Warum sollten Sie das Rauchen aufgeben, und wie gelingt es?
Warum sollten Sie das Rauchen aufgeben, und wie gelingt es?
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Wie gefährlich ist das Rauchen?
Das Tabakrauchen schädigt die Gesundheit kontinuierlich und stark. Es führt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Industrieländern. Etwa 14 % der Todesfälle in Deutschland sind auf die Folgen von langjährigem Tabakkonsum zurückzuführen. Zigarettenrauchen verursacht in der Bundesrepublik jährlich mehr Todesfälle als AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen. Mehr als 10 gerauchte Zigaretten pro Tag verkürzen die Lebenserwartung um ca. 9 Jahre bei Männern und ca. 7 Jahren bei Frauen, und schon 1 Zigarette am Tag erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Raucher*innen erleben zudem weniger gesunde Lebensjahre als Nichtraucher*innen und dadurch eine Einschränkung der Lebensqualität.
Rauchstopp
60–70 % aller Raucher*innen haben selbst den Wunsch aufzuhören. Innerhalb eines Jahres unternehmen etwa 20 % einen eigeninitiierten Aufhörversuch. Spontane Aufhörversuche scheitern aber in ca. 95 % der Fälle bereits in den ersten Wochen und Monaten, lediglich ca. 5 % sind nach 1 Jahr noch abstinent. Viele Raucher*innen benötigen daher zum erfolgreichen Aufhören eine beratende bzw. therapeutische Unterstützung.
Wie schaffen Sie es, mit dem Rauchen aufzuhören?
Kurzberatung
Die Kurzintervention bei Raucher*innen ist eine wirksame Methode, die bei jedem Arzttermin möglich ist. Dabei wird z. B. eine Beratung nach der 5A-Methode durchgeführt:
- Abfragen des Rauchstatus (Ask)
- Anraten des Rauchverzichts (Advise)
- Abfragen der Aufhörmotivation (Assess)
- Assistieren beim Rauchverzicht (Assist)
- Arrangieren der Nachbetreuung (Arrange)
Motivierende Gespräche sind auch als telefonische Beratung sinnvoll. Internetbasierte oder mobile Selbsthilfeprogramme sowie Selbsthilfematerialien können unterstützend eingesetzt werden.
Noch kompakter ist das ABC-Schema, das nur wenige Minuten in Anspruch nimmt:
- Ask (Abfragen)
- Brief Advice (Beratung)
- Cessation Support (Coaching/Unterstützung)
Psychotherapeutische Interventionen
Verhaltenstherapie (VT) in Einzel- oder Gruppensitzungen sind wirksame Verfahren zur Raucherentwöhnung und Rückfallvorbeugung. Eine Gruppentherapie fördert den Austausch zwischen den Teilnehmer*innen und schafft ein unterstützendes Umfeld. Einzeltherapien ermöglichen eine maßgeschneiderte Behandlung und gezielte Interventionen.
Rauchentwöhnungsangebote in Deutschland orientieren sich überwiegend an der Methode der kognitiven Verhaltenstherapie. Neben der Verhaltensebene werden dabei auch Erwartungen und Gedanken thematisiert, die mit dem Rauchen verbunden sind. Eine Verhaltenstherapie ist allein wirksam, aber eine kombinierte Behandlung aus verhaltenstherapeutischen Ansätzen und medikamentöser Behandlung erhöht die Erfolgsrate weiter.
Digitale Unterstützungsangebote
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) haben sich als sinnvolle Ergänzungen zu etablierten Maßnahmen bewährt. Zugelassene DiGA werden von den Krankenkassen erstattet.
Alternativ sollten qualitätsgesicherte internetbasierte Selbsthilfeprogramme angeboten werden. Die meisten beruhen auf einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Grundlage und begleiten die Nutzer*innen über einen gewissen Zeitraum vor und nach dem gewählten Ausstiegstermin.
Medikamente, die Ihnen helfen können
Nikotinersatzprodukte (Kaugummi, Inhaler, Lutschtablette, Mundspray, Pflaster), Bupropion und Vareniclin erhöhen nachweislich den Anteil der dauerhaften Nichtraucher*innen – sowohl als Einzelsubstanz als auch in Kombination.
Nikotinersatztherapie (NET)
- Die NET dient dazu, die erforderliche Nikotinmenge über Wochen nach und nach zu reduzieren und die Aufnahme von Nikotin vom Zigarettenrauchen zu entkoppeln.
- Die Einstiegsdosierung orientiert sich am vorherigen Tabakkonsum.
- Eine bekannte Form der NET sind Nikotinpflaster, die lang wirksam sind und auch bei starken Raucher*innen mit nächtlichen Entzugssymptomen eingesetzt werden können.
- Nikotinkaugummis, Tabletten zum Lutschen oder unter die Zunge Legen sowie Sprays sind schnell und kurz wirksam.
- Manchmal kann es sinnvoll sein, verschiedene Applikationsformen zu kombinieren.
Vareniclin/Cytisin
- Vareniclin und Cytisin blockieren Rezeptoren im Körper, sodass das Rauchen nicht die erwartete Stimulation des Belohnungssystems bewirkt.
- Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Albträume, erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko sowie möglicherweise psychische Symptome wie Depressivität, Agitiertheit und Suizidgedanken. Bei Cytisin treten sehr häufig Mundtrockenheit, Übelkeit und Durchfälle auf.
- Bei Cytisin sollte der Rauchstopp spätestens am 5. Tag nach dem Therapiestart erfolgen. Die Therapie wird nach 25 Tagen beendet, bei Vareniclin nach 12–24 Wochen.
Antidepressiva
- Bupropion ist ein sogenannter selektiver Dopamin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer mit nachgewiesener Effektivität, allerdings weniger wirksam als Vareniclin.
- Eine Kombination mit NET wird nicht empfohlen (keine bessere Wirkung, mehr Nebenwirkungen).
Schadensminderung (Harm Reduction)
Aus medizinischer Sicht sollte immer ein Rauchstopp angestrebt werden. Ist dies nicht möglich, stellt eine Reduktion des Tabakkonsums immerhin eine Verbesserung dar. Die Diskussion über den Einsatz von E-Zigaretten/Tabakerhitzern zur Schadensminderung wird in Deutschland kontrovers geführt, da die Datenlage hinsichtlich Wirksamkeit und langfristiger Risiken uneinheitlich ist.
Elektrische Zigarette (E-Zigarette)
- E-Zigaretten enthalten im Gegensatz zu Zigaretten, Shishas oder Tabakerhitzern keinen Tabak.
- Das Inhalat enthält aber u. a. krebserregende Substanzen und Zellgifte.
- Möglicherweise ist die E-Zigarette eine Option für Raucher*innen, für die leitliniengerechte Unterstützungsmaßnahmen nicht infrage kommen. Dies schließt aber ein,
- vollständig mit dem Tabakrauchen aufzuhören (kein „Dual Use“)
- und mittelfristig auch den Konsum von E-Zigaretten zu beenden.
Tabakerhitzer
- Im Vergleich zu Zigarettenrauch sind die Konzentrationen einiger nachweislich krebserregender Substanzen im Rauch geringer, einige Substanzen liegen aber auch in höherer Menge vor als in Tabakrauch.
- Ungewiss sind jedoch die gesundheitlichen Risiken insbesondere für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System sowie die Langzeitgefährdung.
Nikotinbeutel
- Nikotinbeutel (Nikotinpouches, Snus) sind Lifestyleprodukte, deren potenzieller Nutzen für die Raucherentwöhnung unklar ist.
- Damit können Nikotin-Blutspiegel erreicht werden, die mit herkömmlichem Zigarettenrauchen vergleichbar sind, oder – je nach Wirkstoffkonzentration des verwendeten Produkts – weit darüber hinausgehen.
- Nikotin führt zu Abhängigkeit und Entzugserscheinungen.
- Snus ist ein rauchloses Tabakprodukt, das zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt wird.
- Die WHO definiert rauchlosen Tabak als krebserregende Substanz, die nachgewiesenermaßen Krebs in Mundhöhle, Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse verursacht.
In der Schwangerschaft
Wenn Sie während der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören wollen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Am besten ist es in dieser Situation, nur mit Beratung und Unterstützung von Expert*innen (also ohne Medikamente) erfolgreich aufzuhören. Es können in Ausnahmefällen aber auch Nikotinersatzstoffe angewendet werden. Lassen Sie sich in Ihrer Frauenarztpraxis beraten.
Kostenüberahme
- Alle in Deutschland zur Rauchentwöhnung zugelassenen Mittel waren bislang generell von der Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen und mussten von den Anwender*innen selbst bezahlt werden.
- Mit Beschluss vom 15.05.2025 können gesetzlich Versicherten künftig auch unterstützend Arzneimittel verordnet werden.
- Voraussetzungen sind schwere Tabakabhängigkeit und die Teilnahme an einem evidenzbasierten Entwöhnungsprogramm.
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Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
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