Harninkontinenz bei Männern
Harninkontinenz bei Männern
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Was ist Harninkontinenz bei Männern?
Definition
Bei einer Inkontinenz kommt es zu einem unwillkürlichen Harnverlust. Harninkontinenz kommt bei Männern nicht so häufig vor wie bei Frauen.
Häufig führt eine vergrößerte Prostata zu einer überaktiven Blase, die schon bei geringem Füllungsvolumen das Signal zur Blasenentleerung gibt. Diese Form des unwillkürlichen Harnabgangs wird Dranginkontinenz genannt. Betroffene Männer verspüren plötzlich den Drang, auf Toilette zu gehen, und können den Urin nicht oder nur teilweise halten.
Bei der Belastungs- oder Stressinkontinenz tritt unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Anstrengung auf. Diese Form der Inkontinenz kann bei Männern als Folge einer Operation der Prostata vorkommen.
Eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz ist ebenfalls möglich (sog. Mischinkontinenz).
Ein vollständiger Harnverhalt kann zu einer Überlaufinkontinenz führen, bei der ständig Urin aus der Harnröhre tröpfelt.
Symptome
Bei Harninkontinenz kommt es zu unwillkürlichem Harnverlust. Typisch sind auch häufiges Wasserlassen und Drangsymptome. Dadurch kann die Lebensqualität beeinträchtigt sein.
Ursachen
Harninkontinenz kommt mit zunehmendem Alter häufiger vor. Bestimmte Erkrankungen erhöhen das Risiko für eine Dranginkontinenz, dazu gehören u. a. Prostataerkrankungen, Veränderungen der Harnblase, Diabetes, neurologische Erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose), Bestrahlungen und Operationen im kleinen Becken. Auch psychische Belastungsfaktoren und Angst scheinen bei Dranginkontinenz eine Rolle zu spielen.
Eine Belastungsinkontinenz ist bei Männern fast immer die Folge einer Operation, z. B. einer Entfernung der Prostata oder Harnröhrenoperation.
Zudem können einige Medikamente Harninkontinenz verursachen oder begünstigen.
Häufigkeit
Mehr als jeder 10. Mann in Deutschland leidet an Harninkontinenz. Da viele Betroffene aus Scham keinen ärztlichen Rat suchen, ist die Dunkelziffer hoch. Die Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf.
Untersuchungen
Im ärztlichen Gespräch werden Symptome und Vorerkrankungen erfasst. Zusätzlich können spezielle Fragebögen oder ein Miktionstagebuch (Toiletten-/Trinkprotokoll) verwendet werden, um das Ausmaß der Inkontinenz zu beurteilen.
Die Ärztin/der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden Hinweise auf mögliche Ursachen (z. B. neurologische Erkrankungen) geprüft. Bei Verdacht auf eine vergrößerte Prostata wird diese durch den After abgetastet.
Harnwegsinfekte lassen sich schnell über einen Urinstreifentest nachweisen.
Mit einer Ultraschalluntersuchung kann der Restharn in der Blase gemessen werden. Außerdem können Erkrankungen des Harntrakts (z. B. Harnsteine) festgestellt werden.
Teilweise sind Blutuntersuchungen nützlich, etwa die Bestimmung der Nierenwerte. Das prostataspezifische Antigen (kurz PSA) sollte nur bei Verdacht auf Prostatakrebs und nach sorgfältiger Abwägung der Vor- und Nachteile gemessen werden.
Bei Verdacht auf eine urologische Erkrankung oder wenn die Behandlung keine Wirkung erzielt, können Sie für weitere Untersuchungen an eine urologische Praxis überwiesen werden.
Behandlung
Zur Behandlung der Harninkontinenz steht ein breites Spektrum nicht-operativer und operativer Therapieoptionen zur Verfügung. Ziel der Behandlung ist, den Harnverlust zu verringern und die Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen.
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Zur Behandlung der überaktiven Blase siehe dort.
Physiotherapie
- Bei Belastungsinkontinenz ist Beckenbodentraining die wichtigste Behandlungsmethode.
- Auch Biofeedbacktraining oder Magnetstimulation der Beckenbodenmuskeln können hilfreich sein.
Medikamente
- Dranginkontinenz kann mit Medikamenten behandelt werden.
- Häufig werden sog. Anticholinergika eingesetzt. Diese zeigen eine gute Wirksamkeit, führen jedoch häufig zu Nebenwirkungen.
- Bei einer überaktiven Blase kann Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt werden, wenn andere Behandlungen nicht helfen.
- Eine Überlaufinkontinenz, die durch eine Schwäche des Blasenmuskels verursacht wird, kann mit sog. Cholinergika bzw. Parasympathomimetika behandelt werden.
Operation
- Wenn eine Prostatavergrößerung zu Harnverhalt führt, wird die Prostata in einer Operation verkleinert.
- Bei Prostatakrebs wird die gesamte Prostata entfernt.
- Auch bei Belastungsinkontinenz kann eine Operation erwogen werden, wenn sich die Beschwerden nach 3 Monaten mit Beckenbodentraining nicht bessern.
Andere Maßnahmen
- Unterstützend kann auf Hilfsmittel wie Windeln, Einlagen, spezielle Unterhosen und Matratzenschutz zurückgegriffen werden.
- Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.
- Wegen des erhöhten Risikos für Harnwegsinfektionen sollten Katheter nur in Ausnahmefällen, z. B. bei Harnverhalt, eingesetzt werden.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Harninkontinenz bei Männern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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