Aortenklappeninsuffizienz
Aortenklappeninsuffizienz
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Was ist eine Aortenklappeninsuffizienz?
Definition
Eine Aorteninsuffizienz oder Aortenklappeninsuffizienz (AI) ist der Rückfluss von Blut aus der Aorta in die linke Kammer des Herzens während der Entspannungsphase (Diastole) durch unzureichenden Verschluss der Aortenklappe. Da dadurch das Herz stärker schlagen muss, kommt es zu Bluthochdruck während der Kontraktionsphase (Systole) und einer Erweiterung der Aorta, was zusätzlich zum verminderten Klappenschluss beiträgt.
Symptome
Das Herz kann eine gewisse Undichtigkeit der Klappe kompensieren und vergrößert sich, deshalb treten oft lange Zeit keine Beschwerden auf. Wenn das Herz dadurch überlastet wird, kommt es zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit, spürbarem Herzklopfen, Atemnot und Brustschmerzen.
Ist die Krankheit weit fortgeschritten, kann es zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kommen.
Ursachen
Häufigste Ursache für die Undichtigkeit der Aortenklappe in westlichen Industrieländern sind angeborene Klappenfehlbildungen und degenerative Veränderungen. Das rheumatische Fieber ist die häufigste Ursache in Entwicklungsländern.
Ein häufiger Grund ist zudem die „Verkalkung“ der Arterien im Rahmen einer Arteriosklerose. Mögliche weitere Ursachen sind angeborene Bindegewebsschwächen wie das Marfan-Syndrom und rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Gefäßentzündungen (Vaskulitis).
Besonders eine Klappeninfektion (Endokarditis), eine Aortendissektion oder eine Brustkorbverletzung können auch eine akute Aorteninsuffizienz auslösen. Bei dieser sind keine Adaptationsmechanismen möglich, und es kommt zu einem raschen Anstieg des Blutdrucks am Ende der Füllungsphase, einem Abfall des Schlagvolumens und niedrigem Blutdruck/Schock.
Häufigkeit
Eine leichte Aortenklappeninsuffizienz (AI) ist mit einer Verbreitung von 5–10 % der Bevölkerung häufig. Dagegen treten eine mittel- oder hochgradige AI nur bei ca. 0,5 % auf.
Das Auftreten steigt mit dem Lebensalter, wobei die Diagnose am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr gestellt wird.
Die AI ist der dritthäufigste erworbene Herzklappenfehler in der westlichen Welt. Die Häufigkeit einer behandlungsbedürftigen AI ist aber deutlich niedriger als jene einer Aortenklappenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz.
Untersuchungen
- Wichtige Hinweise für die Diagnose liefern die körperlichen Beschwerden und eine körperliche Untersuchung.
- Der Blutrückfluss zum Herzen sorgt für ein charakteristisches Geräusch, das beim Abhorchen mit dem Stethoskop (Auskultation) wahrgenommen werden kann.
- Eine Blutdruckmessung, bei der die beiden Werte weit auseinander liegen (große Blutdruckamplitude mit hohem systolischen und niedrigem diatolischen Wert) kann auf eine Aorteninsuffizienz hinweisen.
- Eine Elektrokardiografie wird durchgeführt, ist jedoch bei leichter bis mittelgradiger AI häufig noch unauffällig.
- Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes kann eine Vergrößerung der linken Herzkammer, eine Erweiterung der Aorta und evtl. Zeichen der Lungenstauung zeigen.
- Eine Laboruntersuchung kann charakteristische Blutwerte für eine AI zeigen.
- Die Diagnose wird sichergestellt durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie). Mithilfe der Echokardiografie lässt sich zudem das Aussehen der Aortenklappe und umgebenden Bereiche beurteilen, der Mechanismus der AI bestimmen sowie der Schweregrad der AI einschätzen.
- Bei Patient*innen mit Erweiterung der Aorta sollte eine genaue Einschätzung des Ausmaßes per Computertomografie erfolgen.
- Bei unzureichenden echokardiografischen Untersuchungsbedingungen kann eine Magnetresonanztomografie für die Bestimmung des Mechanismus der AI, die Einschätzung des Schweregrades, die Erfassung einer Aortenerkrankung und die Beurteilung der linken Herzkammer eingesetzt werden.
- Ist eine Operation geplant, sind weitere Untersuchungen wie eine Herzkatheter-Untersuchung notwendig, um eine koronare Herzkrankheit abzuklären.
Behandlung
- Leichte bis mittelschwere AI sind häufig, und bei Patient*innen ohne Beschwerden mit normaler Größe und Funktion der linken Herzkammer sind nur Verlaufskontrollen notwendig.
- Akute schwere AI bedürfen einer dringlichen OP. Zur Prognoseverbesserung bei chronischer, schwerer AI mit Symptomen bzw. bei asymptomatischen Patient*innen mit Erweiterung oder Fehlfunktion der linken Herzkammer ist ebenfalls eine operative Versorgung notwendig.
- Eine undichte Aortenklappe kann in einer Operation repariert oder gegen eine biologische (von Mensch oder Tier) bzw. mechanische (größtenteils aus Metall) Klappe ausgetauscht werden.
- Der Klappenersatz ist dabei die Standardprozedur bei der Mehrheit der Patient*innen.
- Ab einem Alter von 65–70 Jahren werden bevorzugt Bioprothesen eingesetzt (keine Dauerantikoagulation notwendig).
- V. a. für junge Patient*innen kann eine klappenerhaltende OP erwogen werden.
- Bei starken Beschwerden werden Medikamente eingesetzt, die das Herz entlasten sollen. Verwendet werden vor allem Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer. Es gibt jedoch keine Belege, dass diese ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder die Prognose für die Patient*innen verbessern.
- Betablocker sollten – sofern noch keine Herzinsuffizienz vorliegt – vermieden werden.
- Patient*innen mit anhaltender Herzinsuffizienz nach OP werden nach den für Herzinsuffizienz geltenden Richtlinien behandelt.
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