Rhabdomyolyse
Rhabdomyolyse
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Was ist Rhabdomyolyse?
Definition
Als Rhabdomyolyse wird der Zerfall von Zellen der Skelettmuskulatur bezeichnet. Dabei wird der Zellinhalt der Muskelzellen wie Elektrolyte (z. B. Kalium und Magnesium) oder das Muskelprotein Myoglobin in die Blutbahn freigesetzt.
Die Ursachen der Rhabdomyolyse können sehr vielfältig sein. Unabhängig von der Ursache können die freigesetzten Muskelproteine die Nieren schädigen, und es kann im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen kommen. Daher sind eine frühzeitige Diagnose und Therapie von Bedeutung, um schwere Verläufe zu verhindern.
Symptome
Bei leichten Formen treten häufig keine Symptome auf.
Eine Rhabdomyolyse zeigt sich durch Muskelschwäche, Muskelschmerzen oder Muskelschwellung, meist rumpfnah in Schultern, Oberschenkel oder Rücken. Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen ist möglich.
Das freigesetzte Myoglobin kann den Urin rötlich-braun verfärben. Bei einem akuten Nierenversagen kann sich die Urinproduktion deutlich verringern oder sogar aussetzen.
Ursachen
Bei einer Rhabdomyolyse wird die Skelettmuskulatur geschädigt und der Inhalt der Muskelzellen freigesetzt. Die freigesetzten Proteine, allen voran das Myoglobin, führen zur bräunlichen Verfärbung des Urins. Das Myoglobin kann sich in den feinen Kanälen der Niere absetzen, diese verstopfen und zu einem Ausfall der Nierenfunktion führen. Ein akutes Nierenversagen wird zudem durch Flüssigkeitsmangel begünstigt.
Bei Kindern bis 10 Jahren ist die häufigste Ursache eine virale Infektion, bei Patient*innen über 10 Jahre sind Verletzungen am häufigsten. Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen, die zu einer Rhabdomyolyse führen können, dazu gehören:
Verletzung, verminderte Durchblutung
- Eine von außen zugeführte Verletzung oder eine traumatische Überbeanspruchung der Muskulatur führt zur Rhabdomyolyse. Dies kann z. B. der Fall nach einer Verletzung sein, wie einer Quetschung der Muskulatur nach einem Unfall oder bei mangelnder Durchblutung der Muskulatur im Rahmen eines Kompartmentsyndroms (krankhafte Druckerhöhung in den Muskellogen).
- Auch starke Stromschläge oder schwere Verbrennungen können zu einem Zerfall der Muskulatur führen.
- Eine längere Immobilisation (z. B. nach einer Operation) erhöht ebenfalls das Risiko.
Körperliche Anstrengung
- Bei einer außerordentlichen körperlichen Beanspruchung, wie z. B. einem Marathonlauf, wird die Muskulatur strapaziert und kann v. a. bei untrainierten Personen zu einer Muskelschädigung führen.
- Ein Krampfanfall mit Beteiligung der Muskulatur führt zu einer übermäßigen Anspannung der Muskulatur und kann in eine Rhabdomyolyse übergehen.
Medikamente, Toxine
- Manche Medikamente (z. B. Neuroleptika), Drogen (v. a. Heroin, Kokain, Amphetamin) und Alkohol können zu einer Rhabdomyolyse führen.
- Cholesterinsenker (Statine) verursachen nur sehr selten eine Rhabdomyolyse.
- Auch Schlangen- und Insektengifte können ursächlich sein.
Stoffwechselstörungen
- Störungen des Stoffwechsels bei einem schlecht eingestellten Diabetes im Rahmen einer schweren Entgleisung (Ketoazidose) können ebenfalls Ursache einer Rhabdomyolyse sein.
- Auch eine Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion begünstigen die Erkrankung.
- Veränderungen der Mineralstoffe im Blut, wie mangelndes Kalium oder Natrium, können auch eine Rhabdomyolyse verursachen.
Chronische Erkrankungen
- Es gibt seltene Erbkrankheiten und bestimmte Autoimmunerkrankungen, die eine Rhabdomyolyse begünstigen können.
Infektionen
- Verschiedene virale oder bakterielle Infektionen können der Ausgangspunkt für eine Rhabdomyolyse sein.
Temperaturextreme
- Starke Änderungen der Körpertemperatur durch eine hohe Körpertemperatur (Hitzschlag) oder zu niedrige Körpertemperatur (Unterkühlung, Erfrierung) können ebenfalls eine Rhabdomyolyse auslösen.
Häufigkeit
- Für Deutschland liegen keine Angaben zur Häufigkeit vor. In den USA gibt es etwa 25.000 Fälle pro Jahr, von denen 5–30 % mit akutem Nierenversagen einhergehen.
- Die Erkrankung tritt gehäuft bei Kindern unter 10 Jahren und Menschen über 60 Jahre auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Untersuchungen
Blut
Bei Verdacht auf eine Rhabdomyolyse wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wert eines Enzyms, das in der Skelettmuskulatur vorkommt und bei deren Zerfall erhöht ist – die Kreatinkinase (CK). Bei einer Rhabdomyolyse sind die CK-Werte mindestens verfünffacht.
Eine Rhabdomyolyse kann außerdem zu Elektrolytstörungen führen mit hohen Werten für Kalium, Magnesium und Phosphat und niedrigen Kalziumwerten.
Wenn bereits eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion vorliegt, lässt sich dies ebenfalls im Blut erkennen. Kreatinin, ein Marker zur Beurteilung der Nierenfunktion, ist im Falle einer Verschlechterung der Nieren erhöht.
Zudem werden die Gerinnungswerte im Blut bestimmt.
Urin
Der Urin ist aufgrund der großen Mengen an Myoglobin (Myoglobinurie) rotbraun gefärbt. Ein Urinteststreifen würde anzeigen, dass es sich um Blut handelt. Allerdings kann ein Urinteststreifen nicht zwischen Blutbestandteilen (Hämoglobin) und Muskelbestandteilen (Myoglobin) unterscheiden.
Biopsie des Muskels
Bei Verdacht auf eine genetische Ursache wird eine mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien) des Muskels durchgeführt.
Behandlung
- Eine frühzeitige Behandlung, häufig auf der Intensivstation im Krankenhaus, ist wichtig für den Verlauf und die Prognose der Krankheit. Sie zielt darauf ab, die Nierenfunktion zu erhalten oder wiederherzustellen und weitere Komplikationen zu verhindern.
- Die auslösende Ursache soll beseitigt werden.
- Zur Behandlung werden große Mengen Flüssigkeit über die Vene verabreicht. Die intensive Flüssigkeitsversorgung erhöht die Urinproduktion und „spült“ die Nieren aus, wodurch das Risiko sinkt, dass Myoglobin die Nierenkanälchen verstopft.
- Elektrolytstörungen können ggf. medikamentös behandelt werden.
- Wenn ein schweres Nierenversagen auftritt, kann eine Dialyse erforderlich sein, um das Blut zu reinigen.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Rhabdomyolyse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- BMJ Best Practice. Rhabdomyolysis. Last updated 02.11.2022, last reviewed 21.06.2023. Letzter Zugriff 21.07.2023. bestpractice.bmj.com
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- Bagley WH, Yang H, Shah KH. Rhabdomyolysis. Intern Emerg Med 2007; 2: 210-8. PubMed
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