Blutgerinnsel in der Schwangerschaft

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Was ist ein Blutgerinnsel in der Schwangerschaft?

Definition

Eine Verstopfung in einem Blutgefäß wird als Blutgerinnsel oder Thrombus bezeichnet. Blutgerinnsel können im Kreislaufsystem des Körpers sowohl in Arterien (Blutgefäße, die das Blut vom Herzen weg leiten), als auch in Venen (Blutgefäße, die das Blut zum Herzen hin leiten) entstehen. Wenn ein Blutgerinnsel während der Schwangerschaft auftritt, handelt es sich meistens um ein venöses Blutgerinnsel (venöse Thromboembolie, VTE). Die Fälle variieren in ihrem Schweregrad, Blutgerinnsel können aber kurzfristig lebensbedrohlich sein und langfristig schwerwiegende Spätfolgen haben. Während einer Schwangerschaft ist das Risiko eines Blutgerinnsels bei Frauen fünffach höher.

Eine tiefe Venenthrombose ist ein Blutgerinnsel, das in einer größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Vene in der Wade oder im Oberschenkel sitzt. Gelegentlich kann sich ein solches Blutgerinnsel lösen und mit dem Blutstrom zum Herzen und zur Lunge fließen, eine sog. Lungenembolie ist die Folge.

Symptome

Die Symptome bei einer tiefen Venenthrombose können von sehr vagen bis hin zu starken Schmerzen in der Wade oder im Oberschenkel reichen. Schmerzen können einerseits beim Gehen auftreten, andererseits auch dann, wenn das Bein in Ruhe liegt. Die Wade oder der Oberschenkel können geschwollen und warm sein, die Haut färbt sich blau und die Blutgefäße unter der Haut werden sichtbar. Die Symptome bestehen nur auf einer Seite, in der Schwangerschaft meistens im linken Bein.

Ein Blutgerinnsel in der Lunge (Lungenembolie) verursacht plötzlich auftretende Brustschmerzen. Die Betroffenen entwickeln Atemnot, Herzklopfen und Husten, und es kann zu blutigem Auswurf kommen. Auch Bewusstlosigkeit ist möglich. Große Lungenembolien können lebensbedrohlich sein.

Ursachen

Verletzungen der Blutgefäße, Entzündungen und Gewebeschäden in Verbindung mit erhöhter Gerinnbarkeit des Blutes und Störungen des Blutflusses lösen den Prozess aus, der zu einer tiefen Venenthrombose führt. In der Schwangerschaft kann die Gebärmutter auf Blutgefäße im Bauch drücken und zu einer verminderten Durchblutung beitragen. Während einer Schwangerschaft treten daher bis zu 90 % aller tiefen Venenthrombosen im linken Bein auf. Außerdem bewirken die Hormonveränderungen, dass das Blut bei schwangeren Frauen leichter gerinnt als bei Frauen außerhalb der Schwangerschaft.

Embolien können entstehen, wenn sich Teile eines Blutgerinnsels lösen, der Blutbahn folgen und sich in engeren Blutgefäßen festsetzen.

Das Risiko eines Blutgerinnsels steigt mit dem Alter (älter als 35 Jahre), Übergewicht (BMI > 30), der Anzahl früherer Schwangerschaften und bestimmten Vorerkrankungen. Die Schwangerschaft an sich ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Blutgerinnsels. Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt erhöhen das Risiko weiter. Zusätzliche Faktoren, die das Risiko erhöhen, sind Infektionen, Rauchen, Kaiserschnitt, Bettlägerigkeit, Langstreckenflüge und Operationen. Erkrankungen im Blutgerinnungssystem (Thrombophilie) erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel deutlich.

Häufigkeit

Blutgerinnsel in den Venen kommen bei 0,5–2 von 1.000 Schwangerschaften vor und zählen zu den führenden Todesursachen in Schwangerschaft und Wochenbett. Das Risiko nimmt im Verlauf der Schwangerschaft zu. Das höchste Risiko besteht in der ersten Woche nach der Entbindung, ein Kaiserschnitt erhöht das Risiko nochmal um das Fünffache. Bei Frauen, die Blutgerinnsel während einer Schwangerschaft hatten, liegt das Risiko neuer Blutgerinnsel bei 4,5 % im Falle einer weiteren Schwangerschaft.

Untersuchungen

  • Die typischen Symptome können den Verdacht liefern, dass Sie ein Blutgerinnsel haben.
  • Die Diagnose kann allerdings einerseits leicht übersehen werden, und andererseits liegt lediglich bei einem Teil der Fälle, in denen ein Blutgerinnsel vermutet wird, auch wirklich eines vor.

Bei tiefer Venenthrombose

  • Ein Ultraschall der Bein- und Beckenvenen ist die bevorzugte Untersuchung bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose. Die Untersuchung ist sicher und hat eine hohe diagnostische Genauigkeit.
  • Zusätzlich wird eine Blutprobe (D-Dimer-Test) empfohlen. Der D-Dimer-Test ist jedoch in der Schwangerschaft weniger aussagekräftig, da der Wert bei schwangeren Frauen häufig erhöht ist.
  • Wenn sowohl D-Dimer als auch Ultraschall negativ ausfallen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Blutgerinnsel sehr gering.
  • Wenn ein Blutgerinnsel im Becken vermutet wird, kann eine MR-Phlebografie durchgeführt werden. Mit diesem Verfahren können die Venen im Oberschenkel und Becken dargestellt werden. In der Schwangerschaft wird auf die Verwendung von Kontrastmitteln verzichtet. 

Bei Lungenembolie

  • Zur Diagnose einer Lungenembolie wird eine D-Dimer-Probe genommen und ein Ultraschall der Wade bzw. des Oberschenkels durchgeführt. Falls beide Untersuchungen negativ ausfallen, spricht dies stark gegen eine Lungenembolie.
  • Wenn eine Lungenembolie jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz, z. B. CT-Angiografie oder Szintigrafie. Die Strahlenbelastung durch diese Untersuchungen gilt in der Schwangerschaft als unbedenklich.
  • Um andere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge auszuschließen, können ein EKG und eine Röntgenuntersuchung der Lunge durchgeführt werden.

Behandlung

  • Blutgerinnsel in den Beinen können nach erfolgter Diagnostik ambulant behandelt werden.
  • Eine Lungenembolie ist ein Notfall und erfordert eine Behandlung im Krankenhaus.
  • Um das Blutgerinnsel aufzulösen, werden gerinnungshemmende Medikamente (Heparin) über mindestens 3 Monate verabreicht. In der Regel werden niedermolekulare Heparine verwendet. Nach der Entbindung kann ggf. auf Vitamin-K-Antagonisten umgestellt werden.
  • Bei einer lebensbedrohlichen Lungenembolie kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.
  • Bei tiefen Venenthrombosen wird ein frühzeitiger Beginn einer Kompressionstherapie empfohlen, d. h. Sie sollten an dem betroffenen Bein Kompressionsstrümpfe tragen. Dadurch kann ein sog. postthrombotisches Syndrom verhindert werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thromboembolie in der Schwangerschaft. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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