Herzgeräusche bei Kindern
Herzgeräusche bei Kindern
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Was sind Herzgeräusche bei Kindern?
Beim Abhören des Herzens mit einem Stethoskop sind bei jedem Herzschlag zwei Töne zu hören. Diese nennt man den ersten Herzton und den zweiten Herzton. Zwischen den beiden Herztönen ist es im Normalfall still. Wenn jedoch zwischen den beiden Herztönen ein Geräusch zu hören ist, spricht man von einem Herzgeräusch.
Ein Herzgeräusch ist ein zusätzliches oder unübliches Geräusch während eines Herzschlages bei einem Kind und entsteht im Bereich des Herzens oder der großen, herznahen Blutgefäße. So ein Herzgeräusch ist von außen über dem Brustkorb hörbar, entweder durch ein Stethoskop oder selten auch ohne ein Hilfsmittel.
Bei Kindern sind Herzgeräusche häufig. Meist sind die Herzgeräusche jedoch harmlos, aber sie können auch ein Hinweis auf eine Herzerkrankung oder einen angeborener Herzfehler sein. Insgesamt haben zwischen der Hälfte und über 3/4 aller herzgesunden Kinder und Jugendlichen ein Herzgeräusch im Laufe ihrer Entwicklung.
Die Häufigkeit für Herzgeräusche bei Neugeborenen liegt zwischen 4 und 86 von 1.000 Neugeborenen. Von den Neugeborenen mit einem Herzgeräusch hat jedes dritte Neugeborene eine Herzerkrankung, allerdings hat nur jedes 40. Neugeborene einen Herzfehler, aufgrund dessen das Neugeborene eine frühzeitige Operation braucht.
Was kann die Ursache sein?
Normalerweise pumpt das Herz das Blut durch den Körper- und Lungenkreislauf. Wenn es Hindernisse im Herzen gibt, wie z. B. eine verengte Herzklappe, entstehen Verwirbelungen wie bei einer Stromschnelle in einem Fluss. Diese Verwirbelungen führen zu den Geräuschen, die man mit dem Stethoskop oder manchmal sogar auch ohne Stethoskop hören kann.
Grundsätzlich können angeborene Herzfehler ein Herzgeräusch verursachen. Insgesamt ist ein angeborener Herzfehler aber nur bei 1 von 100 Kindern mit einem Herzgeräusch die Ursache für das Herzgeräusch. Außerdem gibt es auch angeborene Herzfehler, bei denen kein Herzgeräusch auftritt.
Es kann viele verschiedene Ursachen für ein Herzgeräusch geben, ohne dass die Struktur des Herzens beeinträchtigt ist.
- Es gibt Herzgeräusche, die harmlos sind oder dadurch ausgelöst werden, dass das Herz mehr Blut in kürzerer Zeit durch den Körper pumpt. Das kann beispielsweise bei Fieber, Blutarmut (Anämie) oder einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) der Fall sein.
Außerdem können strukturelle Veränderungen am Herzen eine Ursache für ein Herzgeräusch bei Kindern sein.
- Wenn eine oder mehrere der insgesamt vier Klappen im Herzen oder eines der großen Blutgefäße im Brustkorb zu eng ist (Stenose) oder nicht komplett schließt (Insuffizienz), kann das zu einem Herzgeräusch führen.
- Auch kleinere oder größere Löcher in der Herzscheidewand können eine Ursache für ein Herzgeräusch sein. Hierbei werden Löcher in der Vorhofscheidewand (ASD) und Löcher in der Kammerscheidewand (VSD) unterschieden.
- Manchmal bleibt eine Art Kurzschlussverbindung zwischen der Hauptschlagader im Körperkreislauf (Aorta) und der Hauptschlagader in der Lunge (Truncus Pulmonalis) bestehen (persistierender Ductus arteriosus botalli). Diese Kurzschlussverbindung umgeht vor der Geburt die Lunge des Kindes, sollte sich nach der Geburt aber schließen.
- Auch durch einen verdickter Herzmuskel (hypertrophe Kardiomyopathie, HOCM) kann ein Herzgeräusch entstehen.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
In der Regel wird ein Herzgeräusch bei Kindern durch Ärzt*innen im Rahmen von einer Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Meist kann bereits bei der ersten Untersuchung unterschieden werden zwischen harmlosen und nicht-harmlosen Herzgeräuschen bei Kindern. Wenn bei Ihrem Kind ein Herzgeräusch festgestellt wird, das möglicherweise nicht harmlos ist, werden Ärzt*innen Ihnen eine Untersuchung bei Spezialist*innen empfehlen.
Sollte Ihr Kind an einer Gedeihstörung leiden, körperlich wenig belastbar sein, häufig an Atemwegsinfekten leiden, chronisch husten oder schwer atmen, sollten Sie und Ihr Kind Ihre Kinderärztin/Ihren Kinderarzt aufsuchen.
Untersuchungen
Anamnesegespräch
Zunächst werden Ihnen einige Fragen zu der Gesundheit Ihres Kindes, die Schwangerschaft und die Geburt sowie zu der Krankengeschichte Ihrer Familie gestellt. Die Antworten auf diese Fragen geben wichtige Hinweise.
Außerdem werden Sie zu den Symptomen Ihres Kindes befragt. Wichtig ist z. B., ob Ihr Kind langsamer gewachsen ist oder sich langsamer entwickelt hat und ob es weniger belastbar ist im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern. Auch werden Sie gefragt werden, ob Ihr Kind Herzklopfen (Palpitationen), Schwindel oder Brustschmerzen spürt und ob es schon mal in Ohnmacht gefallen ist (Synkope). Auch Atemnot bei Belastung oder schnelles Atmen können ein Hinweis sein, ebenso wie häufige Erkältungen, länger andauernder (chronischer) Husten und asthmaartige Beschwerden. Bei manchen genetischen Erkrankungen kommt ein Herzfehler häufiger vor wie z. B. bei einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder einem Turner-Syndrom.
Auch werden Sie gefragt, ob jemand in der Familie (Blutsverwandschaft) Ihres Kindes einen angeborenen Herzfehler hat, weil dann das Risiko für einen angeborenen Herzfehler bei Ihrem Kind um bis zu 10-mal höher sein kann. Auch ist es wichtig zu wissen, ob es in Ihrer Familie Fälle von plötzlichem Kindstod oder plötzlichem Herztod gab, weil das ein Hinweis auf eine unentdeckte Herzkrankheit sein könnte.
Eine Schädigung in der Schwangerschaft kann ebenfalls ein Risiko für einen Herzfehler sein. Deshalb werden Sie u. a. gefragt, ob es während der Schwangerschaft zu einer Rötelnerkrankung kam oder ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorlag. Auch Giftstoffe, wie Alkohol, oder bestimmte Medikamente können zu einem Herzfehler bei Ihrem Kind führen.
Körperliche Untersuchung in der Kinderarztpraxis
Nach dem Gespräch wird Ihr Kind untersucht. Zunächst werden Ärzt*innen sich Ihr Kind anschauen, z. B. ob es altersentprechend groß ist, und wie die Haut aussieht. Kinder mit einem Herzfehler haben manchmal eine auffällig blasse oder eine bläuliche (zyanotische) Hautfarbe. Auch die Atmung und die Form des Brustkorbes Ihres Kindes wird beurteilt.
Anschließend tasten Ärzt*innen die Brust des Kindes ab (Palpation), hören das Herz mit dem Stethoskop ab (Auskultation). Außerdem tasten sie den Puls in der Leiste und die Lebergröße.
Zusätzlich werden der Puls, der Blutdruck, die Sauerstoffsättigung und möglicherweise auch die Temperatur gemessen. Zur Messung der Herzströme wird ein EKG angefertigt.
Weitere Untersuchungen bei Spezialist*innen für Kinderkardiologie
Die weiteren Untersuchungen erfolgen dann bei Spezialist*innen, den Kinderkardiolog*innen. Dorthin sollten Kinder überwiesen werden,
- wenn ein krankhaftes oder verdächtiges Herzgeräusch vorliegt.
- wenn das Herzgeräusch neu aufgetreten ist.
- wenn es sich um Neugeborene mit einem Herzgeräusch handelt.
- wenn zusätzlich zu dem Geräusch noch andere Beschwerden auftreten, die mit Herzerkrankungen in Verbindung stehen.
- wenn eine auffällige Herzstrommessung (EKG) vorliegt.
Auch Kinder aus Familien mit einem plötzlichen Herztod sowie Kinder mit einer Wachstumsstörung oder verminderten Leistungsfähigkeit sollten bei Kinderkardiolog*innen untersucht werden.
Spezialist*innen können eine Herzultraschalluntersuchung (Echokardiografie) durchführen, um einen angeborenen Herzfehler nachzuweisen oder auszuschließen. Falls notwendig, können Spezialist*innen eine MRT oder eine CT durchführen, wenn das Herz des Kindes nicht ausreichend gut im Ultraschall untersucht werden kann. Auch eine Messung der Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie) kann bei bestimmten Fragen erforderlich sein.
Behandlung
Die Behandlung eines Herzgeräusches ist abhängig davon, welche Ursache dem Herzgeräusch zugrunde liegt. Wenn das Herzgeräusch durch beispielsweise eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) bedingt ist, sollte die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. Leidet Ihr Kind an einem Herzfehler, kommen je nach Art des Herzfehlers verschiedene Behandlungsmethoden infrage.
Eine Einweisung in ein Krankenhaus ist notwendig, wenn das Herz des Kindes stark beeinträchtigt ist. Zeichen dafür ist z. B. starke Luftnot.
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