Eichenprozessionsspinner-Dermatitis (Raupendermatitis)
Eichenprozessionsspinner-Dermatitis (Raupendermatitis)
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Was ist Eichenprozessionsspinner-Dermatitis?
Definition
Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) sind eine auch in Deutschland heimische Nachtfalterart. Hier und in anderen europäischen Ländern haben sich die Insekten in den letzten Jahren deutlich vermehrt. Die Raupen tragen winzige Nesselhaare, die teilweise schon bei leichtem Kontakt abfallen und mit dem Wind weitergetragen werden können. Gelangen diese Härchen auf die Haut, in die Augen oder durch Einatmen in die Lunge, lösen sie entsprechende Beschwerden aus. Am häufigsten bildet sich ein Hautausschlag (Dermatitis).
Die Beschwerden können sowohl nach Kontakt mit den Härchen der Raupen als auch mit den Faltern selbst entstehen. Es gibt auch andere Falterarten bzw. Raupen, die ähnliche Beschwerden auslösen können, z. B. Kiefern- oder Pinienprozessionsspinner.
Symptome
Nach dem Kontakt mit Raupenhaaren entwickelt sich ein stark juckender Hautausschlag (Dermatitis) an den unbedeckten Körperstellen, also meist Arme, Beine, Hals und Gesicht. Typisch sind viele kleine hellrote, juckende Papeln/Pusteln, z. B. am Unterarm. Eine allergische Reaktion kann auch zu Nesselsucht führen.

Sind die Härchen in die Augen gelangt, entzündet sich oft die Bindehaut (Konjunktivitis) und die Augenlider sind geschwollen. Der Kontakt mit Mund oder Rachenraum führt zu gereizter, geröteter und geschwollener Schleimhaut. Wurden die Härchen eingeatmet, sind Husten und Atembeschwerden die Folge. Manche Betroffene klagen auch über Übelkeit und Erbrechen oder bekommen Fieber. Ganz selten kann es auch zu einer heftigen allergischen Reaktion mit Schock (Anaphylaxie) kommen.
Ein früherer Kontakt mit den Brennhaaren der Raupen kann bei erneutem Kontakt zu einer stärkeren Reaktion führen.
Ursachen
Ausschlaggebend sind die feinen Härchen mit kleinen Widerhaken, die die Raupen ab dem 3. Larvenstadium auf dem Rücken tragen. Auch Kokons und Raupengespinste tragen solche Brennhaare. Diese lösen sich sehr leicht, werden mit dem Wind umhergetragen und gelangen so auf die Haut, in die Augen oder auch Atemwege von Menschen, die sich im Freien aufhalten. Die Härchen enthalten bestimmte Eiweiße, die eine Art der allergischen Reaktion auslösen. Die Nesselhaare der Raupen können auch direkt Beschwerden auslösen, wenn die Raupe z. B. über die Haut kriecht. Allerdings können die Brennhaare dieser Raupen auch lange Zeit in der Umwelt verbleiben und noch nach Jahren bei Kontakt Beschwerden auslösen.
Häufigkeit
Zur Häufigkeit der Dermatitis gibt es keine genauen Daten. Da die Raupen sich vor allem bei warmen Temperaturen entwickeln, ist diese Form der Dermatitis in den Sommermonaten (Mai bis September) und vor allem in eher südlichen Ländern verbreitet. In Deutschland kommen Eichenprozessionsspinner v. a. in Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Franken vor. Durch den Klimawandel hat die Verbreitung in den letzten Jahren zugenommen.
Untersuchungen
- Die Diagnose kann gestellt werden, wenn die Symptome nach Kontakt mit Raupenhaaren auftreten. Dies ist jedoch nicht immer nachweisbar.
- Zudem ähneln die Hautsymptome verschiedenen anderen Krankheiten (Stiche anderer Insekten, Hautreaktion auf Sonnenlicht u. a.), sodass die Diagnose nicht immer leicht zu stellen ist.
- Bei der ärztlichen Untersuchung wird die Haut begutachtet, ggf. werden auch Rachen und Augen untersucht.
- Bei Husten oder Atembeschwerden wird die Lunge abgehört. Zusätzlich kann eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden.
- Wenn die Augen betroffen sind, erfolgt eine Untersuchung in der Augenarztpraxis.
Behandlung
- Gegen den Juckreiz helfen Menthollösungen oder lokal betäubende Cremes (Lokalanästhetika), z. B. mit Zusatz von Polidocanol.
- Auch Antihistaminika zum Einnehmen lindern den Juckreiz.
- Bei starker Entzündungsreaktion kann eine Kortisoncreme verschrieben werden, bei schweren Verläufen auch Kortisontabletten.
- Sind Augen oder die Atemwege mit Reizung, Husten und/oder Atembeschwerden betroffen, ist es wichtig, ärztlichen Rat zu suchen. Gegen die Konjunktivitis und/oder die Atembeschwerden werden spezielle Medikamente empfohlen.
- In der Augenarztpraxis können ggf. die Brennhaare aus dem Auge entfernt werden.
- Entwickelt die betroffene Person einen anaphylaktischen Schock mit Benommenheit, Atemnot, Kreislaufkollaps etc., ist eine Notfallbehandlung erforderlich!
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