Schlafwandeln
Schlafwandeln
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Was ist Schlafwandeln?
Definition
Schlafwandeln ist eine Form von nächtlichen Schlafstörungen, die vor allem bei Kindern vor der Pubertät auftritt. In der Fachsprache spricht man von Somnambulismus. Damit gemeint ist ein Zustand, in dem die Betroffenen scheinbar wach, aber nicht bei vollem Bewusstsein sind.
Schlafwandeln tritt in Episoden auf. Betroffene Personen können während der Episoden verschiedene Stufen von Aktivität zeigen, z. B. Unruhe oder Umherlaufen. Typisch sind auch unverständliche Lautäußerungen.
Symptome
Meist treten die Symptome im ersten Drittel der Nacht bzw. etwa 30 bis 90 Minuten nach dem Einschlafen auf. Mögliche Symptome sind:
- ziellose Unruhe im Bett
- Umherlaufen, meist mehrere Minuten bis eine halbe Stunde lang
- murmelnde und verschwommene Lautäußerungen
- starrer Gesichtsausdruck
- nur geringe Reaktion auf Berührungen
- direkt nach dem Aufwachen möglicherweise kurzzeitige Verwirrung oder Desorientierung
In der Regel erinnern sich die betroffenen Personen nicht mehr an die nächtlichen Episoden. Kinder berichten gelegentlich von kurzen, traumähnlichen Bildern.
Außer Schlafwandeln sind die häufigsten Parasomnien (unerwünschte Verhaltensweisen während des [Ein-]Schlafens) bei Kindern:
- Nachtschreck (Pavor nocturnus): Die Person wacht abrupt und schreiend auf. Oft ist bis zu 30 Minuten keine Beruhigung möglich, ehe plötzlich Entspannung eintritt.
- unvollständiges Erwachen mit Verwirrtheit
- Albträume
Die verschiedenen Parasomnien sind miteinander verwandt und können kombiniert auftreten.
Ursachen
Als Ursache von Schlafwandeln vermutet man eine Störung der Slow-Wave-Sleep-Phase, die einem tiefen Schlaf mit langsamen Gehirnwellen entspricht. Bei Kindern beginnt diese Phase erstmals etwa 15 Minuten nach dem Einschlafen und dauert zwischen 45 und 75 Minuten. Eine Störung dieser Phase tritt bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen auf. Daher wird sie mit einer Unreife des zentralen Nervensystems in Verbindung gebracht.
Außerdem gibt es einige Faktoren, die das Auftreten von Schlafwandeln begünstigen können:
- familiäre Veranlagung
- Schlafmangel über längeren Zeitraum
- chaotischer Schlafrhythmus
- Stress
- Fieber
- schlafbezogene Atemstörungen, häufig verursacht durch vergrößerte Mandeln
- Einnahme von Medikamenten wie Beruhigungs- und Schlafmittel, Psychopharmaka, Antibiotika, Mittel gegen Parkinson und Epilepsie sowie Antihistaminika
Häufigkeit
Schlafwandeln kommt bei etwa 15 % aller Kinder zwischen 4 und 12 Jahren und gelegentlich bei Erwachsenen vor. Am häufigsten betroffen sind Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren. Schlafwandeln tritt oft innerhalb einer Familie gehäuft auf, wobei Jungen und Mädchen gleich oft betroffen sind.
Schlafwandeln tritt meist etwa 1- bis 3-mal im Monat auf. Selten treten die Schlafstörungen mehr als einmal pro Nacht auf.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Schlafwandelnde Personen zeigen meist keine körperlichen Auffälligkeiten. Im Gespräch kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie bzw. Ihr Kind zu diesen Themen befragen:
- Schlaf- und Einschlafgewohnheiten
- Verhalten während des Schlafs (Unruhe, Schnarchen, Bettnässen etc.)
- Häufigkeit und Ursachen von Aufwachphasen
- abendliche Aktivitäten und Essgewohnheiten
- Häufigkeit und Dauer der Episoden
- Verhalten tagsüber, z. B. Leistungsfähigkeit, Konzentration, Hyperaktivität, Müdigkeit
Ein Schlaftagebuch, Schlafprotokolle oder Schlaffragebögen können hilfreich sein, um weitere Informationen über die Schlafgewohnheiten und -probleme zu gewinnen. Weitere Untersuchungen sind in aller Regel nicht nötig.
Bei Spezialist*innen
Selten ist eine Überweisung zu Spezialist*innen notwendig. Sie kann aber z. B. angezeigt sein bei Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung, auf Epilepsie oder bei Hinweisen auf eine psychische Erkrankung. Mögliche Untersuchungen sind:
- Polysomnografie: zur Abklärung von organisch bedingten Schlafstörungen, Atemstörungen sowie Epilepsie
- Routine-EEG: bei Verdacht auf epileptische Krampftätigkeit
- Aktigrafie: Mittels Aktometer (Armbanduhr-ähnlicher Beschleunigungsmesser) kann man auf Schlaf-Wach-Muster schließen bzw. bestimmte Schlafparameter schätzen.
Behandlung
In der Regel sind die Symptome harmlos und verschwinden nach mit der Zeit von allein. Eine Behandlung mit Medikamenten ist daher meist nicht erforderlich. Die Therapie beinhaltet im Wesentlichen diese Punkte:
- Beratung und Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen
- Ausschluss weiterer körperlicher oder psychischer Erkrankungen
- Bei sehr häufigen und intensiven Anfällen Überweisung an eine schlafmedizinische Praxis
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