Palliative Behandlung bei Depression
Palliative Behandlung bei Depression
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Was ist Palliativbehandlung bei Depression?
Definition
Als Palliativmedizin wird die Therapie und Versorgung schwerkranker Patient*innen bezeichnet, die aufgrund ihrer Krankheit voraussichtlich nur noch wenige Monate (oft definiert als weniger als 9–12 Monate) zu leben haben.
Häufig widmet sich die Palliativmedizin Krebserkrankungen, aber auch bei anderen Erkrankungen wie progressiven neurologischen Erkrankungen oder AIDS kann die palliativmedizinische Versorgung von Bedeutung sein.
Die häufigsten psychischen Probleme von Patient*innen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium und anderen unheilbaren Erkrankungen sind Depression, Angstzustände und in späteren Krankheitsphasen Delir.
Symptome
Eine depressive Episode (Major Depression) wird definiert als mindestens 2 der 3 Symptome niedergeschlagene Stimmung, Verlust von Interesse und Freude sowie Antriebsminderung, wenn diese den größten Teil des Tages anhalten und nicht direkt auf eine körperliche Erkrankung oder Substanzmissbrauch zurückzuführen sind. Weitere Symptome sind herabgesetztes Selbstwertgefühl, Suizidgedanken und -versuche, Ab- oder Zunahme des Appetits sowie eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit.
Bei Patient*innen in Palliativbehandlung sind die körperlichen Symptome wie die schnelle Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit überwiegend oder ausschließlich durch die schwere Krankheit selbst, durch Begleiterkrankungen, aber auch durch die Therapie bedingt.
Kinder zeigen bei Depression oft ein für sie untypisches Verhalten sowie Symptome wie Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Ess- und Schlafstörungen.
Ursachen
Depressionen können unterschiedliche Ursachen haben, und meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Stets zu beachten ist, dass Gefühle der Niedergeschlagenheit, Angst, Ohnmacht und Trauer ganz übliche Reaktionen darauf sind, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden. Dazu kommen soziale, familiäre, wirtschaftliche und existenzielle Sorgen, Erfahrungen von Hilflosigkeit angesichts mangelnder Kontrolle über das Fortschreiten der Erkrankung oder über belastende Symptome wie Schmerzen, Übelkeit, Atemnot, Sturzneigung, kognitive Defizite usw. Eine fehlende oder unzureichende Aufklärung über medizinische oder pflegerische Maßnahmen kann ebenfalls zu depressiven Episoden beitragen.
Bei unheilbaren Erkrankungen wie Krebs oder neurologischen Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson liegen häufig aber auch organisch, also körperlich bedingte Depressionen vor. Allgemein können Elektrolytstörungen, z. B. Hyperkalzämie, Stoffwechselstörungen, z. B. Hyperthyreose, und Mangelzustände, z. B. Vitamin-D-Mangel, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten oder Drogen-, Alkoholabhängigkeit und Entzugssyndrome die Entstehung einer Depression begünstigen.
Häufigkeit
Psychische Erkrankungen treten bei schwerkranken Menschen etwas häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Die Häufigkeit hängt dabei vom Krankheitsstadium ab. Angst und Depression kommen am häufigsten im frühen Stadium einer Krebserkrankung vor. In den letzten Wochen/Tagen vor dem Tod treten meist psychotische Symptome und Delir in den Vordergrund. Angst und Depression können sich auch als körperliche Symptome mit starken Schmerzen, Unwohlsein und Atembeschwerden manifestieren.
Untersuchungen
- Die Diagnose basiert in erster Linie auf Gesprächen zwischen Ärzt*in und Patient*in.
- Ärzt*innen und ggf. Psychotherapeut*innen unterscheiden dabei zwischen „normalen“ psychologischen Reaktionen und psychischen Erkrankungen, die eine spezifische Therapie erfordern.
- Zur Feststellung und Verlaufsbeobachtung einer Depression verwenden Ärzt*innen zusätzlich zum Gespräch oft standardisierte Fragebögen.
- Depressive Episoden werden je nach Art, Anzahl und Ausmaß der Symptome eingeteilt.
- Bei Unsicherheiten in der Diagnose sowie in der Behandlungsplanung der Depression können psychiatrische/psychotherapeutische Expert*innen hinzugezogen werden. Dies ist auch bei akuter Suizidalität, Fremdgefährdung oder Nichtansprechen auf die antidepressive Therapie der Fall.
Behandlung
- Das Ziel der Therapie ist es, die Symptome der Depression zu lindern und die Lebensfreude zu erhöhen.
- Liegen Begleiterkrankungen vor, die erheblich zur depressiven Symptomatik beitragen, dann steht deren Behandlung im Vordergrund.
- Die Betroffenen sind im Sinne der partizipativen Entscheidungsfindung an den Therapieentscheidungen und der Planung pflegerischer Maßnahmen zu beteiligen, um gemeinsam realistische Ziele zu formulieren.
Nichtmedikamentöse Therapie
- Die Grundlage der nichtmedikamentösen Therapie der Depression bilden zielgerichtete Gespräche und eine individuelle psychologische Betreuung.
- In den psychologischen Gesprächen können individuelle Sorgen und Probleme geklärt werden. Es ist wichtig, emotionale Reaktionen zuzulassen.
- Bei Kindern sollte die Therapie immer in Zusammenarbeit mit einer Spezialabteilung für die Therapie von Kindern erfolgen.
- Umgebungsfaktoren wie gedämpftes, warmes Licht, Vermeidung von Lärm und Hektik, angenehme Musik, Düfte etc. können das Wohlbefinden steigern.
- Je nach Präferenz der Betroffenen können Körperübungen, Entspannungsverfahren, Akupunktur, Hypnotherapie, Kunst- und Musiktherapie, Meditation, Yoga oder Aromatherapie empfohlen werden.
Medikamentöse Therapie
- In der Regel werden Antidepressiva vor allem in Hinblick auf die Verträglichkeit, Nebenwirkungen und die Grunderkrankung ausgewählt.
- Generell wird eine niedrige Anfangsdosis empfohlen. Die Dosis wird dann langsam erhöht und an die Bedürfnisse der Patient*innen angepasst.
- In der Palliativsituation werden bevorzugt Wirkstoffe mit wenigen Neben- und Wechselwirkungen gewählt.
- Da die Wirkung der meisten Antidepressiva erst nach einigen Wochen voll eintritt, wird regelmäßig überprüft, ob das Medikament gut wirkt. Wenn nach 4–6 Wochen keine Besserung zu erkennen ist, sollte ein anderer Wirkstoff erwogen werden.
- Bei Ansprechen der Therapie sollte diese noch 4–9 Monate fortgeführt werden, um Rückfälle zu verhindern, und dann möglichst ausschleichend abgesetzt werden. In der Finalphase sollte der Einsatz von Antidepressiva ebenfalls beendet werden.
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