Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis)
Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis)
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine chronische Pankreatitis?
Definition
Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um wiederkehrende Entzündungsschübe der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die im Verlauf zu einer Zerstörung des Pankreasgewebes führen. Durch die Entzündungsprozesse kommt es zur Bildung von narbigem Bindegewebe und dem fortschreitenden Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse.
In der gesunden Bauchspeicheldrüse werden Enzyme gebildet, die im Darm Nahrungsbestandteile (v. a. Fette) aufspalten und daher für die Verdauung sowie die Aufnahme verschiedener Vitamine aus der Nahrung sehr wichtig sind (sog. exokrine Funktion des Pankreas). Die sog. Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produzieren zudem das Hormon Insulin, das dafür sorgt, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird (sog. endokrine Funktion des Pankreas).
Symptome
Charakteristisch für diese Erkrankung sind wiederkehrende dumpfe, brennende Schmerzen im Oberbauch, die ringförmig und/oder in den Rücken ausstrahlen. Die Schmerzen können mehrere Tage andauern und immer wieder auftreten. Bei einem fortschreitenden Verlust der Bauchspeicheldrüsenfunktionen kommt es zu einem Gewichtsverlust und einer veränderten Konsistenz des Stuhls mit glänzendem, lehmfarbenem und klebrigem Erscheinungsbild (Fettstuhl) bis hin zu Durchfall. Blähungen, Übelkeit und Erbrechen können auftreten.
Durch die fehlende Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen aus dem Darm kann es zu einer Blutungsneigung, Sehstörungen, trockener Haut, Infektanfälligkeit und sogar neurologischen Symptomen kommen. Durch den Mangel des Hormons Insulin kann ein Diabetes mellitus entstehen.
Ursachen
Häufige Ursachen
- Alkoholmissbrauch
- Die häufigste Ursache (70–80 % der Fälle) einer chronischen Pankreatitis ist ein langjähriger Alkoholmissbrauch. Eine Mindestaufnahme von 80 g Alkohol pro Tag über einen Zeitraum von 6 bis 12 Jahren wird als ursächlich angesehen.
- Idiopathische chronische Pankreatitis (ICP)
- Bei einigen Patient*innen (10–20 %) lässt sich auch nach sorgfältiger Abklärung keine klare Ursache feststellen.
Seltenere Ursachen
- Vererbte Pankreatitis
- Abflussbehinderung des Bauchspeicheldrüsengangs durch Zysten, Tumore oder Verletzungen
- Angeborene Fehlbildung des Bauchspeicheldrüsengangs oder der Bauchspeicheldrüse
- Autoimmune Pankreatitis oder als Begleiterscheinung bei anderen Autoimmunerkrankungen (Sjögren-Syndrom, primär biliäre Zirrhose)
- Zystische Fibrose
- Erhöhte Kalziumwerte (Hyperkalzämie) oder erhöhte Parathormonwerte (Hyperparathyreoidismus)
- Rauchen gilt als Risikofaktor und beschleunigt den Krankheitsverlauf.
Häufigkeit
Etwa 40–70 pro 100.000 Personen weltweit leiden an einer chronischen Pankreatitis. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Das Erkrankungsalter liegt zwischen 25 und 50 Jahren. Insgesamt beobachtet man eine Zunahme der Fälle weltweit. Etwa 5 % der alkoholabhängigen Menschen entwickeln eine chronische Pankreatitis. Eine idiopathische chronische Pankreatitis tritt gehäuft bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und bei Männern nach dem 50. Lebensjahr auf.
Untersuchungen
Die Diagnose erfolgt anhand von Anamnese (Krankengeschichte), Symptomen und klinischem Befund. Zudem beurteilt die Ärztin/der Arzt, wie wahrscheinlich alternative Diagnosen sind. Da Alkoholkonsum einer der Hauptursachen für eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist, ist die Frage nach regelmäßigem Alkoholkonsum für die behandelnden Ärzt*innen wichtig.
Blut- und Stuhluntersuchungen geben Aufschluss darüber, wie stark die Pankreasenzyme/-hormone bereits vermindert sind. Blutuntersuchungen geben Hinweise auf einen vorliegenden Diabetes mellitus.
In der Regel sind auch bilddiagnostische Untersuchungen erforderlich, um die Schäden an der Bauchspeicheldrüse genauer beurteilen zu können. Dies kann mittels Ultraschall, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder spezieller Untersuchungen geschehen, ggf. mit Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe.
Behandlung
Allgemeines
Neben der Schmerzlinderung zielt die Behandlung vor allem darauf ab, das Fortschreiten der Pankreasfehlfunktion hinauszuzögern und die vorhandenen Mängel auszugleichen, indem Patient*innen die notwendigen Enzyme in Tablettenform zu sich nehmen und sich entsprechend ausgewogen ernähren.
Eine spezielle Ernährungsform bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung gibt es nicht. Eventuell kann es sinnvoll sein, die Fettaufnahme etwas einzuschränken. Eine generell fettarme Diät ist nicht sinnvoll, da es so auch zur verminderten Aufnahme wichtiger fettlöslicher Vitamine kommt. Positiv wirken sich 4 bis 6 kleinere Mahlzeiten anstatt 3 großen Mahlzeiten aus.
Um eine Verschlimmerung der Erkrankung zu verhindern, ist eine konsequente Alkoholabstinenz unerlässlich. Rauchen verstärkt die Zerstörung des Pankreasgewebes und verzögert damit die Heilung; ein Rauchstopp ist also ebenfalls entscheidend.
Liegt ein Diabetes mellitus vor, muss die Ernährung zusätzlich an die Erkrankung angepasst werden und ggf. Medikamente verordnet werden.
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
Folgende Medikamente kommen bei der Behandlung der chronischen Pankreatitis infrage:
Schmerzmittel
Schmerztabletten sollten in ausreichendem Maß eingesetzt werden. Dabei wird nach dem sog. WHO-Stufenschema vorgegangen:
- Stufe 1: Nicht-Opioide, bevorzugt Paracetamol
- Stufe 2: schwach wirksame Opioide, bevorzugt Tramadol
- Stufe 3: stark wirksame Opioide, bevorzugt Oxycodon.
Auch Pregabalin, ein Medikament, das gut bei Nervenschmerzen wirksam ist, kann ergänzend eingesetzt werden.
Pankreasenzyme
Bei Vorliegen von Fettstühlen, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen können Pankreasenzyme (Pankreatin) in Tablettenform die Nährstoffaufnahme im Darm verbessern. Außerdem können sie zur Linderung von Schmerzen beitragen und damit die Lebensqualität verbessern.
Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel mit fettlöslichen Vitaminen können einen vorhandenen Vitaminmangel ausgleichen.
Behandlung eines Diabetes
Bei Vorliegen eines Diabetes mellitus kann eine Behandlung mittels Tabletten oder Insulin erforderlich sein.
Endoskopische Eingriffe
Kommt es infolge der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zu Verwachsungen, die z. B. den Galleabfluss oder den Abfluss von Pankreasekret behindern, oder zur Bildung von Gallensteinen oder Pseudozysten (Wasseransammlungen um die Bauchspeicheldrüse), kann eine Behandlung dieser Komplikationen mithilfe eines Endoskops erfolgen.
Operation
Führt eine medikamentöse Behandlung oder ein endoskopischer Eingriff nicht innerhalb von 6 Monaten bzw. 3 Monaten hinsichtlich der Schmerzbehandlung nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, wird eine Operation empfohlen.
Verschiedene operative Maßnahmen können dabei zum Einsatz kommen, um geschädigtes Gewebe oder Zysten des Pankreas zu entfernen, einen verengten Ausführungsgang zu erweitern, Teile der Bauchspeicheldrüse zu entfernen oder andere Komplikationen zu behandeln.
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag