Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

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Was ist eine Cholezystitis?

Definition

Cholezystitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Gallenblasenentzündung. Die Leber produziert eine Flüssigkeit, die als Galle bezeichnet wird. Dieses Sekret wird in der Gallenblase gespeichert, bis es vom Körper benötigt wird. Die Galle fließt dann über den Hauptgallengang von Leber und Gallenblase (Ductus choledochus) in den Zwölffingerdarm. Dort verbindet er sich kurz vor der Mündung mit dem Bauchspeicheldrüsengang.

Cholezystolithiasis

Bezeichnet das Vorliegen von Gallensteinen in der Gallenblase zunächst ohne Entzündung. Dies kann Gallenkoliken verursachen.

Choledocholithiasis

Bezeichnet das Vorliegen von Gallensteinen im Hauptgallengang nach Steinabgang aus der Gallenblase. Dies kann Gallenkoliken oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursachen.

Symptome

Symptome einer Gallenblasenentzündung sind kolikartige oder anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch mit Fieber, ggf. Übelkeit und Erbrechen. Die Schmerzen können insbesondere nach einer fettreichen, üppigen Mahlzeit auftreten oder nachts infolge einer erhöhten Aktivität des vegetativen Nervensystems (erhöhter Vagotonus). Es kann zu einer Ausstrahlung in den Rücken oder in die rechte Schulter kommen.

Die Schmerzen halten in der Regel deutlich länger an als bei einer Gallenkolik ohne Cholezystitis. Patient*innen können bei Verlegung des Hauptgallengangs eine Gelbsucht entwickeln (Gelbfärbung der Haut, die sich am deutlichsten im Weiß des Augapfels zeigt). Der Stuhlgang wird hell und der Urin verfärbt sich dunkel. Oft sind bereits Gallensteine in der Vorgeschichte bekannt.

Ursachen

Gallensteine

In den meisten Fällen wird eine Gallenblasenentzündung durch Gallensteine ausgelöst, die den Abfluss der Galle aus der Gallenblase behindern. Die Galle besteht aus Wasser, Cholesterin, speziellen Fetten, Gallensalzen und Bilirubin. Befinden sich zu viel Cholesterin, Gallensalze oder Bilirubin im Gallensaft, so können diese Stoffe kristallisieren und sog. Gallensteine bilden.

Blockieren die Gallensteine den Ausgang der Gallenblase, so kann der Gallensaft nicht abfließen. Die Inhaltsstoffe der Galle führen zu Reizungen der Gallenblasenwand, es kommt zu lokalen Entzündungsprozessen, später zu einer bakteriellen Entzündung durch eingewanderte Darmbakterien (E. coli, Klebsiellen, Enterobakter).

Gallensteine können sich nach Steinabgang aus der Gallenblase im Hauptgallengang (Ductus choledochus) befinden. Ein Stau in diesem Bereich kann zusätzlich vorliegen und neben einer Gallenblasen- auch zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen, da die Gänge der beiden Organe gemeinsam in den Zwölffingerdarm münden und die Sekrete der Bauchspeicheldrüse nicht richtig abfließen können, wenn ein Gallenstein auf den Gang drückt.

Es gibt außerdem bestimmte Faktoren, die das Auftreten von Gallensteinen begünstigen:

  • Übergewicht
  • höheres Lebensalter
  • weibliches Geschlecht
  • hochkalorische, kohlenhydratreiche und ballaststoffarme Ernährung
  • genetische Faktoren

Weitere Faktoren

Manchmal verbirgt sich eine andere Ursache als ein Steinleiden hinter der Entstehung der Gallenblasenentzündung. Begünstigend sind Umstände, die zu einer Verdickung der Gallenflüssigkeit oder zu einer Behinderung der Durchblutung führen wie:

  • Längere künstliche Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts (parenteral) oder längere Fastenperioden
  • Gefäßveränderungen, z. B. als Folge von Diabetes mellitus
  • Gewebeveränderung des Gallengangs
  • Verletzungen, Verbrennungen, größere Operationen, Blutvergiftung
  • Ein Karzinom der Gallenblase, das den Abfluss behindert.
  • Unterdrückung des Immunsystems durch Medikamente (Immunsuppression)
  • Einige Virusinfektionen: Insbesondere bei Kindern kann eine Cholezystitis ohne Stein als Folge einer Virusinfektion auftreten.

Andere mögliche Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik

Häufigkeit

  • Gallensteine, die die Gallengänge verlegen, sind die häufigste Ursache für eine Gallenblasenentzündung. 90–95 % der Gallenblasenentzündungen entstehen durch Gallensteine.
  • Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Gallensteinen liegt in der Altersklasse 20–30 Jahre bei ca. 5 % und steigt mit dem Alter an. Bei 60- bis 70-Jährigen beträgt sie ca. 40 %.
  • Führen Gallensteine zu zeitweiligen Symptomen und werden nicht behandelt, führt dies im Verlauf in 20 % der Fälle zur Ausbildung einer akuten Gallenblasenentzündung.

Untersuchungen

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine sorgfältige Untersuchung durch die Ärztin/den Arzt. Schon ein leichter Druck auf den Bereich der Leber und Gallenblase kann bei tiefer Einatmung schon deutliche Schmerzen auslösen (Murphy-Zeichen). Die Bauchdecke kann wegen der Schmerzen angespannt sein.

In der Regel genügen eine Ultraschalluntersuchung sowie Blutuntersuchungen (v. a. Entzündungswerte, Leber- und Pankreaswerte), um die notwendigen Informationen für eine Diagnosestellung zu erhalten.

Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie

Manchmal kann eine sog. endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP) erforderlich sein. Dabei wird ein flexibler, mit einer Kamera versehener Schlauch über den Magen weiter durch den Zwölffingerdarm hindurch bis zu der Stelle geführt, wo der Gallengang in den Zwölffingerdarm mündet. Anschließend wird durch diesen Schlauch ein dünnes, röhrenförmiges Instrument (Katheter) bis in den Gallengang vorgeschoben. Auf diese Weise kann Kontrastmittel in die Gallenwege gespritzt werden, sodass sich diese mittels Röntgen darstellen lassen. Im Rahmen einer ERCP können Gallensteine aus den Gallengängen entfernt werden.

Behandlung

Operation/ERCP

Beruht die Entzündung auf einem Gallensteinleiden, so wird die Gallenblase möglichst zeitnah innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn operativ entfernt (Cholezystektomie). Es handelt sich in der Regel um einen minimalinvasiven Eingriff mittels sog. Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie). Dadurch lässt sich meist eine schnellere Heilung bei geringeren Risiken erzielen als bei einem offenen Eingriff.

Wenn ein Gallenstein im Hauptgallengang Ductus choledochus im Bereich der Einmündung in den Zwölffingerdarm liegt und dort den Abfluss behindert, wird der Stein ggf. zunächst mittels der oben beschriebenen ERCP entfernt. Ansonsten kann der Stau in diesem Bereich zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen. Nach der ERCP erfolgt dann anschließend die operative Entfernung innerhalb von 72 Stunden.

Weitere Maßnahmen

Nicht immer wird bei einer Cholezystitis jedoch eine Operation durchgeführt. Bei Patient*innen mit hohem Operationsrisiko oder älteren Patient*innen genügt es unter Umständen, die Gallenflüssigkeit mit einem dünnen Schlauch, der durch die Bauchhaut eingeführt wird, zu drainieren und die Gallenblase zu entleeren, oder es wird ein medikamentöser Ansatz gewählt, bestehend aus Schmerzmitteln, Flüssigkeitsgabe und Antibiotika.

Unabhängig von der Art der Behandlung erfolgt stets eine intravenöse Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr (keine normale Ernährung in den ersten Tagen) und geeignete Schmerztherapie. Bei fortgeschrittener Entzündung ist die Gabe eines Antibiotikums erforderlich.

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