Diabetische Ketoazidose
Diabetische Ketoazidose
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Was ist die diabetische Ketoazidose?
Definition
Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine Stoffwechselentgleisung aufgrund von Insulinmangel. Die Krankheit ist definiert als eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels auf Werte von über 250 mg/dl (> 13,9 mmol/l) sowie eine hohe Konzentration von Ketonkörpern im Blut (Ketonämie) oder im Urin (Ketonurie), eine Übersäuerung des Bluts (pH < 7,3) und niedrige Werte für den „Säurepuffer“ Bikarbonat unter 270 mg/dl (< 15 mmol/l).
Eine solche Erkrankung erleiden vor allem Menschen mit Typ-1-Diabetes, eine Erkrankung, die in der Regel im Kindes- oder Jugendalter beginnt. Bei etwa 21 % der Patient*innen, bei denen sich ein Typ-1-Diabetes entwickelt, wird die Krankheit erst dadurch erkannt, dass es zu einer diabetischen Ketoazidose kommt. Hiervon sind insbesondere kleine Kinder betroffen. Auch im Verlauf des Diabetes-Typ-1 kann sich eine Ketoazidose ausbilden, wenn versehentlich zu wenig Insulin (im Verhältnis zum Bedarf) gespritzt wird. Nur in Ausnahmefällen tritt die Erkrankung bei Patient*innen mit Typ-2-Diabetes auf.
Symptome
Übermäßiger Durst und häufiges Wasserlassen sowie Müdigkeit bei Patient*innen mit Typ-1-Diabetes können darauf hindeuten, dass sich eine diabetische Ketoazidose entwickelt. Typisch sind außerdem Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und (starke) Bauchschmerzen.
Mit der Zeit führt eine diabetische Ketoazidose zu Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) wegen der großen Urinmengen; bei starkem Flüssigkeitsmangel erscheint die Haut faltig, die Lippen trocken und rissig. Bei zunehmender Krankheit kann es ohne Therapie zu Benommenheit oder Bewusstlosigkeit kommen.
Die Übersäuerung und Anhäufung von Ketonkörpern im Blut führen zu einem veränderten Atemmuster (sehr tiefe, langsame Atemzüge) und einer fruchtig riechenden Ausatemluft (Azetongeruch). Auch Muskelkrämpfe, z. B. in den Waden, können auftreten.
Ursachen
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Erkrankung, bei der es zu einer Zerstörung der insulinbildenden Zellen kommt. Wenn dem Körper Insulin fehlt, können die Körperzellen die Glukose (Zucker) aus dem Blut nicht aufnehmen. Dadurch steigt zum einen der Blutzuckerspiegel stark an, zum anderen steht den Körperzellen aber keine Glukose für die Energiegewinnung zur Verfügung. Daher stellen sie den Stoffwechsel um und gewinnen Energie über den Abbau von Fettsäuren. Durch diesen Weg jedoch sammeln sich Säuren und sog. Ketone im Körper an. Eine Zeit lang kann der Mensch dies kompensieren. Bleibt der Insulinmangel jedoch länger bestehen, so kann der entgleiste Stoffwechsel zu Bewusstlosigkeit bzw. Koma und sogar zum Tod führen.
Wenn sich bei einem Kind ein Typ-1-Diabetes langsam entwickelt und nicht schnell genug erkannt wird, kann eine diabetische Ketoazidose scheinbar plötzlich entstehen; das Kind muss dann notfallmäßig behandelt werden.
Ein häufiger Grund für eine Ketoazidose ist bei bereits bekanntem Diabetes eine zu niedrige Insulindosis bei erhöhtem Bedarf. Ursache hierfür kann z. B. eine Infektion sein, etwa ein Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung oder auch eine Operation. Eine andere Ursache ist eine Unterbrechung der Insulintherapie (z. B. bei einem technischen Fehler einer Insulinpumpe).
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes können übermäßiger Alkoholkonsum oder ebenfalls schwere Infektionen eine Ketoazidose auslösen.
Häufigkeit
- Pro Jahr tritt bei rund 5 % der Patient*innen mit bekanntem Typ-1-Diabetes in Deutschland eine diabetische Ketoazidose auf.
- Bei bis zu 30 % der Patient*innen mit Typ-1-Diabetes erfolgt die Erstdiagnose bei einer Ketoazidose.
Untersuchungen
Die typischen Symptome (s. o.) bei einem bekannten Diabetes lenken den Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose. Um die Diagnose zu bestätigen, wird der Glukosegehalt im Blut gemessen und der Urin auf Ketonkörper untersucht.
Bei Menschen mit Diabetes sollte bei akuten Beschwerden immer der Blutzucker kontrolliert werden. Auch bei Bewusstlosigkeit oder starke Bauchschmerzen bei Kleinkindern und Kindern ohne bekannte Diabetesdiagnose sollte der Blutzucker kontrolliert werden.
Bei Verdacht auf eine mittlere oder schwere Ketoazidose sollen die Betroffenen sofort in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Dort werden der Blutzucker, der pH-Wert des Blutes, die Elektrolyte und weitere Werte bestimmt.
Behandlung
Die diabetische Ketoazidose ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung und erfordert eine sofortige Behandlung im Krankenhaus. Es liegt immer ein deutlicher Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung) vor, sodass zuerst mit der Flüssigkeitszufuhr begonnen wird. Dies senkt auch den Blutzuckerspiegel. Nach und nach wird Insulin verabreicht, um den Blutzuckerspiegel weiter zu senken. Viele Patient*innen benötigen auch Kalium und Bikarbonat.
Während der Behandlung, in schweren Fällen auf der Intensivstation, werden die Patient*innen sorgfältig überwacht, und es werden regelmäßig verschiedene Blutwerte bestimmt. Ziel ist es, die Normalwerte im Blut langsam wiederherzustellen, um Komplikationen wie eine Hirnschwellung zu vermeiden.
Autorin
- Angelika Eisenried, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Diabetische Ketoazidose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. AWMF-Leitlinie Nr. 057-013, Stand 2023. register.awmf.org
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- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 057-016, Stand 2023. register.awmf.org
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