Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern
Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern
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Was sind Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern?
Schlafstörungen im Kindesalter sind häufig vorübergehend und nicht therapiebedürftig, nur in schwerwiegenden und anhaltenden Fällen sind therapeutische Maßnahmen empfohlen. Etwa 20–25 % aller Kinder leiden unter Schlafstörungen. Dabei sind Häufigkeit und Altersverteilung abhängig von der jeweiligen Schlafstörung.
Bei Säuglingen und sehr jungen Kleinkindern sind Schlafstörungen oft mit Störungen des Tagesablaufes oder einem ungünstigen Erziehungsverhalten verbunden. Dabei ist zu beachten, dass die Schlafdauer eines Kindes vom Alter abhängt und individuell verschieden ist.
0–4 Monate
Bei Neugeborenen wird der biologische Rhythmus in erster Linie durch Nahrung und Pflege gesteuert, wodurch es zu Schlafperioden von 2–4 Stunden kommt. Im Alter bis ca. 3–4 Monate schlafen die meisten Säuglinge etwa 14–18 Stunden pro Tag, davon mindestens 5 Stunden in der Nacht.
4–12 Monate
Im 1. Lebensjahr entwickeln sich sowohl die typischen Schlafstadien als auch der Tag-Nacht-Rhythmus des Schlafs. Im 2. Lebenshalbjahr kommt es im Rahmen größerer Entwicklungsschübe häufig zu vorübergehenden Schlafproblemen mit nächtlichem Aufwachen und Schreien, die die Vermittlung von Geborgenheit und Nähe zu vertrauten Personen erfordern. 70 % der Säuglinge mit 3 Monaten sowie 90 % mit 5 Monaten schlafen allein im Bett ein, finden bei nächtlichem Erwachen selbst in den Schlaf und schlafen 6–8 Stunden durch. Die empfohlene Schlafdauer beträgt 12–15 Stunden.
1–3 Jahre
Kleinkinder benötigen ca. 11–14 Stunden Schlaf pro Tag, es kommt jedoch zu großen individuellen Schwankungen. In den ersten 3 Lebensjahren gibt es noch Schlafperioden von bis zu 2 Stunden am Vormittag und am frühen Nachmittag. Später benötigen Kinder immer wenigere und kürzere Schlafperioden während des Tages, bis der Nachmittagsschlaf spätestens zum Schulalter allmählich verschwindet. Konflikte und Störungen beim Zubettgehen und Durchschlafen treten typischerweise im 2. Lebensjahr sowie im 3.–4. Lebensjahr auf. Dies liegt daran, dass sich im 2. Lebensjahr zunehmend die Autonomie und Selbstständigkeit des Kindes entwickelt und Grenzen ausgetestet werden, z. B. durch die Weigerung, ins Bett zu gehen. Im 3.–4. Lebensjahr haben Kinder eine ausgeprägte Fantasie und träumen intensiv, weshalb es öfter zu Albträumen oder Furcht vor der Dunkelheit kommen kann, was das Einschlafen erschwert.
Was kann die Ursache sein?
Häufige Ursachen
Insomnien
- Unter Insomnien versteht man eine Störung von Quantität oder Qualität des Schlafes bzw. dessen Zeitpunkt über mehr als 1–3 Monate. Insomnien sind die häufigste Schlafstörung bei Kindern.
- Insomnien durch inadäquate Schlafhygiene sind gekennzeichnet durch unregelmäßige Einschlafzeiten oder fehlende Einschlafrituale.
- Bei psychophysiologischen Insomnien bestehen ein hoher Erregungszustand und erlernte hinderliche Einschlafassoziationen.
- Eine akute Insomnie hält mindestens 4 Wochen an, eine chronische Insomnie für mindestens 3 Monate an mehr als 3 Tagen pro Woche.
- Mögliche Folgeerscheinungen sind kognitive Defizite, emotionale Fehlregulation und Verhaltensstörungen (z. B. Hyperaktivität).
Parasomnien
- Parasomnien sind episodisch auftretende Verhaltensmuster oder Ereignisse während des Schlafes oder des Schlaf-Wach-Übergangs, die bei ca. 15–20 % der Kinder auftreten.
- Pavor nocturnus (Nachtschreck)
- Nachtschreck bezeichnet ein plötzliches Aufwachen mit Schreien und starker körperlicher Reaktion, bei dem oft bis zu 30 Minuten lang keine Beruhigung möglich ist, bevor plötzliche Entspannung und erneuter Schlaf einsetzen.
- Von Pavor nocturnus sind etwa 1–6 % aller Kinder betroffen, am häufigsten im Alter von 3–5 Jahren. Die Erkrankung ist meist sporadisch und geht von selbst vorüber.
- Schlafwandeln (Somnambulismus)
- Schlafwandeln ist ein Zustand, in dem Kinder scheinbar wach, aber nicht bei vollem Bewusstsein und schwer erweckbar sind.
- Das Aktivitätsniveau kann zwischen zielloser Unruhe im Bett bis hin zu nächtlichem Umherlaufen mit entsprechendem Verletzungsrisiko variieren.
- Betroffene Kinder können sich in der Regel nicht an das Schlafwandel erinnern.
- Es tritt im Tiefschlaf, meist im ersten Drittel der Nacht, auf und ist häufiger bei Jungen als bei Mädchen. Am häufigsten betroffen sind Kinder im Alter von 11–12 Jahren.
- Schlafwandeln und Nachtschreck treten häufig gemeinsam auf.
- Albträume
- Albträume sind intensiv erlebte Angstträume mit lebhafter Erinnerung und schneller Orientierung nach dem Erwachen, die meist in der zweiten Nachthälfte auftreten.
- Typischerweise bestehen zusätzliche Ängste vor erneuten Albträumen beim Wiedereinschlafen.
- Albträume treten gehäuft im Rahmen psychischer Erkrankungen (z. B. Depression, posttraumatische Belastungsstörung) auf, kommen jedoch bei den meisten Kindern auch ohne bestehende Erkrankung vor.
- Wenn Kinder ständig intensive Albträume erleben, sollte dies Anlass zu ärztlicher oder psychologischer weitergehender Diagnostik sein.
- Unvollständiges Erwachen mit Verwirrung
- Verwirrung beim Aufwachen ist eine der häufigsten Parasomnien bei Kindern.
- Dabei kommt es zu einem plötzlichen Erwachen, bei dem Kinder desorientiert, verwirrt oder erregt sein können und häufig scheinbar zweckmäßige motorische Bewegungen ausführen.
Schlafbezogene Bewegungsstörungen
- Zähneknirschen (Bruxismus)
- Bruxismus ist das Pressen, Knirschen, Reiben und Klemmen der Zähne.
- Es ist mit einer Häufigkeit von 5–81 % die häufige Schlafstörung im Kindesalter.
- Zähneknirschen kann zu unerholsamem Schlaf sowie Zahnschmelzdefekten führen.
- Rhythmische Bewegungsstörungen
- Unter rhythmischen Bewegungsstörungen versteht man nächtliches Kopfschlagen, Schaukeln des Körpers und Rollen des Kopfes.
- Sie treten typischerweise bei jüngeren Kindern unter 1 Jahr in der Einschlafphase auf, können aber in jedem Alter vorkommen. Rhythmische Bewegungsstörungen können sowohl während des Tiefschlafes als auch im Wachzustand auftreten. Oft gehen sie spontan wieder zurück.
Schlafbezogene Atmungsstörungen
- Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
- Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom sind die Atemwege des schlafenden Kindes verengt oder blockiert, was zu häufigem kurzem Aufwachen während der Nacht führt. Dadurch kommt es wiederum tagsüber zu Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität.
- Es zeigt sich typischerweise in Form von Schnarchen, Mundatmung, Apnoe (Atemaussetzern), unruhigem Schlaf und nächtlichem Bettnässen.
- Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom tritt bei 1–6 % aller Kinder auf und ist häufig mit Frühgeburtlichkeit und ADHS verbunden.
- Daneben werden Säuglingsschlafapnoen sowie weitere seltenere Formen von schlafbezogenen Atmungsstörungen als eigenständige oder Begleiterkrankung unterschieden.
Schlafstörungen bei anderen Erkrankungen
- Schlafstörungen können ein Symptom zahlreicher psychischer und/oder körperlicher Erkrankungen sein. Zudem kann es im Rahmen der jeweiligen Behandlung zu medikamentös bedingten Schlafstörungen kommen.
- Angststörungen
- Zwangsstörungen
- hyperkinetische Störungen (z. B. ADHS)
- Säuglingskoliken
Seltenere Ursachen
- Hypersomnie („Schlafsucht”, übermäßige Schläfrigkeit)
- Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die als Tagesschläfrigkeit in Erscheinung tritt.
- Sie ist selten bei Kleinkindern, aber häufiger bei älteren Kindern.
- Entwicklungsstörungen und andere entwicklungsbedingte Funktionsstörungen
- Zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gehören Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), z. B. das Asperger-Syndrom, und das Rett-Syndrom.
- Etwa 80 % der Kinder mit neurologischen Entwicklungsstörungen haben Schlafstörungen verschiedener Art.
- Körperliche Behinderung
- Dabei kann es z. B. durch das Auftreten von Krämpfen, Schmerzen, schlafbezogenen Atmungsstörungen oder gastroösophagealem Reflux zu Schlafstörungen kommen.
- Eine Sehbehinderung kann die Anpassung an Hell und Dunkel erschweren und so zu einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus führen.
- Epilepsie
- Neben den nächtlichen bzw. schlafgebundenen Anfällen kann es auch aufgrund der Nebenwirkungen von Antiepileptika zu Schlafstörungen kommen.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Bestehen Schlafprobleme bei Säuglingen oder Kleinkindern, können Mütterberatungsdienste eine Anlaufstelle sein. Diese können hilfreiche Empfehlungen geben, u. a., ob ärztliche Hilfe aufgesucht werden sollte, etwa wenn einzelne Maßnahmen keine Wirkung zeigen.
- Belasten die Schlafprobleme das Kind oder andere Familienmitglieder, sollte ebenfalls ärztliche Hilfe aufgesucht werden.
Untersuchungen
Anamnesegespräch
- In der ärztlichen Untersuchung wird erfragt, wann das Kind ins Bett gebracht wird, wann das Kind morgens aufwacht und wie oft das Kind in der Nacht aufwacht.
- Die Schlafumstände wie eigenes Bett, Elternbett, mit Geschwistern geteiltes Zimmer, Umgebungsgeräusche, Beleuchtung oder die Abwesenheit der Bezugsperson (z.B. bei Schichtarbeit) spielen ebenfalls eine Rolle.
- Besonders bei jüngeren Kindern sind Rituale und Routinen vor dem Zubettgehen relevant.
- Auch das Verhalten während des Schlafs (Unruhe, Schnarchen, Bettnässen etc.) und tagsüber (Müdigkeit, Tagesschlaf, Tagesablauf, Stimmung, Konzentration und Leistungsfähigkeit, Verhaltensauffälligkeiten) wird erfragt.
- Daneben werden allgemeine Faktoren hinsichtlich der kindlichen Entwicklung, Charaktereigenschaften, dem Vorkommen von Schlafstörungen, Angststörungen, affektiven Störungen und spezifischen Persönlichkeitsstörungen in der Familie sowie psychiatrische und körperliche Vor- oder Begleiterkrankungen abgefragt.
Untersuchungen
- Es wird eine allgemeine körperliche Untersuchung hinsichtlich motorischer oder kognitiver Entwicklungsverzögerungen, neurologischer Erkrankungen oder anderer körperlicher Ursachen der Schlafstörung durchgeführt.
- Es sollte ein Schlafprotokoll über mindestens eine typische Woche zur Erfassung von Schlafqualität und schlafstörendem Verhalten geführt werden.
- Standardisierte Schlaffragebögen können eingesetzt werden.
- Besonders bei Verdacht auf epileptische Anfälle bzw. zur Abgrenzung von Pavor nocturnus und Somnambulismus (Schlafwandeln) wird ein Elektroenzephalogramm (EEG) aufgenommen.
- Eine Polysomnografie ist eine umfassende Untersuchung des Schlafes mit verschiedenen Parametern (z. B. Atmung, EEG, Muskelaktivität) zur Abklärung von schlafbezogenen Atmungsstörungen, Hypersomnien und chronischen Insomnien ohne Behandlungserfolg.
- Eine Aktigrafie, also eine Aufzeichnung der Bewegung in der Nacht mittels Aktometer (Beschleunigungsmesser, meist ähnlich einer Armbanduhr), erlaubt Rückschlüsse auf das Schlaf-Wach-Muster.
- Weiterführende technische oder neuropsychologische Untersuchungen können bei Verdacht auf spezifische Erkrankungen zum Einsatz kommen.
Behandlung
Allgemeines
- Grundlage der Behandlung ist eine ausführliche schlafmedizinische Beratung der Eltern/Bezugspersonen über die spezifische Schlafstörung (Psychoedukation).
- Bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. Syndrom der verzögerten Schlafphase) ist neben Schlafhygiene eine Intervention mittels Lichttherapie oder Chronotherapie möglich.
- Die medikamentöse Therapie spielt im Kindes- und Jugendalter eine untergeordnete Rolle.
Verhaltenstherapeutische Verfahren
- Verhaltenstherapeutische Verfahren bei jüngeren Kindern
- Rhythmisierung des Schlafverhaltens
- Gestaltung einer angenehmen Schlafumgebung und positive Zubettgeh-Routinen
- Abschwächung nachteiliger Verhaltensmuster (Extinktion), z.B. Herausklettern aus dem Bett, Rufen nach den Eltern
- Verzögerung der Zubettgehzeit (Faded Bedtime): Späteres Zubettgehen, wenn das Kind ausreichend müde ist und im Verlauf schrittweises Vorverlegen der Zubettgehzeit.
- Festgelegtes Erwachen: Aufwecken des Kindes 15–30 Minuten, bevor es allein erwachen würde, im Verlauf Verlängerung der Intervalle.
Weitere Maßnahmen
- Bei anhaltenden Schlafstörungen, familiärer Belastung oder negativen Folgeerscheinungen im Alltag ist eine Einbeziehung der Jugendhilfe oder eine Behandlung bei Pädiater*innen oder Kinder- und Jugendpsychiater*innen empfohlen.
- In einigen Fällen kann eine (teil-)stationäre Beobachtung und Abklärung, z. B. zur internistischen bzw. entwicklungsneurologischen Untersuchung erforderlich sein.
Medikamentöse Therapie
- Eine medikamentöse Behandlung von Schlafstörungen im Kindesalter sollte sehr zurückhaltend nur nach Ausschöpfung verhaltenstherapeutischer Interventionen und allenfalls vorübergehend angewandt werden.
- Zur Kurzzeitbehandlung können Antihistaminika ab einem Alter von 6 Monaten eingesetzt werden.
- Melatonin ist ein körpereigenes Hormon mit einschlaffördernder Wirkung, das wesentlich an der Tag-Nacht-Steuerung beteiligt ist.
- In Deutschland ist Melatonin bislang nur zur Behandlung von Schlafstörungen bei Kindern im Alter von 2–18 Jahren mit Autismus-Spektrum-Störung oder Smith-Magenis-Syndrom zugelassen.
- In Studien zeigte sich auch eine Wirksamkeit bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, neurologischer Entwicklungsstörung sowie verzögertem Schlafphasensyndrom bei guter Verträglichkeit ohne gravierende Nebenwirkung, auch in der Langzeitbehandlung.
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