Venenthrombose im Auge
Venenthrombose im Auge
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Was ist eine Venenthrombose im Auge?
Definition
Bei einer Venenthrombose im Auge kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss einer oder mehrerer Venen in der Netzhaut. Je nach betroffenem Gefäß unterscheidet man einen Zentralvenenverschluss von einem Venenastverschluss. Venenastverschlüsse kommen häufiger vor.
Symptome
Die Venenthrombose führt zu einer Verschlechterung des Sehvermögens auf einem Auge. Bei einem Venenastverschluss kommt es zu allmählich auftretenden Schatten im Gesichtsfeld. Der Verschluss ist nicht mit Schmerzen verbunden. Die Symptome entwickeln sich oft über mehrere Stunden bis Tage und sind morgens in der Regel stärker ausgeprägt.
Ursachen
Die Venenthrombose in der Netzhaut wird dadurch verursacht, dass sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) bildet, das die Vene verschließt. Bei der verschlossenen Vene kann es sich um die Zentralvene oder einen Venenast in der Netzhaut handeln. Bei einem Zentralvenenverschluss ist die Sehbeeinträchtigung meist stärker ausgeprägt. Je nach Lokalisation eines Venenastverschlusses sind verschiedene Bereich der Netzhaut beeinträchtigt.
Es wird angenommen, dass die betroffene Vene durch eine nahegelegene Arterie und deren Wandveränderung (z. B. durch Arteriosklerose) zusammengepresst (komprimiert) wird. Dies führt dazu, dass der Blutfluss innerhalb der Vene verlangsamt wird. Das Blut gerinnt, und es bildet sich ein Thrombus. Durch den Verschluss kommt es in vorgeschalteten Venenabschnitten zu einem erhöhten Druck, was zu einer Kräuselung und zum Platzen kleinerer Gefäße führen kann.
Es sind einige Faktoren bekannt, die das Risiko für eine Venenthrombose im Auge erhöhen, u. a.:
- Arteriosklerose
- Rauchen
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
- hohe Blutfettwerte
- Diabetes
- Blutgerinnungsstörungen und
- grüner Star (Glaukom).
Häufigkeit
Nach diabetischen Augenerkrankungen sind Venenthrombosen die zweithäufigsten Gefäßerkrankungen des Auges. Die Häufigkeit venöser Verschlüsse der Netzhaut wird auf 0,7–1,6 % der Bevölkerung geschätzt. Eine Venenthrombose im Auge tritt bei Frauen und Männern gleich oft auf.
Das Vorkommen von Venenthrombosen im Auge steigt mit dem Alter: Die meisten Betroffenen sind älter als 50 Jahre, häufig sogar älter als 65 Jahre. Das Risiko, einen Zentralvenenverschluss auch am nicht erkrankten Auge zu erleiden, liegt bei 7 % innerhalb von 4 Jahren.
Untersuchungen
- Der Verdacht auf einen Gefäßverschluss im Auge verstärkt sich, wenn zusätzlich zu den typischen Symptomen einer der genannten Risikofaktoren vorliegt.
- Es werden typische Vitalparameter wie der Blutdruck oder Blutwerte wie Blutzucker, Fettwerte oder Hämoglobin erhoben und eine Elektrokardiografie durchgeführt.
- Mithilfe einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie), bei der der Augenhintergrund ausgeleuchtet wird, können Augenärzt*innen erkennen, ob eine Schädigung der Netzhaut vorliegt.
- In einer Augenklinik können auch spezielle Untersuchungen wie eine Fluoreszenzangiografie durchgeführt werden.
Behandlung
- Bei einer Venenthrombose im Auge kann es sinnvoll sein, das Blut zu verdünnen (Hämodilution). Hierzu werden Infusionen verabreicht und gleichzeitig Blut durch einen Aderlass entzogen. Ziel dieses Verfahrens ist, die Prognose für das Sehvermögen zu verbessern.
- Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer, also umgangssprachlich sog. „Blutverdünner“ (eigentlich Gerinnungshemmer), sind aufgrund fehlender Evidenz bzw. teilweise sogar negativer Effekte nicht empfohlen.
- Zudem werden eventuelle Grunderkrankungen und Risikofaktoren bestimmt und entsprechend behandelt. Es können Komplikationen auftreten, auf die die Patient*innen hin beobachtet werden.
- Es kann beispielsweise zu einer Schwellung der Makula (Makulaödem) oder zu einer Neubildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation) kommen.
- Eventuell werden zur Therapie der Komplikationen Medikamente (VEGF-Hemmer, Kortikosteroide) in das Auge gespritzt oder eine Laserbehandlung durchgeführt.
- In der akuten Phase kann es hilfreich sein, den Kopf beim Schlafen etwas höher zu lagern.
Autor
- Markus Plank, MSc, BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Retinagefäße, venöser Verschluss. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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