Delir in der Palliativmedizin
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Was ist ein Delir?
Definition
Bei einem Delir kommt es zu Verwirrtheit, die akut einsetzt und sich durch Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit sowie Gedächtnis- und Wahrnehmungsstörungen kennzeichnet. Die Symptome haben körperliche Ursachen oder Auslöser. Ein Delir tritt häufig bei älteren Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand auf, die plötzlich unter einer akuten Erkrankung leiden. Auch Patient*innen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium leiden häufig unter einem Delir.
Das Delir bildet sich in der Regel wieder zurück, kann aber wochen- oder monatelang anhalten.
Symptome
Die Symptome eines Delirs setzen plötzlich ein und können im Lauf des Tages schwanken. Bei manchen Betroffenen ist ein Delir von Angst und Unruhe begleitet, bei anderen kommt es zu Apathie und verminderter Aktivität. Oft führt ein Delir zu Wahrnehmungsstörungen, Gedächtnisverlust, verminderter Aufmerksamkeit und Orientierungslosigkeit. Ebenso können fehlerhafte Sinneswahrnehmungen und Sinnestäuschungen vorkommen, die zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen von Situationen führen. Manchmal treten starke Stimmungsschwankungen auf, sodass ein Delir mit einer Depression verwechselt werden kann. Typisch sind auch Schlafstörungen und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.
Ursachen
Ein Delir kann von einer Reihe organischer Ursachen ausgelöst werden. Medikamente sind eine häufige Ursache, insbesondere die Anwendung von Schmerzmitteln (z. B. Opioiden), Beruhigungsmitteln, Narkosemitteln und Psychopharmaka. Bei einem plötzlichen Absetzen von Beruhigungsmitteln, Opioiden und Alkohol kann es ebenfalls zu einem Delir kommen.
Grunderkrankungen des Gehirns (Demenz, Schlaganfall), Herzinfarkt oder Infektionen (z. B. Lungenentzündung oder Harnwegsinfekt) können ein Delir auslösen. Schmerzen und Schlafentzug können zu Verwirrtheit führen. Auch Stoffwechselstörungen, z. B. Austrocknung oder niedriger Blutzucker, können Symptome eines Delirs verursachen.
Risikofaktoren
- Tumoren oder Metastasen im Gehirn
- Hohes Alter
- Schwere körperliche Erkrankungen
- Reduzierter Allgemeinzustand, Unterernährung, Gebrechlichkeit
- Suchterkrankungen
- Hör- oder Sehstörungen
- Veränderte Umgebung, neue Kontaktpersonen, ungewohnte Eingriffe und Behandlungsmaßnahmen
- Vorausgehende Operationen
Häufigkeit
Bis zu 90 % aller Patient*innen mit einer zum Tode führenden Krankheit zeigen in den letzten Lebenswochen Anzeichen eines Delirs.
Untersuchungen
- Die Diagnose kann meist aufgrund der Symptome (s. o.) gestellt werden. Diese sollten so früh wie möglich erkannt werden.
- Verschiedene Untersuchungen werden durchgeführt, um die zugrunde liegende Ursache zu klären.
Behandlung
- Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die auslösenden Faktoren zu ermitteln und zu behandeln.
- Allgemeine Maßnahmen sind ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Nährstoffen, Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion, Mobilisierung, Schmerztherapie, Versorgung mit Sehhilfen und Hörgeräten, Kommunikation sowie die Integration bekannter Gegenstände in die Umgebung der Patient*innen.
Medikamente
- Starke Unruhezustände und Agitation können sowohl für die Patient*innen als auch die Angehörigen sehr unangenehm sein. Dann ist eine medikamentöse Behandlung möglich.
- In der Regel werden Neuroleptika (z. B. Haloperidol) eingesetzt, ggf. in Kombination mit Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen).
- Die Medikamente haben keinen Einfluss auf die Lebenserwartung, können jedoch Angst und Unruhe lindern.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Delir, palliative Behandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Pisani M. Assessment of delirium. BMJ Best Practice. Last reviewed: 22 Jan 2023, last updated: 13 April 2023. newbp.bmj.com
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- Bundesverfassungsgericht Pressemitteilung Nr. 59/2016 vom 25. August 2016: Die Beschränkung ärztlicher Zwangsbehandlung auf untergebrachte Betreute ist mit staatlicher Schutzpflicht nicht vereinbar. www.bundesverfassungsgericht.de
- Gesetz zur Änderung der materiellen Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen und zur Stärkung des Selbstbestimmungsrechts von Betreuten. Bundesgesetzblatt, 17. Juli 2017; S. 2426-28. www.bgbl.de
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