Überhitzung und Hitzschlag

Überhitzung und Hitzschlag

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren

Was ist eine Überhitzung und ein Hitzschlag?

Definition

Zu einer Überhitzung oder einem Hitzschlag kommt es, wenn die körpereigene Temperaturregelung nach einem längeren Aufenthalt in einer warmen Umgebung nicht mehr funktioniert. Der Körper kann in der Regel eine Normaltemperatur (37 °C) halten, wenn die Lufttemperatur steigt. Wärme wird nach außen über die Haut abgegeben. Dies funktioniert jedoch nur, solange die Außentemperatur unter der Körpertemperatur liegt. Die Zahl der heißen Tage mit einer Lufttemperatur von über 30 °C hat in Deutschland aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Ein Hauptmechanismus gegen eine Überhitzung ist das Schwitzen. An heißen und feuchten Tagen verringert sich die Schweißverdunstung aufgrund der erhöhten Luftfeuchtigkeit. Reicht die Wärmeabgabe nicht mehr aus, steigt die Körpertemperatur, und es können Symptome auftreten.

Ein Hitzschlag entwickelt sich häufig langsam über mehrere Tage hinweg. Bei körperlicher Anstrengung (z. B. Sport) in heißer Umgebung kann ein Hitzschlag auch schneller entstehen.

Eine Überhitzung oder Hitzeerschöpfung ist eine mildere Reaktion auf Wärme. Die Symptome sind weniger stark ausgeprägt als bei einem Hitzschlag.

Ein Sonnenstich beruht auf einer lang anhaltenden, intensiven Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf. Dies führt zu einer Überwärmung des Gehirns und zur Reizung der Hirnhäute.

Symptome

Bei Überhitzung oder Hitzeerschöpfung liegt die Körpertemperatur zwischen 37 und 40 °C. Häufige Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Durst, Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und Reizbarkeit. Die Hitzeerschöpfung kann sich unbehandelt zum Hitzschlag weiterentwickeln.

Nach längerem Stehen in heißer Umgebung kann es auch zu einem sog. Hitzekollaps kommen. Dieser ist gekennzeichnet durch Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht und kann von Wasseransammlungen in den Beinen (Hitzeödeme) begleitet sein.

Insbesondere nach körperlicher Anstrengung bei hohen Temperaturen können Muskelkrämpfe auftreten.

Bei einem Hitzschlag liegt die Körpertemperatur über 40 °C. Erste Anzeichen eines Hitzschlages sind häufig Störungen des zentralen Nervensystems, wie Bewusstseinstrübungen, epileptische Anfälle und Ohnmacht. Zusätzlich treten Symptome der Überhitzung wie Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf.  Zu den weiteren Symptomen zählen trockene Haut (kaum Schwitzen) sowie Kreislaufprobleme bis hin zum Schock.

Sobald sich schwerwiegende Symptome zeigen, muss sofort ärztliche Hilfe geholt werden. Beträgt die rektal gemessene Körpertemperatur mehr als 39,5 °C, ist die Lage besonders ernst zu nehmen. Bei einer Körpertemperatur von mehr als 41 °C können lebenswichtige Organe wie Gehirn, Leber und Nieren geschädigt werden.

Ursachen

Ein Aufenthalt in Umgebungen mit hohen Temperaturen kann zu einem Hitzschlag führen. Aber auch die körpereigene Wärmeproduktion (z. B. beim Sport) führt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur. Zudem kann die körpereigene Temperaturregulation (Schwitzen) versagen, z. B. durch Kleidung oder bestimmte Medikamente. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und fehlender Luftbewegung verschlechtert sich die Temperaturregelung weiter.

Risikofaktoren

  • Personen in Städten sind stärker von Hitze betroffen, da Gebäude und Straßen die Wärme speichern.
  • Ein erhöhtes Risiko für Hitzeerkrankungen besteht bei älteren und pflegebedürftigen Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, Schwangeren, Personen mit chronischen Erkrankungen oder Übergewicht sowie Obdachlosen.
  • Körperliche Anstrengung und berufliche Tätigkeit im Freien gehen mit einem erhöhten Risiko für Hitzeerkrankungen einher.
  • Weitere Risikofaktoren sind akute Infekte, Alkohol- und Drogenkonsum sowie die Einnahme bestimmter Medikamente, u. a. Antidepressiva, blutdrucksenkende Medikamente, Schilddrüsenhormone, Anticholinergika und entwässernde Medikamente.

Häufigkeit

  • Hitzschläge kommen häufiger bei heißem und feuchtem Wetter vor, insbesondere während längerer Hitzeperioden.
  • Sie treten vor allem bei älteren Menschen und bei Menschen mit chronischen Krankheiten auf.
  • Im Zuge des Klimawandels nimmt die Zahl der Hitzetoten zu. In Europa kam es 2022 schätzungsweise zu 60.000 hitzebedingten vorzeitigen Todesfällen.

Untersuchungen

  • Blutdruck und Puls werden gemessen, Herz und Lunge abgehört.
  • Die Körpertemperatur wird möglichst rektal (über den Enddarm) gemessen.
  • Bewusstsein und Reflexe werden überprüft.
  • Ggf. werden zusätzlich Blut abgenommen und weitere Untersuchungen veranlasst.

Behandlung

Bei einer leichten Überhitzung klingen die Symptome in der Regel nach ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Kühlung schnell wieder ab. Bei Symptomen, die auf eine beginnende Hitzeerschöpfung hindeuten, sind in einem frühen Stadium kühlere Umgebungen aufzusuchen. Zudem werden Kühlungsmaßnahmen empfohlen.

Ein Hitzschlag stellt einen Notfall dar, der eine sofortige Behandlung erfordert. Hat eine Person einen Hitzschlag erlitten, sollte die Körpertemperatur so schnell wie möglich auf unter 40 °C gesenkt werden, aber nicht niedriger als 38–39 °C. Die betroffene Person sollte umgehend in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

Maßnahmen zur Kühlung

  • Eintauchen des ganzen Körpers in ein kaltes Wasserbad (Eiswasser): Damit kann die Temperatur am wirksamsten gesenkt werden. Dies ist die Methode der Wahl zur Behandlung des Hitzschlags. Die Betroffenen empfinden das Liegen in kaltem Wasser möglicherweise als sehr unangenehm.
  • Kühlung durch Verdunstung: Positionieren Sie um die entkleidete Person Ventilatoren. Gleichzeitig sollte die Haut feucht gehalten werden. Sprühen Sie also kaltes Wasser auf die Haut oder befeuchten Sie sie mithilfe eines Tuchs, Schwamms o. Ä. Dieses Verfahren ist gut verträglich und wird bei älteren Personen und nicht sportinduziertem Hitzschlag empfohlen.
  • Kühlung mit Kühlpacks: Diese können z. B. in der Leistengegend, Achselhöhle oder auf dem Kopf (bei Sonnenstich) positioniert werden. Der größte Effekt wird erzielt, wenn der ganze Körper mit Eis bedeckt wird. Vermeiden Sie dabei direkten Hautkontakt. Legen Sie ein Tuch oder Handtuch dazwischen. Kühlpacks können auch mit der Verdunstungsmethode kombiniert werden.

Medikamente

  • Flüssigkeit und Mineralstoffe können über eine Infusion direkt in die Blutbahn verabreicht werden, um den Kreislauf zu stabilisieren.
  • Evtl. auftretende Krampfanfälle werden mit Medikamenten behandelt.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hitzeschäden. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. BZgA. Hitze und Klimawandel-Hitze und Klimawandel. O.D. (letzter Zugriff am 14.05.2024). www.klima-mensch-gesundheit.de
  2. Leyk D, Hoitz J, Becker C, et al. Gesundheitsgefahren und Interventionen bei anstrengungsbedingter Überhitzung. Dtsch Arztebl Int 2019; 116(31-32): 537-44; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0537 DOI
  3. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). S1-Leitlinie Hitzebedingte Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis. AWMF-Leitlinie Nr. 053-052, Stand 2020. register.awmf.org
  4. Metzger KB, Ito K, Matte TD. Summer heat and mortality in New York City: how hot is too hot? Environ Health Perspect 2010; 118: 80-6. PubMed
  5. van Daalen K, Tonne C, Semenza JC, et al. The 2024 Europe report of the Lancet Countdown on health and climate change: unprecedented warming demands unprecedented action. The Lancet 2024. www.thelancet.com
  6. Robert Koch-Institut. Schätzung der Zahl hitzebedingter Sterbefälle und Betrachtung der Exzess-Mortalität; Berlin und Hessen, Sommer 2018. Epid Bull 2019; 23: 193–197. DOI: 10.25646/6178 DOI
  7. Bein T. Pathophysiologie und Management der Hitzeerkrankung. Med Klin Intensivmed Notfmed (2023). https://doi.org/10.1007/s00063-023-01072-1. link.springer.com
  8. Stefanie Bühn und Maike Voss, Klimawandel und Gesundheit, DGUV Forum, Ausgabe 1, 2023, ISSN 2699-7304. forum.dguv.de
  9. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). ICD-10-GM Version 2019. Stand 21.09.2018; letzter Zugriff 16.08.2019. www.dimdi.de
Logo von Deximed

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.

Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.

In unserer Gesundheitsdatenbank suchen

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Wissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Stopp
Gesundheit
Wissen, wann genug ist

Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.


Zum Beitrag
Heuschnupfen
Gesundheit
Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen

Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.


Zum Beitrag
Frau mit Hitzewallung
Gesundheit
Sind das die Wechseljahre?

Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind


Zum Beitrag

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen zu den hausärztlichen Praxen?fragen@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Haben Sie Fragen zum Hausarztprogramm?hausarztprogramm@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Möchten Sie eine detaillierte Beratung zum Programm?Dann rufen Sie uns an.

Jetzt anrufen
TeamPraxisHausärtzinnen- und Hausärzteverband

TeamPraxis ist das Portal der hausärztlichen Praxen in Deutschland. Denn Gesundheit ist Teamsache.

Sie sind Ärzt*in und haben Interesse am Hausarztprogramm?
Informieren Sie sich unter www.hzv.de.