eingewiesen werden. Gleiches gilt bei wiederholten Anfällen und bei einer anhaltenden Ohnmacht oder Benommenheit nach dem Anfall.

Falls bei der betroffenen Person eine Epilepsie bekannt ist und Sie damit vertraut sind, können Sie eine vorhandene Notfall-Medikation verabreichen.

Nach dem Anfall ist die Person möglicherweise nicht ansprechbar. Drehen Sie die Person dann in die stabile Seitenlage:

Stabile Seitenlage 1
Stabile Seitenlage 1: Legen Sie die betroffene Person auf den Rücken. Der Ihnen nähere Arm wird im Ellbogengelenk um 90 Grad gebeugt. Der gegenüberliegende Arm wird über den Brustkorb gelegt.
 
Stabile Seitenlage 2
Stabile Seitenlage 2: Fassen Sie die Person an der Schulter, die weiter von Ihnen entfernt ist (blauer Pfeil), und ziehen Sie gleichzeitig das Knie hoch, das weiter von Ihnen entfernt ist (roter Pfeil).
 
Stabile Seitenlage 3
Stabile Seitenlage 3: Führen Sie die Bewegung der vorherigen Position weiter, und rollen Sie die Person zu Ihnen hin auf die Seite, indem Sie an der Schulter und am Knie ziehen.
Stabile Seitenlage 3
Stabile Seitenlage 4: Legen Sie den oberen Arm unter den Kopf, und beugen Sie den Kopf ein wenig nach hinten. Der Mund sollte nach unten zeigen, damit evtl. Erbrochenes herausfließen kann.

Erste Hilfe durch medizinische Fachkräfte

Bei einem einzelnen Anfall von kurzer Dauer wird auf eine medikamentöse Unterbrechung verzichtet. Ein Status epilepticus wird mit Medikamenten behandelt.

Der Rettungsdienst hält die Atemwege frei und gibt Sauerstoff. Er überwacht Atmung, Blutdruck und Herzrhythmus. Wenn möglich, wird von der Notärztin oder dem Notarzt eine Nadel in die Vene gelegt. Dann können Medikamente gespritzt werden.

Bei einem Status epilepticus (Anfall mit einer Dauer > 5 min) oder einer Anfallsserie (mehrere Anfälle nacheinander, ohne dass Betroffene das Bewusstsein wieder erreichen), werden Medikamente zur Anfallsunterbrechung verabreicht. Meistens sind das Wirkstoffe aus der Gruppe der Benzodiazepine, etwa Diazepam oder Lorazepam. Diazepam kann man auch als Zäpfchen oder Spray geben. Dadurch wird der Anfall in der Regel beendet. Sollten Benzodiazepine doch versagen, stehen im Krankenhaus mehrere weitere Wirkstoffgruppen zur Verfügung. 

Auch für die eigentliche Ursachen gibt es teils Medikamente. Bei niedrigem Blutzucker wird Zuckerlösung in die Vene verabreicht. Bei Verdacht auf Alkoholismus wird Vitamin B1 (Thiamin) verabreicht.

Bei Kindern mit Fieberkrampf wird die Körpertemperatur durch Fieberzäpfchen gesenkt.

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