Postoperative Wundinfektionen

Postoperative Wundinfektionen

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Was sind postoperative Wundinfektionen?

Definition

Bei Operationen ist es trotz höchster Hygienemaßnahmen nicht möglich, völlige Keimfreiheit zu erreichen. Diese Keime können die Operationswunden befallen. Dabei kann entweder der Hautschnitt, das operierte Organ oder die während der Operation eröffnete Körperhöhle betroffen sein. Je nach Eingriff gelten Infektion bis 30 bzw. 90 Tage nach der OP als postoperativ.

Einteilung

Postoperative Wundinfektionen werden unterteilt in oberflächliche Wundinfektionen, die die Haut und das subkutane Gewebe miteinbeziehen, tiefe Wundinfektionen, die außerdem die Muskelhaut (Faszie) und evtl. auch die Muskulatur miteinbeziehen, sowie Infektionen, die Organe oder Körperhöhlen, die während der Operation geöffnet wurden, betreffen.

Symptome

Typische Anzeichen sind zunehmende Schmerzen im Bereich der Wunde und möglicherweise Fieber. Nach und nach kommt es zu Schwellungen, Rötungen, lokaler Erwärmung und möglicherweise einem Nässen der Wunde. Es kann zu einem erhöhten Puls und niedrigem Blutdruck kommen.

Ursachen

Mehrere Faktoren sind entscheidend dafür, ob es zu einer Infektion kommt. Der Allgemeinzustand der behandelten Person ist ein wichtiger Aspekt: Patient*innen mit Grunderkrankungen, mangelernährte Personen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko für Wundinfektionen. Krebs oder eine Krebstherapie erhöhen ebenfalls das Risiko für Wundinfektionen. Allerdings schwächt jede größere Operation die Abwehrkräfte des Körpers, sodass auch bei sonst Gesunden eine Operation mit einem erhöhten Risiko für Entzündungen einhergeht.

Weiterhin spielt es eine Rolle, an welcher Körperregion die Operation durchgeführt wird. Bei Operationen im Bauchraum kommt es häufiger zu anschließenden Wundinfektionen, z. B. bei der Eröffnung des Dickdarms. Eine nicht sachgerechte Desinfektion oder OP-Vorbereitung kann ebenfalls zu Wundinfektionen führen. Auch die Dauer und Art des Eingriffs sowie die Operationstechnik einschließlich Blutstillung spielen eine Rolle.

Häufigkeit

In den 5 Jahren zwischen 2018 und 2022 traten in deutschen Krankenhäusern 16.713 postoperative Infektionen auf. Postoperative Wundinfektionen hatten mit 24 % aller Infektionen daran den größten Anteil. Postoperative Wundinfektionen kommen nicht nur bei stationären Operationen vor, also wenn die Patient*innen danach im Krankenhaus bleiben müssen, sondern auch nach ambulanten Operationen.

Untersuchungen

  • Zur Diagnose einer postoperativen Wundinfektion werden Art, Zeitpunkt und Umstände der Operation sowie eventuell bestehende Vorerkrankungen abgefragt.
  • Typische Hinweise sind Rötung, Schwellung, eitriges Sekret, Geruch, Schmerzen und ggf. allgemeine Erkrankungszeichen.
  • Infektionen in der Tiefe können äußerlich ohne Anzeichen bleiben. Hier ist der zunehmende Schmerz das entscheidende Symptom.
  • Im Zweifelsfall kann die Wunde in einem verdächtigen Bereich vorsichtig eröffnet werden.
  • Zur Bestimmung der verantwortlichen Bakterien erfolgt ein Wundabstrich. Gegebenenfalls wird eine Blutkultur angelegt.
  • Im Labor werden der Hämoglobinwert und allgemeine Entzündungsparameter bestimmt.
  • Bei Bedarf kann ein Ultraschall oder eine Untersuchung per Magnetresonanztomografie/Computertomografie durchgeführt werden.

Behandlung

  • Bei sehr oberflächlichen Wunden ist unter engmaschiger Kontrolle ein Therapieversuch ohne Wiedereröffnung der Wunde nur mit Antibiotika möglich.
    • Wenn feststeht, welche Bakterien die Infektion verursacht haben, kann zu einem besser geeigneten Antibiotikum gewechselt werden.
  • Ansonsten muss die Wunde erneut geöffnet werden, ggf. mit zusätzlicher Antibiotikatherapie. Bei Verdacht auf eine oberflächliche Wundinfektion wird das Nahtmaterial (teilweise) entfernt und die Operationswunde (teilweise) wiedereröffnet, damit sie im offenen Zustand abheilen kann.
  • Bei tieferen Infektionen wird abgestorbenes Gewebe z. B. mittels Skalpell bis in intakte anatomische Strukturen abgetragen.
  • Danach wird die Wunde bei jedem Verbandwechsel gereinigt, bevorzugt mit neutralen wirkstofffreien Lösungen (z. B. NaCl/Kochsalz 0,9 %).
  • Je nach Art der Wunde wird eine geeignete Wundauflage gewählt, damit das Milieu weder zu trocken noch zu feucht ist.
  • Bei sehr sauberen und gut verheilenden Wunden kann der erneute Verschluss der Wunde im Verlauf erwogen werden.
  • Manchmal ist bereits während der Operation klar, dass ein hohes Risiko für eine Wundinfektion besteht. In diesem Fall kann eine prophylaktische Behandlung mit Antibiotika hilfreich sein.
  • Ein erster Verbandwechsel sollte nach 48 Stunden erfolgen.
  • Die Wundheilung wird regelmäßig kontrolliert.
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