Skoliose (Seitabweichung der Wirbelsäule)

Skoliose (Seitabweichung der Wirbelsäule)

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Was ist eine Skoliose?

Definition

Die Skoliose ist eine seitliche Drehverbiegung der Wirbelsäule, die zu einer 3-dimensionalen Deformität führt. Sie entsteht durch eine veränderte Form bzw. Ausrichtung der Wirbelkörper, sodass die Wirbelsäule seitlich verbogen und gleichzeitig rotiert ist.

Meistens tritt eine Skoliose ohne erkennbare Ursache, also idiopathisch, auf. In manchen Fällen ist die Skoliose die Folge einer anderen Erkrankung, z. B. Nerven- oder Muskelerkrankungen.

Skoliosen können allerdings auch ohne strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule auftreten, z. B. im Rahmen von einer veränderten Körperhaltung durch Schmerzzustände oder durch einen Beckenschiefstand. Man spricht dann von einer funktionellen Skoliose, die meist durch Haltungsveränderungen rückgängig zu machen ist (reversibel).

Symptome

Viele Skoliosen machen zunächst keine oder nur geringe Beschwerden und werden häufig zufällig entdeckt. Wenn sich die Betroffenen mit dem Rücken vorbeugen, drehen sich die Wirbelkörper zusammen mit den Rippen, sodass häufig ein „Rippenbuckel“ oder eine „Lendenwulst“ sichtbar wird. 

Schmerzen sind selten und in der Regel nicht häufiger als bei gesunden Altersgenossen. Die Fehlhaltung kann jedoch zu psychosozialen Problemen führen, z. B. Mobbing.

Ursachen

In den meisten Fällen ist die Ursache der Skoliose unbekannt, sie wird dann idiopathische Skoliose genannt. Vermutlich spielen erbliche und hormonelle Faktoren eine Rolle. Man geht davon aus, dass es zu einem ungleichmäßigen Wachstum der Wirbelkörper kommt, wodurch sich die Wirbelkörper drehen.

Seltener tritt die Skoliose als Folge einer Grunderkrankung auf. Insbesondere bei neuromuskulären Erkrankungen entsteht häufig eine Skoliose, z. B. bei Zerebralparese, Syringomyelie, Poliomyelitis, spinaler Muskelatrophie und Muskeldystrophie.

Skoliosen kommen auch bei einigen Systemerkrankungen wie Neurofibromatosen, Marfan-Syndrom oder Osteogenesis imperfecta vor.

Häufigkeit

Die idiopathische Skoliose kommt bei 1,9–3 % aller Jugendlichen vor. Bei Mädchen tritt die idiopathische Skoliose häufiger auf als bei Jungen.

Untersuchungen

Die Skoliose wird häufig zufällig im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.

Ärztliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden Oberkörper und Beine vollständig betrachtet. Hierbei wird u. a. auf Schulterstand und Beckenstellung geachtet. Eventuell fällt eine Beinlängendifferenz auf. Anschließend wird die Wirbelsäule im vornübergebeugten Zustand beurteilt. Dabei können die Rippen sowie der Lendenbereich deutlich hervortreten. Zusätzlich erfolgt eine neurologische Untersuchung.

Bildgebende Untersuchungen

  • Um das Ausmaß der Skoliose besser beurteilen zu können, wird mittels Röntgen der sog. Cobb-Winkel bestimmt. Dieser gibt an, wie stark die Seitabweichung der Wirbelsäule ist.
  • Ggf. sind weitere Untersuchungen notwendig, z. B. eine MRT.

Behandlung

Die Behandlung der Skoliose ist u. a. abhängig vom Ausmaß der Skoliose (Cobb-Winkel), dem Alter sowie dem Restwachstum. Normalerweise erfolgt die Betreuung durch Kinderorthopäd*innen.

Das Ziel der Therapie ist, eine Zunahme der Skoliose und Komplikationen zu verhindern sowie die Beweglichkeit zu erhalten. Eine Früherkennung ist deshalb wichtig.

Physiotherapie

Spezielle Physiotherapie soll die Beweglichkeit verbessern und die Wirbelsäule aufrichten. Begleitend können manualtherapeutische oder osteopathische Behandlungen zur Schmerzlinderung angewendet werden.

Korsett-Therapie

  • Bei einer Krümmung von über 20–25 Grad wird ein Korsett empfohlen, das die Wirbelsäule aufrichtet.
  • Das Korsett sollte möglichst 18–23 Stunden am Tag bis zum Abschluss des Wachstums getragen werden.
  • Es wird im Abstand von 4–6 Monaten ärztlich kontrolliert und ggf. angepasst.

Operation

  • In manchen Fällen, vor allem bei einem großen Cobb-Winkel (ab ca. 40–50 Grad) und Fortschreiten der Erkrankung, wird eine operative Therapie empfohlen.
  • Bei der Operation wird die Wirbelsäule versteift und ein Korrekturstab eingesetzt.
  • Die volle Belastbarkeit wird nach 3 Monaten erreicht.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
 

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Skoliose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Wirbelsäulengesellschaft e.V. (DWG), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU). S2k-Leitlinie Adoleszente Idiopathische Skoliose. AWMF-Leitlinie Nr. 151-002, Stand 2023. register.awmf.org
  2. von der Höh NH, Schleifenbaum S, Schumann E, et al. Ätiologie, Epidemiologie, Prognose und biomechanische Besonderheiten neuromuskulärer Skoliosen. Orthopäde 2021; 50: 608-13. link.springer.com
  3. Matussek J. Kinderorthopädie und Kindertraumatologie. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag, 2013.
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Skoliose im Jugendalter. Stand 03.01.2024. Letzter Zugriff 11.02.2025. www.gesundheitsinformation.de
  5. Mehlman CT. Idiopathic Scoliosis. Medscape, last updated Aug 20, 2024. emedicine.medscape.com
  6. Negrini A, Poggio M, Donzelli S. Sport improved medium term results in a prospective cohort of 785 adolescents with idiopathic scoliosis braced full time. Eur Spine J 2022; 31(11): 2994-9. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Vu-Han TL, Reisener MJ, Putzier M, et al. Skoliose bei spinaler Muskelatrophie. Orthopädie 2021; 50: 657-63. link.springer.com
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