Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)

Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)

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Was ist eine Schilddrüsenentzündung?

Schilddrüse (Thyreoidea)
Schilddrüse (Thyreoidea)

Definition

Die Schilddrüse ist eine wichtige Hormondrüse des menschlichen Körpers. Sie befindet sich am Hals direkt unterhalb des Kehlkopfs und vor der Luftröhre. Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Ihre hauptsächliche Funktion besteht in der Regulierung des Körperstoffwechsels mithilfe der genannten Hormone.

Als Thyreoiditis werden akute oder chronische Entzündungen der Schilddrüse bezeichnet, die verschiedene Ursachen haben können.

Symptome

Die Symptome können je nach zugrunde liegender Krankheitsursache variieren. Einige Patient*innen zeigen lokale Symptome wie Schwellungen und Schmerzempfindlichkeit im Halsbereich. Bei manchen kommt es zu Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Viele Betroffene haben allerdings nur mäßige Beschwerden. Die subakute lymphozytäre Thyreoiditis und postpartale (nach der Geburt) Thyreoiditis sind in der Regel schmerzlos.

Bei vielen Patient*innen hat die Schilddrüsenentzündung Auswirkungen auf die Stoffwechselaktivität. In manchen Fällen besteht in der Anfangsphase eine Überfunktion. Dies kann zu Gewichtsverlust, Zittern, Schwitzen, Nervosität und einem beschleunigten Puls führen.

Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kommt es häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Mögliche Folgen sind unregelmäßige Menstruationszyklen, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Ursachen

Verschiedene Erkrankungen können eine Schilddrüsenentzündung hervorrufen.

Autoimmunreaktionen

Die Schilddrüsenentzündung kann auf Autoimmunreaktionen beruhen, das heißt, die körpereigene Abwehr greift die Zellen in der Schilddrüse an. Man unterscheidet verschiedene Untergruppen von Autoimmunentzündungen der Schilddrüse:

  • Die häufigste ist die sog. Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Schilddrüsenentzündung, die in Deutschland heutzutage die häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist. Oft verläuft die Erkrankung unbemerkt über Jahre, insbesondere wenn noch keine oder nur eine latente Schilddrüsenunterfunktion besteht. Die am häufigsten nachgewiesenen Schilddrüsenantikörper sind jene gegen die Thyreoperoxidase (Anti-TPO).
  • Eine ähnliche Form ist die langsam verlaufende lymphozytäre Thyreoiditis, die die gleichen Antikörper aufweist, jedoch in niedrigerem Titer, meist unbemerkt verläuft und in der Regel folgenlos ausheilt. Es kommt eine Phase der Unterfunktion vor, die einige Monate anhalten kann, dann aber von alleine wieder in die Normalfunktion zurückgeht.
  • Auch infolge einer Schwangerschaft kann es zu einer Entzündung der Schilddrüse kommen (subakute, postpartale Thyreoiditis), diese ähnelt der lymphozytären Thyreoiditis und klingt ebenfalls meist spontan folgenlos ab. Besonders gefährdet sind Frauen mit Nachweis von Anti-TPO-Antikörpern sowie mit Diabetes.
  • Morbus Basedow führt dagegen zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Häufig können Antikörper gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) nachgewiesen werden.
  • Bei der sehr seltenen Riedel-Thyreoiditis kommt es zu einem Umbau des Schilddrüsengewebes mit einer Vermehrung von Bindegewebe.

Virusinfektionen

Weitere Ursachen einer Schilddrüsenentzündung können virale oder sehr selten auch bakterielle Infektionen sein. Auch die subakute Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis de Quervain) wird wahrscheinlich durch Virusinfektionen ausgelöst.

Medikamente/Bestrahlung

Darüber hinaus kommen eine vorangegangene Bestrahlung des Halses, eine Schilddrüsenpunktion, eine Radiojodtherapie ebenso wie einige Medikamente (Amiodaron, Lithium, Interferon) als Krankheitsauslöser infrage.

Häufigkeit

  • Schilddrüsenentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse. Frauen erkranken häufiger als Männer.
  • Etwa 5 % der Bevölkerung in Deutschland sind von einer Autoimmunthyreoiditis betroffen, wobei die Hashimoto-Thyreoiditis häufiger ist als Morbus Basedow.
  • Fast jede 12. Frau entwickelt nach einer Schwangerschaft eine Entzündung der Schilddrüse, die sog. postpartale Thyreoiditis.

Untersuchungen

  • Der Verdacht auf eine Schilddrüsenentzündung ergibt sich aus den Symptomen und Befunden.
  • Bei der ärztlichen Untersuchung wird die Schilddrüse abgetastet.
  • Eine Blutuntersuchung kann abweichende Werte für das Schilddrüsenhormon Thyroxin (FT4) und TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) zeigen.
  • Bei einer bestimmten Variante der Schilddrüsenentzündung (eitrige Thyreoiditis) sind die Entzündungswerte (Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP) erhöht.
  • Bei vielen Patient*innen lassen sich im Blut Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen.
  • Ein Schilddrüsenultraschall kann eingesetzt werden, um die einzelnen Formen der Schilddrüsenentzündung weiter zu unterscheiden.
  • Bei unklaren Befunden kann zusätzlich eine Feinnadelpunktion der Schilddrüse durchgeführt werden, bei der Gewebeproben zur weiteren Untersuchung gewonnen werden.
  • In einigen Fällen ist eine Szintigrafie der Schilddrüse sinnvoll, z. B. bei größeren Knoten (über 1 cm) oder zur Abklärung eines Morbus Basedow.

Behandlung

  • Die Behandlung der Thyreoiditis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und den Symptomen.
  • Bei ausgeprägten Beschwerden durch eine Schilddrüsenunterfunktion werden Ihnen Thyroxintabletten verschrieben. Diese können ggf. nach einigen Monaten wieder abgesetzt werden.
  • Eine leichte Schilddrüsenüberfunktion muss nur selten behandelt werden. Leiden Sie unter starkem Zittern und beschleunigtem Puls, können Sie Betablocker zur Linderung der Symptome erhalten. Propranolol darf sowohl in der Schwangerschaft als auch Stillzeit eingesetzt werden.
  • Bei der seltenen Riedel-Thyreoiditis kann eine Kortisongabe in Betracht gezogen werden. In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich.
  • Eine bakterielle Schilddrüsenentzündung wird mit Antibiotika behandelt.
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