Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Primär biliäre Cholangitis (PBC)
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Was ist primär biliäre Cholangitis?
Definition
Die primär biliäre Cholangitis (PBC) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigene Immunabwehr gegen die im Inneren der Leber gelegenen (intrahepatischen) Gallengänge richtet. Dadurch kommt es zu einem Stau der Gallenflüssigkeit in den Gallengängen, der mit einer Entzündung und Vernarbung (Fibrose) der Leber einhergeht und im Endstadium zum Leberversagen führt.
Symptome
Die Symptome beruhen auf dem fortschreitenden Versagen der Leberfunktion und dem zunehmenden Druck in der Pfortader (Portalvene), über die die Leber mit Blut versorgt wird. Zunächst verläuft die primäre biliäre Cholangitis häufig symptomlos, als Erstsymtom zeigt sich bei bis zu 80 % der Betroffenen meist eine allgemeine Abgeschlagenheit (Fatigue). Weitere Symptome sind unklare Oberbauchbeschwerden, Juckreiz, Gelenkschmerzen, Mund- und Augentrockenheit sowie Fieber. Im Spätstadium führt die zunehmende Vernarbung (Fibrose) zu einer Umstrukturierung und Zerstörung der Leberarchitektur und damit zu einer Einschränkung der Leberfunktion (Leberzirrhose). Dadurch kommt es zu Gelbsucht, fettigem Stuhlgang, blutenden Blutgefäßen der Speiseröhre und Osteoporose.
Ursachen
Als Auslöser werden Umwelt-, aber auch genetische Faktoren vermutet, da sich eine familiäre Erkrankungshäufung beobachten lässt. Raucher*innen und Menschen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen erkranken ebenfalls häufiger an PBC.
Häufigkeit
Die Erkrankung ist selten. Die Zahlen variieren weltweit und sind Nordamerika und Europa am höchsten, wobei sich eine steigende Tendenz in den letzten zwei Dekaden zeigt. Es treten in einem Jahr etwa 1,76–14,60 neue Fälle pro 100.000 Personen auf. In den USA sind insgesamt 33,5–57,8 pro 100.000 Frauen und 7,7–15,4 pro 100.000 Männer betroffen und damit 4- bis 6-mal so viele Frauen wie Männer. Die Diagnose wird häufig im Alter zwischen 40 und 60 Jahren gestellt; vor dem 30. Lebensjahr tritt die Erkrankung sehr selten auf.
Untersuchungen
- Wegweisend für den Verdacht auf PBC sind die typischen Symptome wie ein reduzierter Allgemeinzustand, Juckreiz und im Spätstadium eventuell Gelbsucht.
- Untersucht wird, ob eine Vergrößerung von Leber und Milz sowie eine Hyperpigmentierung der Haut vorliegen.
- Es kann zu kleinen, meist gelblichen Fettablagerungen an den Ober- und Unterliedern der Augen kommen.
- Spätfolgen der Leberzirrhose werden ebenfalls überprüft, z. B. spinnenartige erweitere Blutgefäße unter der Haut im Gesicht, gerötete Handflächen, eine Vergrößerung der Brüste und Verkleinerung der Hoden bei Männern sowie leberbedingte Gehirnschäden (hepatische Enzephalopathie).
- Zudem können andere Autoimmunerkrankungen der inneren Organe, Haut und Gelenke auftreten.
- Die Blutuntersuchungen können den Verdacht erhärten und andere mögliche Lebererkrankungen ausschließen.
- Aufgrund der geschädigten Leberzellen sind die Werte der Leberenzyme im Blut erhöht.
- Die Leberfunktionswerte wiederum sind durch das Leberversagen erniedrigt.
- Der Bilirubinwert (Gallenpigmentwert) liegt über der Norm.
- Im Blut lässt sich meist eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an antimitochondrialen Antikörpern (AMA) nachweisen, die auf eine Autoimmunreaktion hindeuten.
- Eine Ultraschalluntersuchung der Leber dient dem Nachweis anderer eventuell vorhandener Erkrankungen in der Leber oder den Gallengängen.
- Auch bei PBC üblicherweise vergrößerte Lymphknoten können so erkannt werden.
- Eine spezielle Messung der Lebersteifigkeit kann ebenfalls Hinweise geben.
- Auch bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) können zum Ausschluss anderer Erkrankungen eingesetzt werden.
- Bei unsicherer Diagnose können im Rahmen einer Biopsie Gewebeproben der Leber entnommen werden.
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Im Rahmen der Diagnosestellung kann eine Bestimmung der Knochendichte durchgeführt werden, die in Abhängigkeit vom Ausmaß der Erkrankung und dem individuellen Risikoprofil im weiteren Verlauf etwa alle 1–5 Jahre wiederholt werden sollte.
Behandlung
- Die Behandlung bei einer PBC zielt auf die Linderung der Symptome ab, gleichzeitig soll ein schnelles Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Die Therapie erfolgt durch Fachärzt*innen für Hepatologie.
- Das Mittel der Wahl ist die Ursodesoxycholsäure (UDCA).
- Dabei handelt es sich um eine Gallensäure, die eine geringere schädliche Wirkung auf die Leber hat als die lebereigenen Gallensäuren. UDCA konkurriert mit den körpereigenen Gallensäuren im hinteren Bereich des Dünndarms um die Aufnahme ins Blut. Erfolgt eine kontinuierliche Behandlung mit UDCA, so wird diese zur dominanten Gallensäure im Blut.
- Die Therapie führt zur Linderung der Symptome, nach einigen Wochen und Monaten fallen auch die Lebergewebeproben bei den meisten Patient*innen deutlich besser aus. Früher waren viele der Betroffenen auf eine Lebertransplantation angewiesen, diese kann mit UDCA signifikant verzögert werden.
- Menschen, die auf eine Behandlung mit UDCA ansprechen, haben eine günstige Prognose.
- Seit einigen Jahren wird mit Obeticholsäure eine weitere Gallensäure zur Therapie der PBC eingesetzt. Diese kann entweder gemeinsam mit Ursodesoxycholsäure oder allein verwendet werden.
- Zusätzlich werden die jeweiligen Symptome der Erkrankung behandelt.
- Wenn die PBC zu einem Leberversagen führt, ist eine Lebertransplantation erforderlich.
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- Trotz Lebertransplantation kann in einigen Fällen (15 % nach 3 Jahren bzw. 30 % nach 10 Jahren) zurückkehren. Im Fall eines Rückfalls wird wieder UDCA eingesetzt.
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