Steißbeinschmerzen
Steißbeinschmerzen
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Was sind Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie)?
Definition
Steißbeinschmerzen sind Schmerzen im Bereich des Steißbeins (Os coccygis). Dabei handelt es sich um das dreieckige Endstück der Wirbelsäule, bestehend aus zwei bis fünf einzelnen Wirbelkörpern, die häufig miteinander verschmolzen sind.
Seinen Namen erhält das Steißbein durch seine einem Kuckuck(schnabel) (lat. coccygis) ähnliche Form.
Symptome
- Als Hauptsymptom treten Schmerzen direkt am untersten Segments des Steißbeins auf, insbesondere beim Sitzen auf ebenen und harten Oberflächen.
- Gelegentlich haben die Patient*innen das Gefühl, dass sich das Steißbein bei Lageveränderungen bewegt.
- Während des Stuhlgangs, beim Geschlechtsverkehr oder in nach hinten geneigter Sitzposition (z. B. beim Autofahren), können sich die Schmerzen ggf. verstärken.
- Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung haben die Patienten*innen häufig bereits einen langen Leidensweg und zahlreiche Arztkontakte hinter sich.
Ursachen
Die Hälfte der Patient*innen mit Steißbeinschmerzen erinnert sich an ein Trauma in der Vorgeschichte (Sturz etc.), das die Schmerzen begründen könnte.
Ging den Schmerzen kein Trauma voraus, kommt eine Vielzahl anderer Ursachen infrage, z. B.:
- eine Überbeweglichkeit oder eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks zwischen Sitz- und Steißbein (Sakrokokzygealgelenk)
- krankhafte Verschleißerscheinungen der Gelenke (degenerative Gelenkerkrankungen)
- Varianten in der Anatomie des Steißbeins
- oder sog. Somatisierungsstörungen (körperliche Symptome, deren Ursache nicht geklärt werden kann)
Häufigkeit
- Steißbeinschmerzen kommen relativ selten vor, weniger als 1 % der Bevölkerung ist betroffen.
- Frauen sind 4- bis 5-mal häufiger betroffen, insbesondere nach Schwangerschaften.
- Kinder leiden so gut wie nie an Steißbeinschmerzen.
- Begünstigend für eine Entwicklung der Schmerzen sind sitzende Tätigkeiten sowie ein starker Gewichtsverlust (aufgrund der abnehmenden mechanischen Polsterung).
Untersuchungen
- Im Rahmen der klinischen Untersuchung kann der Arzt/die Ärztin häufig eine nach vorne geneigte Sitzposition der Patient*innen beobachten, da es so zu einer Druckentlastung des Steißbeins und somit auch zu einer Erleichterung der Schmerzen kommt.
- Von außen betrachtet bestehen bei Steißbeinschmerzen i. d. R. keine Auffälligkeiten.
- Bei Druck auf das Steißbein können die Ärzt*innen einen Schmerz direkt über der Steißbeinspitze auslösen.
- Die Stabilität der Vorderseite des Steißbeins wird von außen überprüft, zur Stabilitätsprüfung der hinteren Anteile ist ein Betasten über den Enddarm notwendig (digital rektale Untersuchung).
- Die Untersuchung über den Enddarm ist ebenfalls wichtig zum Ausschluss anderer Schmerzursachen, wie z. B. einer Entzündung der Prostata (Vorsteherdrüse) bei Männern oder Tumoren (z. B. im Bereich des Enddarms).
- Eine Röntgenuntersuchung des Steißbeins im Sitzen und im Stehen sind die aussagekräftigste bildgebende Diagnostik bei Steißbeinschmerzen.
- Neben anatomischen Abweichungen der Struktur des Steißbeins und Brüchen können mittels dieser Untersuchungen auch eine Überbeweglichkeit des Steißbeins und teilweise Ausrenkungen desselben aus dem Kreuzbein-Steißbein-Gelenk gesehen werden.
- Zur Diagnosefindung kann ebenfalls die starke Verringerung der Schmerzen nach Einspritzen eines schmerzhemmenden Medikaments (Lokalanästhetikum) in die knöcherne Struktur des Steißbeins dienen (diagnostische Infiltration).
Behandlung
Konservative Behandlung (ohne Operation)
Zunächst sollte eine konservative Therapie erfolgen. Diese besteht aus einer Stufentherapie mit Verabreichung schmerz- und entzündungshemmender Medikamente in Form von Tabletten (NSAR, z. B. Ibuprofen 400 mg 3-mal täglich) oder Salben (z. B. Diclofenac-Salbe 1- bis 2-mal täglich), in Kombination mit Ring- oder Keilkissen und krankengymnastischem Haltungstraining. Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente (Lokalanästhetika und kortisonhaltige Medikamente) können auch in Spritzenform verabreicht werden (therapeutische Injektion). Der Einsatz von Medikamenten sollte allerdings allgemein auf einen kurzen Zeitraum beschränkt bleiben.
Im Rahmen einer manuellen Therapie wird die Muskulatur in der Umgebung des Steißbeins gelockert, bzw. die normale Beweglichkeit wiederhergestellt.
Sollte ein Hinweis auf eine psychologische Ursache der Schmerzen bestehen, können ggf. Antidepressiva und/oder Psychotherapie zu einer Verbesserung der Symptome führen.
Operation
Ein operativer Eingriff (Entfernung des Steißbeins/Kokzygektomie) wird nur nach einer unzureichenden Wirkung einer konservativen Therapie über mindestens 6 Monate, einer in der körperlichen Untersuchung und Röntgendiagnostik festgestellten deutlichen Instabilität des Steißbeins und positivem Ergebnis der diagnostischen Infiltration (s. o.) in Erwägung gezogen.
Zu bedenken gilt allerdings, dass es bei bis zu 30 % der operierten Patient*innen aufgrund der anatomischen Druckbelastung nach der Operation zu Komplikationen kommt (Infektionen im Wundbereich bzw. klaffende Wundränder).
Weitere Maßnahmen
Den Patient*innen können zusätzlich Sitzbäder, weiche oder zirkuläre Sitzkissen, Fangopackungen und Massagen empfohlen werden.
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