Nekrobiose (Necrobiosis lipoidica)
Nekrobiose (Necrobiosis lipoidica)
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Was ist Nekrobiose?
Definition
Die Nekrobiose ist eine entzündliche Erkrankung der Haut unbekannter Ursache. Die Entzündungsreaktionen werden durch Veränderungen des Kollagens in der Haut ausgelöst. Von diesem Krankheitsbild sind vor allem Personen mit Diabetes betroffen, aber auch Personen ohne Diabetes können eine Nekrobiose entwickeln.
Symptome
In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung mit glänzenden Hautflecken, die langsam über Monate oder Jahre an Größe zunehmen. Anfangs sind diese Flecken rötlich-braun, mit der Zeit verfärben sie sich gelb, die Haut an den betroffenen Stellen wirkt eingesunken und dünn (Hautatrophie). Die Krankheit wird aufgrund ihres Erscheinungsbildes von vielen Betroffenen als kosmetisch sehr störend empfunden.
Die Hautveränderungen äußern sich anfangs als klar abgegrenzte Knötchen mit einem Durchmesser von 1–3 mm, die mit aktiven roten Rändern nach außen wachsen. In der Mitte wird die Haut wachsartig und dünn. Die Flecken können rund, oval oder unregelmäßig geformt sein und mehrere cm groß werden. Normalerweise finden sich mehrere Flecken auf beiden Seiten des Körpers. In den meisten Fällen ist die Vorderseite der Unterschenkel betroffen, sie können aber auch im Gesicht, am Haaransatz, am Rumpf und an den Armen auftreten. Manchmal sind Erweiterungen der kleinen Blutgefäße in der Haut zu sehen. Die Haut ist empfindlich und Verletzungen können zur Bildung von Geschwüren führen, die sich schließlich infizieren können. Bei rund 75 % der Betroffenen verursachen die Hautveränderungen aufgrund geschädigter Nerven keine Schmerzen, bei den restlichen 25 % treten starke Schmerzen auf.
Ursachen
Bei der Nekrobiose handelt es sich um eine Funktionsstörung in der Haut, bei der es zu Veränderungen des Kollagens, lokalen Entzündungsherden (Granulomen), verdickten Blutgefäßen und Fettablagerungen kommt. Vermutlich liegt eine Autoimmunreaktion vor. Die Nekrobiose wird als eine langfristige Folge der Veränderungen in den Blutgefäßen bei Diabetes-Patient*innen (diabetische Mikroangiopathie) oder von anderen Gefäßschäden (z. B. bei rheumatologischen Erkrankungen) angesehen. Dabei scheint es unerheblich zu sein, ob die Blutzuckerwerte gut eingestellt sind oder nicht.
Ein erhöhtes Risiko für eine Nekrobiose besteht bei Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen und rheumatischen Erkrankungen.
Häufigkeit
Die Erkrankung tritt bei weniger als 1 % aller Patient*innen mit Diabetes auf. Aber 75 % der an Nekrobiose erkrankten Personen haben Diabetes oder entwickeln Diabetes zu einem späteren Zeitpunkt. Das Durchschnittsalter bei Krankheitsbeginn liegt bei rund 30 Jahren, die Erkrankung kann allerdings in jedem Alter auftreten. Frauen sind 3- bis 5-mal so häufig betroffen wie Männer.
Untersuchungen
- Die Diagnosestellung ist im Frühstadium oft erschwert.
- Der Verdacht auf Nekrobiose besteht bei typischen Hautveränderungen an der Schienbeinvorderkante bei bekanntem Diabetes.
- Die Diagnose wird mit einer Gewebeprobe gesichert, die unter dem Mikroskop histologisch untersucht wird.
- Evtl. wird auch der Blutzucker gemessen.
Behandlung
- Ziel der Behandlung ist, das weitere Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
- Zugrunde liegende Erkrankungen (v. a. Diabetes) sollen behandelt werden.
- Eine ursächliche Therapie existiert nicht. Eine Behandlung wird daher nur bei Schmerzen oder Geschwüren empfohlen.
- In einigen Fällen bilden sich die Hautveränderungen von selbst zurück.
- Wenn sich Geschwüre gebildet haben, sind eine gute Wundversorgung und angemessene Schmerztherapie wichtig.
- Bei aktiven Hautveränderungen erfolgt meist eine Behandlung mit Kortison, das als Salbe oder Creme auf die veränderten Hautpartien aufgetragen oder mittels Spritze in die Randbereiche injiziert wird. Im späteren Verlauf ist die Wirkung jedoch gering.
- Bei Geschwüren oder starken Entzündungen können auch Medikamente zum Einnehmen verschrieben werden, z. B. Kortison oder andere entzündungshemmende Medikamente.
- In einigen Fällen wird versucht, das erkrankte Gewebe operativ zu entfernen und durch ein Hauttransplantat zu ersetzen. Das Operationsergebnis ist anfangs häufig zufriedenstellend, allerdings besteht ein hohes Risiko, dass erneute Hautveränderungen an der betroffenen Stelle auftreten.
- Zuweilen lassen sich mittels Lasertherapie positive Behandlungsergebnisse erzielen.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nekrobiose (Necrobiosis lipoidica). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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